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Ein normales Fußballspiel in Gelsenkirchen, wenn der Ball erstmal rollt. Ganz viele Umarmungen in Dortmund. Ein verdrießlich dreinschauender, junger Niederländer, auf der Tribüne in Wolfsburg. Ein später Ausgleich durch den eingewechselten Heiko Herrlich in Hamburg. Die fünfte Gelbe Karte für den Deutschland-Poldi in Köln. Fehlende Stürmer allenthalben in Frankfurt. Den Kick der Verklemmten in Stuttgart. Political correctness bis zur Schmerzgrenze in Freiburg. Franz Beckenbauers Kommentar:
„Ja gut, ein Guus Hiddink ist natürlich für jeden Club immer ein interessanter Mann.“
Felix Magath habe Kevin Kuranyi wieder zu alter Stärke zurückgeführt, schrieb die „Bild“-Zeitung vor nicht langer Zeit. Zwischendurch ist Kevin Kuranyi immer wieder mal in der Krise. Nicht nur in den Zeitungen, auch unter Fans ist Kevin Kuranyis Ansehen recht starken Schwankungen unterworfen. Da nehme ich mich nicht aus. Zu häufig habe ich mich schon darüber geärgert, dass ihm in aussichtsreicher Position der Ball zu weit vom Fuß sprang, dass er eine „Hundertprozentige“ ausließ. Dann aber macht er Dinger die man ihm 5 Minuten zuvor nicht zutraute. Und in der Regel ist er es eben, der für Schalke den Knicker aus einem Getümmel über die Linie schiebt.
Kevin Kuranyi fehlt zum besseren Ansehen wohl vor allem diese eine überragende Saison. Ein Jahr in dem über ihn als Top-Torjäger geschrieben wird, nicht nur als ein Torjäger unter besseren. Fürs Gefühl wäre wohl eine Saison mit 21 Treffern gefolgt von zweien mit 11 besser als zwei Jahre mit 15 Toren und eins mit 13.
Kevin Kuranyi liefert stetig. Demnächst erzielt er sein 100. Bundesligator. Miroslav Klose (117) und Claudio Pizarro (123) sind die einzigen aktiven Bundesligaprofis, die öfter jubelten. Beide sind rund dreieinhalb Jahre älter.

Es liegt nicht an der mangelnden Fußballbegeisterung. In der Regel pilgert der Fußballfan Richtung Berger Feld sobald das Stadion zu leuchten beginnt. Es liegt an Joachim Löw.
Hier, wir, ich, unser Verein, wir Fans und vermutlich auch unsere Spieler, wir fühlen uns missachtet. Wir mögen die Sprache des Herrn Löw nicht, dieses mal Hüh mal Hott. Das Hott gegen Kuranyi, während ein Bankdrücker aus München dem Kapitän auf dem Platz in die Fresse hauen und sich trotzdem auf Löws Hüh verlassen kann. Dass Jermaine Jones keine Chance bekam. Pure Ironie, dass ausgerechnet Heiko Westermann mittlerweile zum festen Stamm der Nationalmannschaft zählt, wo gerade er derzeit so große Probleme hat, sich als Leistungsträger in der neuen Schalker Mannschaft zu etablieren.
Dass Manuel Neuer nicht mal diese 90 Minuten Einsatzzeit in einem unwichtigen Spiel im eigenen Stadion in voller Länge bekommt, ist nur ein weiterer Tropfen in die Regentonne. Eigentlich sind wir des Themas müde. Von uns mag jeder halten was er will, vom Thema auch. Wir wollen uns damit gar nicht mehr rumärgern, sollen sie uns in Ruhe lassen. Über ein halbleeres Stadion bei einem Auftritt Löws Nationalmannschaft in Gelsenkirchen wundert sich hier niemand.
Heute sind Fanschals 17 cm breit und 150 cm lang. Im Stadion kosten sie 15 Euro, davor, beim fliegenden Händler, gibt’s sie für Fünf. Allerdings ohne Clubwappen, aus Angst vor den Vereinsanwälten. Zu jedem Anlass gibt es neue Schals, ein flotter Spruch, ein Willkommens- oder Abschiedsgruß, das bloße Stattfinden eines Spiels. Und alle sind aus Polyacryl.
Ich mag die schlichte Blockstreifenversion. Die gibt es zum Glück noch. Im Kapitalismus der Bundesliga ist man darauf angewiesen, dass Mitfans die Nachfrage hoch genug halten. Zumindest wenn man keine Oma mehr hat.
Bevor sich der Kunststoff den Fans an den Hals schmiss wurden Schals noch selbstgestrickt, dass heisst in der Regel ließ Mann selbststricken. Gerne wurde der Schal noch mit Aufnähern versehen und voller Achtung getragen, wie die Stola vom Pfarrer. Dabei war der Längenvergleich keineswegs tabuisiert. Mit jämmerlichen 140 cm hätte sich damals niemand in die Kurve getraut.
Ich fühle mich mit dem Polyacryl-Stück heute noch schlecht angezogen. Meinen Selbstgestrickten hatte auch ich einst im Wahn des Aufbruchs in die Moderne entsorgt. Nun leide ich darunter, dass an mir Zweimetermenschen die 140 cm Neuzeitstoff wirken wie Biekers Schal in den Händen Michael Caines als Ebenezer Scrooge. Und Oma ist tot. Eine Leihoma suchte ich bislang vergebens.
Stellt man den bisherigen Ergebnissen des FC Schalke 04 die Resultate der gleichen Begegnungen aus den letzten Jahren gegenüber, dann wird offensichtlich, dass Schalke einen bemerkenswert erfolgreichen Start hingelegt hat.
Alles ist relativ. Für diese Feststellung braucht es keine Vergleiche, mag mancher einwenden. Dass man zwei der drei letzten Spiele beinahe verloren hätte und dabei keineswegs souverän agiert habe, höre ich andere rufen. Ich selbst will anführen, dass die nackten Zahlen den sympathischen Auftritten dieser neuen Mannschaft, und der neugeschaffenen Zuversicht, nicht gerecht werden.
Trotzdem.

Neulich im Bus. Mein Sohn (5) sitzt gerne hinten. Ihm schräg gegenüber ein junger Mann, offensichtlich MSV-Fan, einen Blockstreifenschal tragend. Ob mein Sohn das kleine Zebra nicht gesehen hat, ob es ihm egal war, ob er Hoffnung in die Gemeinsamkeit der Farben setzte, ich weiß es nicht. Jedefalls begann er damit, erst etwas zurückhaltend, dann immer forscher, fast fordernd, das „Blau und Weiß“ unseres Vereins zu intonieren.
Eigentlich ist es mein Sohn gewohnt, dass andere mit einstimmen. Der junge Mann ließ sich durch die gelebte Fröhlichkeit und den Enthusiasmus des Fünfjährigen nicht dazu ermutigen. Schweigend stand er auf und suchte sich ein anderes, ruhigeres Plätzchen, weiter vorne im Bus.
Ich erfuhr es via Twitter. Hannovers Präsident Martin Kind ließ die Bildzeitung wissen, dass er gegen 19:35 Uhr durch die Polizei erfahren habe, dass Robert Enke tot sei. Nach Informationen der WELT hat sich Enke in Neustadt am Rübenberge vor einen Zug geworfen.
Robert Enkes Tochter Lara wurde 2004 geboren, wie mein Sohn. Als ich die Geschichte von Laras Herzfehler las bewunderte ich Robert Enke für seine Stärke. Als Lara 2006 starb nahm mich das mit wie es einen Vater mitnehmen kann, dem nichts auf der Welt wichtiger ist als seine Kinder.
Ohne zu wissen was Robert Enke zu diesem Schritt bewegte: Das ein kluger Mann, jünger als ich, keinen anderen Weg sieht, erschüttert mich zutiefst. Erneut nimmt mich eine Nachricht um Robert Enke sehr mit.
„Der kleine Matip läuft so nebenher und wäre nicht unfroh, wenn er nicht angespielt werden würde.“
Seine Selbstherrlichkeit Marcel Reif, Sky-Kommentator, die Berichterstattung stets der eigenen Formulierung opfernd, über den Schalker Joel Matip, irgendwann zwischen der 31. und der 43. Spielminute des Spiels gegen Bayern München. Nach Matips Tor erwähnte Reif ihn nur noch am Rande. Gestern ernannte der kicker Joel Matip zum Spieler des Spiels: „Kompromisslos im zentral-defensiven Mittelfeld und stark in der Innenverteidigung“.
1:1, das dritte Unentschieden in Folge, wieder nach einem Rückstand, diesmal in München. Es war kein schönes Spiel. Schalke spielte auch nicht gut. Aber es war spannend. Es war ein Katz und Maus Spiel, bei dem die Maus dem etwas zu trägen Kater zwar nicht nach schöner Tom und Jerry Art das Dynamit in die Ohren stopfte, ihm aber immerhin ein wenig auf der Nase rumtanzte und sich rechtzeitig und lächelnderweise aus dem Staub machte.
In München redet man sich ein, dass man ohne Ribery und Robben kein kreatives Offensivspiel auf den Platz bringen kann. Als Folge können die Bayern dies wirklich nicht und es entwickelte sich ein Spiel, wie man es auf Schalke in den letzten Jahren ebenfalls sehr häufig gesehen hat. Eine zwar durchaus engagierte aber ideenlose Heimmannschaft biss sich an einer Auswärtsmannschaft die Zähne aus, der die Defensive über alles ging und sich mit dem zufrieden zeigte, was sich ergab.
Viel ergab sich nicht, Schalke spielte seine Konterchancen nur in der ersten halben Stunde ordentlich aus. Fortan, nach dem Rückstand, nach dem Ausgleich, wurde der Ball zu oft zu schnell verloren. Stets eine Spur zu hurtig hüpften die gerade noch auf Ausflug befindlichen Schalker zurück in den Defensivverbund.
Immerhin hatte das Erfolg, denn die großen Bayern konnten sich kaum Chancen erspielen. Das Tor war ein Zufallsprodukt. Einmal schoss Klose. Ein Schweinsteiger-Freistoß ging ziemlich knapp, ein Tymoshchuk-Schuss etwas weniger knapp am Tor vorbei. Es gab viel Gewusel. Man konnte sich bis zuletzt nicht entspannt zurücklehnen. In der Rückschau wars aber weniger schrecklich als befürchtet.
Ein Spaß wird draus, wenn man die Markt- und Erfahrungswerte der Mannschaften gegenüberstellt. Die Herren in Rot dürften mehr Einsätze bei Fußballweltmeisterschaften aufzuweisen haben als Schmitz, Moritz, Matip und Zambrano Bundesligaspiele. Bastian Schweinsteiger grinst weiterhin von jeder 4. Werbeseite in der 11 Freunde, eingerahmt von Weltstars wie Ronaldo, Lampard und Kaka, und man fragt sich wieso, in der Bundesliga tritt er doch nur die Freistöße. Die Namen Mark van Bommel und Anatoliy Tymoshchuk würde man außerhalb der Bundesliga nicht kennen, hätten diese Herren schon immer so pomadig lediglich ihre Platzquadratmeter verteidigt. Angesichts des unausgeschöpften Potentials ist jegliches bayerisches Gejammer um das Fehlen des Monsieur Ribery hochgradig lächerlich.
Mit ordentlichem Einsatz, der richtigen Taktik und guter Organisation auf dem Feld hat sich Schalke mit all seinen Nonames dieses Unentschieden verdient. Mehr brachte Schalke nicht zustande, aber für einen Punkt reichte das. Es ist ein Verdienst, die Schwächen des Gegners auszunutzen.
Der FC Schalke 04 ist der zweitgrößte Verein Deutschlands, das spiegelt sich auch in der Medienaufmerksamkeit wieder. Mögen in anderen Clubs Trainer straucheln, gesucht oder entlassen werden, Gerüchte um angeblich wechselwillige Schalker Spieler oder Geschichten um den Königsblauen zugeneigte Lokalpolitiker generieren in der Regel mehr Aufmerksamkeit. Noch mehr Leser locken nur Bayern-Niederlagen.
Oder Siege. Oder schuhplattelnde Brasilianer auf der Wiesn. Aber am besten gehen doch Niederlagen, der Emotionen wegen. Der FC Bayern verlor sein Heimspiel gegen Girondins Bordeaux und kann nicht mehr aus eigener Kraft ins Champions League-Achtenfinale einziehen. Und da der Club parallel nichtmal die für ihn zweitrangige Bundesliga anführt, gilt Louis van Gaal, der unsympatischste aller Bayern-Trainer, der Presse offenbar als zum Abschuss freigegeben.
Verändert hat sich nichts, beim FC Bayern, in den letzten Jahren. Beseelt vom Glauben, viele Stars erhöhten die Chance auf Champions League-Lorbeer, kaufte man mal diesen, mal jenen Star von internationalem Ruf. Dabei entstanden irgendwie beliebige Kader, denen als Mannschaft nie die Durchschlagskraft wuchs, es tatsächlich mit den großen Europas aufzunehmen. Trotzdem war ein jeder Kader der Bayern stets der in Deutschland beste, teuerste und glamouröseste. Und immer ist es nicht nur so, dass sie jeden schlagen können, sondern das sie es sind, die es zu schlagen gilt.
Schalke hat gegen Hamburg und Leverkusen zwei erinnerungswürdige Fußballabende abgeliefert, zweimal nicht verloren, aber eben auch zweimal nicht gewonnen. Für die Bayern geht es morgen darum, den Anschluss zu halten und für wieder freundlichere Schlagzeilen zu sorgen. Schalke will die Welle weiter reiten. Schlimmstenfalls rutscht Schalke knapp unter den Europapokalplatz-Strich und es werden die Statements von wegen „noch keine Spitzenmannschaft“ wiederholt. Bestenfalls drehen sich die Schlagzeilen weiter nur um Van Gaal. Naja und der Spaß, der wäre bei bestenfalls natürlich auch wieder groß.
Ma’kucken.
Der Mann hat sich durch erfolgreiche Arbeit einen Namen gemacht. Früher war er beim Spiegel, heute ist er leitender Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. In unzähligen Artikeln leuchtete er aus worüber mächtige Menschen nicht reden wollten, auf Grund seiner Veröffentlichungen kamen kriminelle Machenschaften ans Licht und mussten Politiker von ihren Ämtern zurücktreten. Seit rund vier Wochen beschäftigt sich Hans Leyendecker auch mit den Finanzen des FC Schalke 04.
Heute hat nicht mehr nur seine Arbeit, sondern auch sein persönliches Wort ein Gewicht. Als einer der viel mitbekommen hat traut man ihm zu, Sachverhalte richtig einschätzen zu können. Deshalb, und aus Neugier an der Person eines derart erfolgreichen Journalisten, ist er ein interessanter Gesprächspartner. Heute vor einer Woche war er in der WDR5-Radiosendung „Tischgespräch“ zu Gast.
Darin erzählte er was ihn dazu brachte, Journalist werden zu wollen. Er erzählte wie er den Mächtigen gegenübersteht, wieso er den Begriff „investigativen Journalismus“ meistens für unangebracht hält oder dass er bei seiner Recherche am Telefon erfolgreicher ist als im persönlichen Gespräch. Er erzählt von dem Typ Informanten, mit dem er am besten klarkommt und warum das wohl so ist, wieso er wohnt wo er wohnt, warum er mit Kardinal Meisner nicht warm wird und auch sonst noch dies und das. Gesa Rünker führt gut durch ein Gespräch, in dem es auch darum geht dass Hans Leyendecker Fan von Borussia Dortmund ist. Jeder hat eben seine Leiche im Keller.
(47:50 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed
Gegen wen ist egal, Hauptsache ein Heimspiel. Das ist wohl eine ziemlich verbreitete Einstellung vor der Auslosung einer Pokalrunde. Im Viertelfinale spielt Schalke nun wieder nicht zu Hause, dafür aber beim vermeintlich leichtesten Gegner, dem Drittligisten VfL Osnabrück. Bei der Auslosung wurde Schalke als Heimspiel-Mannschaft gezogen, verlor aber das Heimrecht auf Grund der Regel, nach der die Mannschaften ab der dritten Liga grundsätzlich Heimrecht haben. Ziemlich genau darum ging es letzte Woche in Kommentaren in diesem Blog.
Wann welches Heimrecht zuerst gezogen, dann aber auf Grund dieser Regel gewechselt wurde, lässt sich für einen längeren Zeitraum nicht mehr ermitteln. Aber welcher Gegner wann in welcher Liga spielte, gegen wie viele Mannschaften welcher Liga man auswärts oder zu Hause antreten musste, das geht.
In der folgenden Tabelle sind alle Vereine aufgeführt die seit der Saison 05/06 bis heute als Erst- oder Zweitligist ein DFB-Pokalspiel ab der 1. Hauptrunde bestritten haben. Aus den Spalten ist ersichtlich, wie sich die Heim- und Auswärtsspiele nach „Gegnerniveau“ aufteilen – konkret also, zu wie vielen Heimspiele Gegner der ersten und zweiten Liga empfangen wurden, und wie viele Auswärtsspiele bei Gegnern der ersten, zweiten oder aller anderen Ligen (A) bestritten werden mussten.
Daraus habe ich zwei „Heimrechtquotienten“ gebildet. Der erste (Ges.) teilt schlicht die Heimspiele durch die Spiele. Beim zweiten habe ich die „automatischen Auswärtsspiele“ herausgerechnet: Das sind grundsätzlich alle Auswärtsspiele gegen Vereine aus anderen Ligen als Liga 1 und 2. Und das sind Spiele gegen Zweitligisten, die bei der Auslosung zur 1. Hauptrunde aus dem „Amateurtopf“ gezogen wurde und somit ebenfalls in dieser Runde ein grundsätzliches Heimrecht genossen. Siehe dazu ggf. die Erklärung zum Auslosungsmodus bei Wikipedia. Die Anzahl der Gegner aus der 2. Liga mit diesem Amateurtopf-Heimrecht sind in der Tabelle in Klammern dargestellt.
Raus kommt die Bestätigung des Gefühls. Ob das nun gut oder schlecht ist überlasse ich dem Betrachter. Jedenfalls hat Schalke 04 auch im Vergleich eine bemerkenswert schlechte Heimquote. Ebenso wie die von Trainer Baade erwähnten Borussia Mönchengladbach und MSV Duisburg, oder auch wie Hertha BSC und Mainz 05. Bemerkenswerte gute Heimquoten haben Dortmund und die Bayern. Wie gesagt, eine Bestätigung des Gefühls.
Matthias in der Weide hat sich des gleichen Themas gewidmet. Passend zur herrschenden Aufbruchstimmung auf und um Schalke weigert er sich aber mit der Losglücksgöttin zu hadern.

Wieder eine Aufholjagd. Wieder ein Unentschieden. Wieder ein gefühlter Sieg und eine Heimfahrt in dem Gefühl, dass es doch noch gut gelaufen ist. Und doch war diesmal einiges anders als beim Spiel gegen den HSV. Der Gegner war stärker und der Schiedsrichter war schlechter.
Leverkusens Auftritt in Halbzeit 1 war schon beeindruckend. Technik und Tempo allenthalben. Klare Offensivaktionen, selbst bei den schnellsten Vorstößen fast immer zwei Anspieloptionen für den ballführenden Spieler, und diese konnten die Pässe auch noch verarbeiten. Das war außerordentlich, und man sah wie schwer es für Schalke wird, wenn sich der Gegner durch Tempo einer Großzahl an Zweikämpfen zu entziehen weiß. Doppelt dumm, wenn die anderen Zweikämpfe dazu noch vom Schiedsrichter unterbunden werden.
Im Spiel gegen den HSV ließ Schiedsrichter Gräfe das Spiel sehr viel mehr laufen. Es entwickelte sich ein tolles Spiel mit hohem Tempo. Gegen Leverkusen glaubte Schiedsrichter Weiner, kleinlich pfeifen zu müssen, was er nachhaltig tat. Er bedachte dieses Spiel mit 47 Freistoßpfiffen, Gräfe kam gegen den HSV mit 34 aus. Gegen die Mannschaften der anderen acht Partien des 11. Spieltags wurden im Schnitt 17 Fouls gepfiffen. Weiner pfiff gegen Bayer Leverkusen 19 Fouls. Gegen Schalke pfiff er 28.
Dabei will ich mich gar nicht an dem einen, meiner Ansicht nach ebenfalls falschen Pfiff gegen Jefferson Farfán hochziehen, als dieser in der 60. Minute ein Tor erzielte. Schlimmer war, dass Weiner den Leverkusener Spielern so häufig die Möglichkeit bot, aus verlorenen Zweikämpfen doch noch als Sieger hervorzugehen, was diese auszunutzen wussten. Für eine technisch unterlegene Mannschaft, die ihr Heil im Zweikampf suchen muss, ist es mehr als ärgerlich, wenn Zweikämpfe von der Obrigkeit nurnoch sehr eingeschränkt zugelassen werden.
Und dann erzielt ausgerechnet Sanchez den Ausgleich! In der zweiten Hälfte wurde Leverkusen zunehmend passiver. Dann Hyypiäs Fehler vor Farfáns aberkanntem Tor. Dann Hyypiäs Verletzung. Dann Hyypiäs Auswechslung. Und dann ließ Hyypiäs Abwesenheit den Damm brechen.
Tatsächlich war auch noch René Adlers Fehleinschätzung notwendig, um das Luftduell um ein sehr hohes Kuranyi-Anspiel gegen den kleinen Vicente Sanchez zu verlieren, dessen bei fussballdaten.de angegebene Körpergröße von 170 cm stark geschönt scheint. Sanchez, der sonst so hochgradig ineffektiv über den Platz wuselt, war mit diesem einen gewonnenen Zweikampf hocheffektiv. Und obwohl dieser Treffer in der Situation unwahrscheinlich war, hatte man doch aus dem Hamburg-Spiel gelernt, an solche „Wunder“ wieder glauben zu dürfen. Wer weiß, wenn das Spiel noch 10 Minuten länger …
Jens Peters ist Fan von Bayer 04 Leverkusen und bloggt darüber bei Catenaccio. Dienstag war hier im Königsblog schon mal die Rede von ihm, er lieferte mit seinem „Die Null muss stehen Countdown“ die Inspiration zu meinem Statistikkram-Beitrag „Zu Null Fußball“. Aus welcher Sicht auch immer: Bayer 04 Leverkusen kommt mit der erfolgreichsten Defensive der Liga nach Gelsenkirchen. Eine echte Prüfung für das neue Schalke. Zum Spiel und zu noch ein bisschen mehr habe ich Jens ein paar Fragen gestellt.
Hallo Jens. Dein Verein ist nach wie vor ungeschlagen und Tabellenführer. Die Defensive steht stabil, Adler hat aus der erwarteten Wackelphase wieder herausgefunden, Hyypiä bringt die Erfahrung ein, das bisherige Ergebnis sind 6 zu Null-Spiele in 10 Partien. Die Offensive ist jung und schnell, Eren Derdiyok ist gut eingeschlagen und mit Patrick Helmes stößt der eigentliche Top-Knipser noch dazu. Mal abgesehen von einem eingebauten Misstrauen, das alle Fans von Bayer Leverkusen und Schalke 04 haben sollten: Gibt es sachliche Argumente gegen solche Lobhudelei? Wo sind die Schwachstellen und was könnte Jupp Heynckes vielleicht noch versauen?
Gibt es sachliche Argumente im Fußball? Ich entdecke selten welche, noch nicht einmal in den „Qualitätsmedien“ - aber das ist eine andere Geschichte. Als Fan, fällt es ja immer schwer, objektiv die Lage einzuschätzen. Zunächst einmal würde ich in die Lobhudelei mit einstimmen, aber wie du schon sagst, ist man als Anhänger des Vereins Leverkusen immer skeptisch und ich werde es vermutlich auch bis zum 34. Spieltag bleiben, selbst wenn die Werkself Erster ist und Hertha BSC Berlin als letzten Gegner im Programm hätten.
Ich bin zunächst einmal froh, dass man an Problemen der letzten Saison arbeitet. So ist, wie du schon sagtest, die Defensive um Sami Hyypiä bereichert . Aber was ist, wenn er mal ausfällt? Und die taktische Eindimensionalität, Powerpressing mit Offensivpowerfußball, ist behoben worden. Trotzdem gibt es noch Baustellen, die zwischendurch immer wieder aufblitzen, wie zum Beispiel fehlender Biss in bestimmten Situationen, mangelnde Kreativität im Offensivspiel, taktische Unzulänglichkeiten auf einzelnen Positionen und fehlende Knipsermentalität im Sturm.
Dein Club hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert. Zu Calmunds Zeiten hatte ich den Eindruck, als wollte man unbedingt Farbe in einen grauen Verein holen. Dazu passten Trainer wie Stepanovic, Daum oder Toppmöller, und Calmund selbst war natürlich auch ein schwerer Springinsfeld. Heute ist das anders. Jetzt wird mit dem Werksclub-Image gespielt. Holzhäuser tritt selten in Erscheinung. Rudi Völler gibt dem Club sein Gesicht, haut aber auch selten auf die Brause. Auf der Trainerbank saßen zwischendurch Skibbe und Labbadia, ein in sich Ruhender und ein Aufstrebender. Wie siehst Du diesen Wandel? Wird der Club nicht automatisch sterbenslangweilig, sobald es auf dem Rasen mal keinen tollen Fußball gibt?
Ich finde den Wandel vollkommen in Ordnung. Letztlich ist ja entscheidend was unten auf dem Platz passiert und nicht auf der Trainerbank, beim Manager oder im Vorstand. Geschichten oder besser gesagt Personen wie zum Beispiel Uli Hoeneß, damals Christoph Daum, Calli oder andere gehen mir eher auf den Senkel, da sie vom Team ablenken und sich selbst gerne reden hören. Ich habe das Gefühl, dass Bayer einen Plan für die Kaderzusammenstellung hat, einen Plan, was man in der Liga erreichen möchte und einen Plan, wie man das realisiert. Das ist gut so, wenn man dann noch schönen Fußball auf dem Platz zu sehen bekommt, dann passt das schon. Ich glaube die Gefahr, dass man seinen Lieblingsverein irgendwann langweilig findet, ist nicht besonders groß, oder ist dir das schon mal passiert?
Nein, mir nicht, aber der Club Schalke 04 ist ja auch bekloppt genug, damit auch an spielfreien Tagen die Nachrichtenticker fliegen. Das ist oft, aber nicht immer schön, zugegeben. Kommen wir aber zu Spiel: Leverkusen war auf Schalke zuletzt ja sehr erfolgreich. René Adler hat in unserer Arena stets hervorragend gehalten und die agile Offensive war für Schalke jeweils ein- bis zweimal pro Spiel zu fix, was dann schon reichte. Man kann das als cool oder abgeklärt bezeichnen, aus anderem Blickwinkel hat Leverkusen dabei hauptsächlich von Schalkes Unfähigkeiten profitiert. Wie hat sich der Spielstil Eurer Mannschaft unter Heynckes entwickelt, wie werden die Auswärtsspiele angegangen? Was glaubst Du, welches Spiel sich gegen Schalke entwickeln wird?
Ganz schwer zu sagen. Bayer hat ja schon ganz unterschiedlich gegen die „großen“ Mannschaften gespielt. Da war beispielsweise ein sehr offenes Spiel in Wolfsburg, was man gewinnen konnte, dann wiederum ein sehr defensives Spiel gegen Hamburg, dass dann auch 0:0 endete. Im Moment macht mir ehrlich gesagt die Offensivabteilung ein bisschen Sorge, aber die beiden letzten Spiele waren hoffentlich Gegenwind genug, dass die Mannschaft sich wieder auf ihre Stärken konzentriert, mit denen man sicherlich auch auf Schalke bestehen kann. Solide Defensivarbeit und dann immer wieder Spitzen setzen. Wenn die Effektivität stimmt, können drei Punkte rausspringen. Mit einem Remis bin ich aber auch zufrieden.
Zuletzt noch die „offene Feedback-Frage“: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?
Ich bin ganz schön erstaunt, was die Schalker angeht. So weit oben hätte ich die Knappen nicht erwartet, aber da kommt sicherlich der Einfluss von Magath zum Vorschein. Wichtig ist sicherlich, dass er einige unerfahrene Spieler mit integriert hat, mal in der Mannschaft aufgeräumt hat und ihnen viel Stärke eingeredet hat. Fraglich ist, wie das aussieht, wenn Schalke mal 3-4 Spiele nicht so erfolgreich spielt. Wie lange funktioniert dann so ein Mannschaftsgebilde, wie es das auf Schalke gibt. Schalke hat ja immer den Hang dazu, sehr spezielle, eigene Spielertypen in ihren Reihen zu haben. Diese zu bändigen, ist sicherlich eine von Magaths größten Aufgaben. Einen Meisterkandidaten sehe ich jetzt nicht direkt, aber der internationale Wettbewerb ist sicherlich zu packen.
Vielen Dank, Jens.
Mögest Du Samstagabend gegen halb Neun möglichst unzufrieden mit Deinem Club sein, Dir aber davon nicht vollends das Wochenende versauen lassen.
Links:
Jens Peters bloggt bei Catenaccio über Bayer 04 Leverkusen.
Außerdem ist Jens im Sportblogger- und im Ballpodder-Netzwerk aktiv.
Ein 3:0 Sieg im Pokalspiel bei 1860 München. Eigentlich ein 4:0, denn mindestens eins von zwei nicht anerkannten Toren hätte Schiedsrichter Markus Schmidt geben müssen. Der TSV 1860 München hat gerade mal zwei Schüsse aufs Schalker Tor abgeben können. Dazu hatte Felix Magath auch noch mit Mineiro und Farfán seinen ältesten und seinen besten Spieler schonen können. Da gibt es nichts zu meckern.
Oder vielleicht doch?
Tatsächlich spielte Schalke in der ersten Halbzeit grauenhaft. Derart viele Abspielfehler gab es bislang in keinem der 10 Ligaspiele. Heiko Westermann, sicher kein Supertechniker aber ein stets zuverlässiger, solider Kicker, stand in den ersten 20 Minuten völlig neben der Spur und schaffte es, den Ball in einem Zweikampf gleich dreimal zu verlieren. Marcelo Bordon passte den Ball mal eben 20 Meter neben seine Anspielstation. Lukas Schmitz nahm sich ein Beistpiel an ihm. An Lewis Holtby lief das Spiel weitestgehend vorbei. Und von den anderen wirkte auch kaum einer souverän.
Es bedingt sich eben immer alles. Nein, natürlich wollte Schalke 1860 nicht unterschätzen. Aber sei es das Gefühl, gegen diese Zweitligamannschaft sicherlich nicht völlig gefordert zu werden, oder sei es das Gefühl, gegen die überlegen ausschauen zu müssen: Solch ein Spiel ist auch für den höherklassigen Club eine emotionale Ausnahmesituation, und diese Mannschaft des FC Schalke 04 hatte heute deutlich sichtbar Probleme damit. Die Sicherheit kam erst mit den Erfolgserlebnissen, mit der Führung, mit dem zweiten Tor. Am Ende hätte Schalke auch 6:0 gewinnen können und auch das wäre verdient gewesen, so überlegen war man letzten Endes dem verunsicherten Team von 1860 München. Probleme hatte Schalke heute nur mit sich selbst.
Fürth, Köln, Osnabrück, Augsburg, Bremen, Hoffenheim und die Bayern sind noch im Pott. Schalke 04 hat ja quasi traditionell Lospech. Vermutlich geht’s also nach Bremen oder erneut in die Versicherungsarena. Schalke spielte bislang im Ligabetrieb auswärts abgebrühter als zu Hause. Trotzdem hoffe ich auf ein Heimspiel. Der Pokal hat schließlich seine eigenen Gesetze. Gegen wen wäre mir dann egal.
Die Auslosung zur nächsten Runde erfolgt am kommenden Sonntag, im Rahmen der ARD-Sportschau. Die Viertelfinalspiele werden am 09. und 10. Februar stattfinden.
Wenn ein Torwart lange keinen Treffer kassiert hat werden schonmal die Minuten gezählt. Wenn eine Mannschaft generell eine gute Abwehr hat wird auch schon mal bemerkt, wenn sie zwei oder drei Spiele in Folge zu Null gespielt hat. Am Ende der Saison wird die Abwehrleistung in der Regel aber an der Zahl der Gegentore festgemacht. Jens Peters bloggt bei Catenaccio über Bayer 04 Leverkusen und ist von der Defensive seiner Mannschaft angetan. Nachdem Bayer am zweiten Spieltag mit 1:0 gegen Hoffenheim gewann traf er folgende Aussage und schuf das, was er später als den „Die-Null-muss-stehen-Countdown“ benannte:
Der Schlüssel zur Wolfsburger Meisterschaft war in der letzten Saison die herausragende Offensive. Ich bin mir sicher, dass der Schlüssel zur Leverkusener Rückkehr in den internationalen Fußball die Defensive sein wird. Ich werde mich an dieser Stelle einfach mal weit aus dem Fenster lehnen und sagen, dass der Bayer-Elf jetzt noch 13 Zunull-Spiele mindestens zu Platz Fünf reichen.
Wieviele zu Null-Spiele in einer Saison sind viel? Mit einem Schnitt von 2 Punkten pro Spiel wurde bislang immer Platz 3 erreicht und mit 40 Punkten ist noch nie eine Mannschaft abgestiegen. Gibt es eine Anzahl an zu Null-Spielen die zu ähnlichen Aussagen berechtigt? Das hat mich interessiert und ich konnte keine Statistiken dazu finden, also habe ich mich selbst bemüht.
Um die Fragen direkt zu beantworten: In den letzten 10 Jahren liegt der Durchschnitt bei 8,9 zu Null-Spielen pro Mannschaft in der Saison. Betrachtet man nur die Vereine, die am Ende auf den ersten fünf Rängen landeten, liegt der Schnitt bei 11,6. Betrachtet man alle Bundesligaspielzeiten seit 1963 kann man sagen, dass 16 zu Null-Spiele bislang immer zu einem der ersten 5 Plätze qualifiziert haben. Und was die von Jens Peters erhofften 14 für Bayer angeht: Von insgesamt 22 Clubs, die diese Anzahl erreichten, kamen „nur“ 15 unter die ersten fünf. Hier eine Übersicht über die Verteilung der am Ende erreichten Tabellenregion bei der jeweiligen Anzahl an zu Null-Spielen:

Auch bei der „wildesten Ausnahme“ kommen wir wieder zu Bayer 04 Leverkusen. Die Mannschaft der Saison 1993/1994 schaffte es auf Platz 3, obwohl es ihr in 34 Bundesligaspielen nur ein einziges Mal gelang, kein Gegentor zu kassieren.
Bayern München spielt in rund jedem dritten Spiel zu Null (33,5%) und hat damit den besten Schnitt aller Clubs. Auf Platz 2 drängelt sich Hoffenheim (31,8%), mit bislang 44 Bundesligaspielen darf man sich die TSG aber auch noch wegdenken. Es folgen der VfB Stuttgart (28,0%) und Schalke 04 (27,9%). Die Statistik der aktuellen Saison führen bislang Werder Bremen und Leverkusen mit jeweils 6 zu Null-Spielen an. Danach kommt der 1. FC Köln, der zuletzt dreimal in Folge ohne Gegentor blieb und es in den 10 Runden auf 5 zu Null-Spiele brachte; gewonnen hat Köln davon trotzdem nur zwei, dreimal ging’s 0:0 aus. Schalke blieb bislang viermal ohne Gegentor.
Als Rausschmeisser des zu Null-Statistik-Wahns, hier noch eine Liste der in diesem Sinne erfolgreichsten Mannschaften der Bundesligageschichte.

… hallte es in der zweiten Halbzeit zur Melodie von „When the Saints Go Marching In“ durchs Stadion. Im Sinne von „Die Mannschaft lebt wieder“ oder auch „ .. nimmt wieder am Fußball in seiner schönsten Form teil“ passte dieser Gesang wie die Faust aufs Auge. Das „Hier regiert der HSV!“, welches prompt nach jedem Hamburger Tor aus dem Gästefanblock zu hören war, wirkte hingegen etwas großspurig und neureich. Tatsächlich regierte in diesem grandiosen Spiel zu keiner Zeit irgendeine Mannschaft.
Zugegeben, zur Halbzeit brauchte man sich aus Schalker Sicht über die Hamburger Führung nicht zu beschweren. Da war es das hundertmal gesehene Spiel zwischen zwei engagierten Mannschaften die beide ihre Chancen hatten, in dem die besseren Einzelspieler die entscheidenden Aktionen entschieden. Dem Tempo eines Eljero Elia hat kein Schalker etwas entgegenzusetzen. Der Eleganz Zé Robertos erst recht nicht.
Und doch ist eben alles anders, neuerdings. Jetzt ist da eine Schalker Mannschaft auf dem Platz, die auch bei einem Stand von 0:2 nochmal alles versucht, und sei es nur, um den Leuten zu zeigen, dass sie es will. Und befeuert durch ein Tor wie aus heiterem Himmel zündet dann auch der nächste Schub, stehen 60.000 wieder zusammen und lassen den Abend wieder zu einem Erlebnis werden nach dem es einen dürstet, nach Jahren in denen einem erzählt wurde, dass es nichts besseres gäbe als Grottenkicks gegen Eintracht Frankfurt mit 1:0 für sich zu entscheiden, weil es schließlich nur um die Punkte gehe.
Ja, Manuel Neuer sah bei dem Trochowski-Freistoß zum 0:2 schlecht aus, und natürlich darf es nicht passieren, dass man sich in der eigenen Drangphase den erneuten Rückstand einfängt. Aber diese Mannschaft ist eben noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung, und es ist doch sympathisch, dass Felix Magath beim Stand von 2:2 den nächsten offensiven Spieler einwechselt, um das Spiel noch zu gewinnen.
Der HSV wirkte abgeklärter, durchaus spitzenteamartig, und als mir am Bahnhof ein Hamburger erklärte, dass man sich mit 3 Auswärtstoren doch wohl auch einen Sieg verdient gehabt hätte, blieb mir nur ein Ja, Aber. Denn genauso gut hätte eine Mannschaft den Sieg verdient gehabt, die zunächst dummerweise ihre Großchancen vergab, dann aber einen 0:2 und einen 2:3 Rückstand aufholte, und deren eingewechselter Stürmer kurz vor Schluss die Entscheidung auf dem Kopf hatte.
Ich bin, wie wohl alle Schalker die dieses Spiel über 90 Minuten verfolgten, mit dem Ergebnis zufrieden. Vor dem Spiel hatte ich auf einen Sieg gehofft. In der Halbzeit war jeglicher Mut dahin. Dann das Adrenalin, die Enttäuschung, die Erlösung: Am Ende fühlte es sich einfach toll an. Und der Punkteschnitt ist nach wie vor völlig ok.
Nicht „Öfter ..“, nur „Mal ..“. Zwei Dinge, zwei Kleinigkeiten die man auch ohne Erklärung erfahren kann, auf die ich aber an dieser Stelle hinweisen möchte, damit es auch jeder mitbekommt.
Dieses Blog wurde um die Seite „Presse zu den Finanzen des FC Schalke 04“ erweitert, siehe oben, zwischen Home und Impressum. Die Erklärung zu den Fragen nach Was, Wie und Warum gebe ich dort. Einfach mal anschauen.
Außerdem habe ich meinen Twitter-Ableger umbenannt. Was vorher Königszwitsch hieß heißt nun auch einfach Königsblog – bei Twitter eben. Der Grund dafür ist simpel: Follower, die mein Blog nicht kennen, finden nicht unbedingt diese Seite hier. Der einzige Verweis hierhin steht auf der Twitter-Seite, die schaut sich in der Regel aber niemand an, weil die Kommunikation über Clients bzw. über die eigenen Twitter-Seite eines jeden Zwitscherers erfolgt. Wer bei Twitter @Koenigsblog verfolgt sollte aber darauf kommen können, dass er davon noch mehr als die Twitter-Shorties haben kann.
UPDATE: Nachdem erst alles funktionierte, hat sich mein umbenannter Twitter-Name nun selbstständig zurückgeändert! Auf der Hilfeseite gibt es tatsächlich eine Ausführung zu diesem Problem, mit dem Hinweis, dass es ein Bug sei und man solche Umbenennungen bis auf weiteres lieber lassen sollte. Auf der Hilfeseite … Also weiter @Koenigszwitsch.
Sonntag geht’s gegen Hamburg. Schwer, keine Frage, und in den letzten 5 Jahren setzte es daheim gegen den HSV 4 Niederlagen bei einem Unentschieden. Trotzdem geht mein Wissen über den diesjährigen, neuen HSV kaum über das hinaus, was man aus Sportschau-Zusammenfassungen erfährt. Das ist wenig bis kaum was, also dachte ich mir, frage ich jemanden der Bescheid weiß.
Florian Neumann lebt in Hamburg und tourt als nedfuller schon lange durch die Blogosphäre. Seit Sommer schreibt er nun selbst ein Blog, eben NedsBlog, in dem er seine Sicht der Dinge zu seinem HSV zum Besten gibt. Sehr spontan, weil ich mal wieder nicht vorausschauend genug war, stand er für ein paar Fragen zur Verfügung. Für drei plus eine Frage, um genau zu sein.
Hallo Ned! Schön, dass es auch so kurzfristig geklappt hat. Erstmal Glückwunsch zum Sieg in Glasgow. Läuft alles rund beim HSV, in der Liga steht ihr ja auch gut da. Mittlerweile ist aber eine halbe Mannschaft verletzungsbedingt ausgefallen. Außerdem könnte man unken, dass Bruno Labbadias Mannschaften in der Regel „nach hinten raus“ Probleme kriegen. Wie ist bei Dir der Stand zwischen Hoffung und Sorge? Was erhoffst oder was befürchtest Du für den weiteren Saisonverlauf?
Hi Torsten. „Gut dastehen“ ist untertrieben: Wir haben noch nie nach 9 Spieltagen 21 Punkte auf unserem Konto gehabt. Nur zur Erinnerung, wir sind im 47. Jahr ununterbrochen in der Bundesliga und hatten mal Erfolge die Punkte zum Saisonbeginn benötigten: Wir waren dreimal Deutscher Meister. Daher bin ich bis zur Verletzung von Petric, gegen Hertha recht optimistisch gewesen, was den weiteren Saisonverlauf angeht. Mittlerweile hoffe ich allerdings auf jeden Punkt, verbuche sogar das Unentschieden gegen Leverkusen als Erfolg. Gegen die kleinen Vereine sollte es gerade zu Hause immer reichen mit dem Kader.
Zu unserem Trainer ist zu sagen, dass ich ihm von Anfang an sehr skeptisch gegenüber gewesen bin. Gerade die unterirdische Rückrunde bei Leverkusen mit nur 17 Punkten macht mir Sorgen. Diese Sorge gemischt mit meiner pessimistischen Grundhaltung und den Erfahrungen aus anderen Saisons mit einem Topkader lassen mich nicht gerade mit guten Gefühl in die Rückrunde gehen.
Mein Ziel ist der 4. Platz. Toll wäre die Champions League und vor dem Hertha-Spiel und der damit verbundenen Verletzung von Petric hätte ich das sogar offiziell als Ziel angenommen.
Konkret zum Spiel am Sonntag auf Schalke. Ich muss gestehen dass sich in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel des HSV über 90 Minuten gesehen habe. Wie agiert Eure Mannschaft in fremden Stadien? Haben wir einen dominanten Tabellenzweiten oder ein eher defensiv ausgerichtetes Auswärtsteam zu erwarten?
Unser Support ist immer erste Sahne, da können einige Heimmannschaften von lernen :) Gegen Wolfsburg haben wir gezeigt, dass wir Auswärts das Spiel machen können. Gegen Freiburg und Frankfurt haben wir dann nach unseren Toren aber aufgehört Fußball zu spielen. Diesen Fehler begehen wir gerade gegen kleinere Gegner gerne mal. Berlin nehme ich mal aus der Betrachtung raus. So wenig Fußballspielen wird nur gegen ganz wenige Gegner reichen.
Unsere Spielweise muss man jetzt sicherlich in vor und nach den Verletzungen unterscheiden. Petric und Guerrero haben die Qualität, aus wenigen Torchancen etwas zu machen. Das fehlt uns derzeit und wird wahrscheinlich auch in der Aufstellung gegen euch wieder zu finden sein. Ich erwarte, dass die Mannschaft etwas kompakter im Mittelfeld mit vielleicht nominell nur einem Stürmer spielen wird. Eine Aufstellungsprognose will ich aber lieber nicht abgeben.
Ok, lass uns mal zum Club als solchen kommen. Schalke 04 liefert sicher mehr Boulevardgeschichten, aber in Sachen Storys über Vereinspolitik ist der HSV auch weit vorne. Hoffmann als dominanter Vorstandsvorsitzender der Dukaten-Didi Beiersdorfer abgesäbelt hat, die Supporters als vereinspolitische Opposition, das langwierige Thema der Beiersdorfer-Nachfolge. Mittlerweile droht die Bildzeitung ja schon mit Berti Vogts. Was denkst Du, wann der Verein da mal zu Potte kommt? Oder bleibt es am Ende gar bei Labbadia in einer Doppelrolle?
Als der Name Vogts in der Bildzeitung genannt wurde, da habe ich schallend gelacht. Woher die immer die Namen aus dem Hut zaubern, köstlich. Vorab: Wir sind immer noch ein eingetragener Verein. Alleingänge wie in Schalke und Wolfsburg sind bei uns definitiv unmöglich. Im einzelnen:
Bernd Hoffmann kommt aus der Wirtschaft, führt ein mittelgroßes Unternehmen, was zu allem übel ein e.V. ist. Gescheitert ist sein Vorschlag, den Profifußball auszugliedern. Seitdem hat er sich damit abgefunden. Richtig, er ist der Vorstandsvorsitzende, hat also bei allen Entscheidungen das letzte Wort, vielmehr wird für alle Entscheidungen zur Rechenschaft gezogen. Warum Beiersdorf nun gegangen ist, wird wohl niemals an die Öffentlichkeit gelangen. Es gab bis zuletzt „Rettungsversuche“ seitens des Aufsichtsrates. Aber Didi hat wohl die Pistole auf die Brust gedrückt und gesagt: Entweder so, oder ich gehe. Bernd Hoffmann hat den Club konsolidiert. Wir sind schuldenfrei! Ausgenommen der Stadionkredit, aber das gehört uns dann auch. Das letzte mal Schuldenfrei waren wir irgendwann 50/51. Das ist ihm hoch anzurechnen. Ebenfalls gelingt es dem gesamten Vorstand den HSV in der Stadt Hamburg zu verwurzeln. Das war lange Jahre nicht so.
Der Supporters Club (SC) ist europaweit einmalig. Soviel Einfluss auf einen Verein in der ersten Liga hat meiner Meinung nach niemand. Das hat Vorteile: Der Vorstand wird immer wieder daran erinnert, dass wir ein Breitensportverein sind. Das hat Nachteile: Der SC will im Aufsichtsrat auch mehr Anteile haben.
Wir haben derzeit 3 Vorstände: Bernd Hoffmann, Katja Kraus (Marketing) und Oliver Scheel. Wer ist das, wirst du Fragen: Ehemaliger Abteilungsleiter der Supporters. Einer vom SC sitzt also im operativem Entscheidungsgremium. Und ein Ja-Sager ist er nicht. Im Aufsichtsrat sitzt auch immer fest ein Vertreter des SC. Also auch hier ist der Einfluss vorhanden. Zur letzten Mitgliederversammlung sollte dieser Einfluss nun erhöht werden. 8 Kandidaten wurden aus 20 gewählt, 4 davon sind aus dem Bereich SC. Die Mitgliederversammlung hat aber keinen zusätzlichen Kandidaten in den AR gewählt. Auch das ist ein Zeichen, wie weit der Einfluss derzeit gewünscht ist.
Sportdirektor: Wir brauchen einen, das ist Fakt. Es gab auch Kandidaten, die vom Personalrat zur Präsentation eingeladen worden sind. Genau, nicht der Vorstand stellt ein, der vom Aufsichtsrat bestellte Personalrat sucht und schlägt dem Aufsichtsrat die Kandidaten vor! Aber Oliver Kreuzer hat abgesagt, da wollte der Rat Roman Grill nicht als einzigen Kandidaten hören und die Entscheidung wurde vertagt. Bernd Hoffmann hat sich klar geäußert, dass er Grill favorisiert, aber Einfluss hat er dabei halt nicht. Wenn der Aufsichtsrat nicht bestellt, dann bestellt er nicht.
Zum Schluss noch mal zu meinem Club, bewusst offen gefragt: Wie siehst Du derzeit den FC Schalke 04?
Puh. Eigentlich war mir Schalke bisher egal. Gehasst habe ich S04 nicht, auch wenn ich in den 90ern dazu fast genötigt wurde, da es mal eine Fanfreundschaft mit eurem Lieblingsgegner gab, aber mehr als Wahrnehmung wollte sich nie einstellen. Ich habe mir euren Europapokalerfolg angesehen und die verpasste Meisterschaft 2001 wird immer in Erinnerung bleiben. Danach habt ihr sinnlos Spieler gekauft und mit Gehalt zugeschmissen, dass die Antipathie überwog.
Geändert hat sich meine Wahrnehmung in dieser Saison. Festzumachen ist das an einer Person: Felix Magath. Er ist der einzige gegnerische Trainer, der in Hamburg immer Applaus erhält. Völlig egal, bei wem er grad auf der Bank sitzt. Ich schaue nun doch einigermaßen gespannt auf die Entwicklung bei euch.
Eure Fans sehe ich sehr skeptisch. Warum? Weil ich euch nicht verstehe: In der letzten Saison spielte S04 in Hamburg, just nachdem Kuranyi sich von der Nationalmannschaft unentschuldigt entfernt hatte. Ein Fest für uns, wir konnten Ihn auslachen und mit Sprechchören verhöhnen. Die, sehr richtige, das sein angemerkt, Reaktion der Schalker Fans: Kuranyi Sprechchöre. Euer nächstes Heimspiel lief dann nicht gut (0:0 gegen Bielefeld) und gerade Kuranyi wurde von den eigenen Fans ausgepfiffen. Das fand ich dann lächerlich, zumal das Auspfeifen der eigenen Spieler so gar nicht mein Ding ist.
Vielen Dank!
Dir und Deinem Blog alles Gute, Deinem Club selbstverständlich alles Pech der Welt, vor allem Sonntag. Glück auf.
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Außerdem ist Ned im Sportblogger- und im Ballpodder-Netzwerk aktiv
Manchmal merkt man während des Sprechens, dass eine Argumentation nicht schlüssig ist. Das ist nicht schön, vielleicht eine „Niederlage“ oder peinlich, die Argumentation lässt sich aber im Kopf reparieren. Aufwändiger ist es, wenn einem während einer Unterhaltung bewusst wird, dass das eigene Handeln nicht dem entspricht, was man eigentlich erwartet.
Mir ging es kürzlich so, bei einer Unterhaltung mit Trainer Baade. Anlässlich der Premiere von Ben Redelings Lesung aus seinem neuen Buch „Dem Fußball sein Zuhause“ waren wir gemeinsam in Bochum. Wir sprachen über Fußball. Und natürlich übers Bloggen. Was einem wichtig ist, was nervt, wie es sich verändert, was einen antreibt.
Ich werde nicht müde zu erklären, dass es die Kommunikation ist, die mir den größten Wert darstellt. Natürlich schaue ich auf die Leserzahlen, vielmehr aber auf die Kommentare. Es freut mich ungemein, dass die Kommentare in der Regel einen Mehrwert bieten. Es wird wieder eine Meinung dargestellt die über das bloße Urteil „gut“, „schlecht“, „alles doof“ hinausgeht.
Der Trainer bestätigte den Spaß durch Kommentare, bemerkte aber, dass die Anzahl der Kommentare in letzter Zeit zurückgegangen sei. Er führte das darauf zurück, dass sich die Nutzung von Feed-Reader mehr und mehr durchgesetzt hat, in denen Kommentare kaum eine Rolle spielen. Und bei der Darstellung meines eigenen Surfverhaltens wurde mir eben schlagartig bewusst, dass dies auch genau meinem Verhalten entspricht.
Mein Sage-Reader, ein Firefox-Plugin, hat täglich ca. 60 Fußballblogs nach neuen Beiträgen durchforstet. Angeschaut habe ich mir stets alle, wirklich gelesen immer noch viele, eben die für mich interessanten. Wenn ich kommentieren wollte war das ein weiterer Klick, hin zum Blog. Kein Hindernis, trotzdem woanders. Entscheidender ist aber, dass ich nicht von vornherein den Mehrwert durch andere Kommentatoren mitbekommen habe.
Heute habe ich keinen Feed-Reader mehr. Nun sind die Blogs in meinem Browser wieder altmodisch, als Lesezeichen gespeichert, aufgeteilt in 3 Ordnern. Pro Ordner lasse ich mir alle Seiten gleichzeitig in Tabs öffnen, durchstöbere sie und erfahre alles Neue gleichzeitig: Die Texte natürlich, die Kommentare, eingebundene Gimmicks aller Art und die Blogdesigns. Ein „Rückschritt“ den ich unbedingt empfehlen kann und der bei mir dazu geführt hat, dass ich selbst wieder häufiger an Kommentardiskussionen teilnehme.
Ebenfalls unbedingt empfehlen kann ich übrigens auch Ben Redelings Lesung. War ein rundum guter Abend.







