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Date: Sunday, 05 Aug 2007 01:29
Hallo Leute,
ja richtig gelesen mich gibt es noch!
Ich habe mein Leben wieder im Griff. Ein neuer Job, ein neuer Mann - Frau was willst du mehr.
Aúch wenn nicht immer alles nur "eitel Sonnenschein" ist - glaubt mir es lohnt sich nicht aufzugeben.
Ich werde mich jetzt hier von euch verabschieden. Aber wer mehr über mich wissen will der kann ja in meinem neuen Blog weiter lesen (der Link ist hier unter den "Links" gespeichert).
Ich wünsche euch allen sehr viel Glück und das sich alle eure Träume erfüllen mögen.:)
ja richtig gelesen mich gibt es noch!
Ich habe mein Leben wieder im Griff. Ein neuer Job, ein neuer Mann - Frau was willst du mehr.
Aúch wenn nicht immer alles nur "eitel Sonnenschein" ist - glaubt mir es lohnt sich nicht aufzugeben.
Ich werde mich jetzt hier von euch verabschieden. Aber wer mehr über mich wissen will der kann ja in meinem neuen Blog weiter lesen (der Link ist hier unter den "Links" gespeichert).
Ich wünsche euch allen sehr viel Glück und das sich alle eure Träume erfüllen mögen.:)
Date: Saturday, 24 Jun 2006 23:38
Hallo Leute,
ich weiß ja nicht ob ihr hier noch ab und zu reinschaut, aber ich wollte euch heute mal einen "lagebricht" geben und euch erzählen wie es denn in meinem Leben weiter ging.
Zuerst einmal kann ich euch sagen, dass es mir zur Zeit sehr gut geht und mein Leben jetzt wohl so langsam wieder im Griff habe.
Jetzt ist fast ein halbes Jahr vergangen, seit ich hier meinen letzten Eintrag veröffentlicht habe. Diese Zeit war nicht immer leicht für mich und manchmal hatte ich das Gefühl mir würde alles über den Kopf wachsen. Aber letztendlich haben sich viele Dinge zum Guten gewendet.
Seit Ende März habe ich jetzt endlich auch meine eigene Wohnung. Allerdings ist diese nicht in München sondern etwa 80 km weit weg in der Nähe von Landshut. Aber ich bin darüber nicht böse denn seit ich umgezogen bin geht es in meinem Leben endlich wieder voran.
Mein damaliger Lebensgefährte (oder besser gesagt mein damaliger EX) ist wieder mein "aktueller" Partner. Wir haben uns durch die berufliche Zusammenarbeit und stundenlange Gespräche wieder angenähert und heute für uns eine völlig neue Art der Beziehung entdeckt. Wir haben gelernt miteinander zu reden und zu streiten ohne den Anderen zu verletzen, dem Anderen Freiräume zu geben und trotzdem mireinander leben zu können.
Ich habe zwar jetzt meine eigene Wohnung, die ich auch nicht aufgeben werde, aber wir sind doch die meiste Zeit zusammen und glücklich. Wir haben jetzt auch einen völlig neuen gemeinsamen bekanntenkreis und unternehmen viele Dinge die wir früher nie miteinander gemacht hätten.
Ich denke wir haben es endlich gelernt einander so zu respektieren wie wir nun einmal sind, mit allen Fehlern und Schwächen.
Sicher beruflich könnte es noch besser laufen, aber auch hier sind seit einigen Wochen Fortschritte zu erkennen. Ich habe meine berufliche Selbstständigkeit wieder aufgenommen und so langsam kommen auch die Auftraggeber wieder zurück. Es könnte zwar noch mehr Arbeit werden aber für den Anfang bin ich zufrieden und optimistisch.
Ich werde hier so ab und zu ein wenig weiter schreiben.
:)
ich weiß ja nicht ob ihr hier noch ab und zu reinschaut, aber ich wollte euch heute mal einen "lagebricht" geben und euch erzählen wie es denn in meinem Leben weiter ging.
Zuerst einmal kann ich euch sagen, dass es mir zur Zeit sehr gut geht und mein Leben jetzt wohl so langsam wieder im Griff habe.
Jetzt ist fast ein halbes Jahr vergangen, seit ich hier meinen letzten Eintrag veröffentlicht habe. Diese Zeit war nicht immer leicht für mich und manchmal hatte ich das Gefühl mir würde alles über den Kopf wachsen. Aber letztendlich haben sich viele Dinge zum Guten gewendet.
Seit Ende März habe ich jetzt endlich auch meine eigene Wohnung. Allerdings ist diese nicht in München sondern etwa 80 km weit weg in der Nähe von Landshut. Aber ich bin darüber nicht böse denn seit ich umgezogen bin geht es in meinem Leben endlich wieder voran.
Mein damaliger Lebensgefährte (oder besser gesagt mein damaliger EX) ist wieder mein "aktueller" Partner. Wir haben uns durch die berufliche Zusammenarbeit und stundenlange Gespräche wieder angenähert und heute für uns eine völlig neue Art der Beziehung entdeckt. Wir haben gelernt miteinander zu reden und zu streiten ohne den Anderen zu verletzen, dem Anderen Freiräume zu geben und trotzdem mireinander leben zu können.
Ich habe zwar jetzt meine eigene Wohnung, die ich auch nicht aufgeben werde, aber wir sind doch die meiste Zeit zusammen und glücklich. Wir haben jetzt auch einen völlig neuen gemeinsamen bekanntenkreis und unternehmen viele Dinge die wir früher nie miteinander gemacht hätten.
Ich denke wir haben es endlich gelernt einander so zu respektieren wie wir nun einmal sind, mit allen Fehlern und Schwächen.
Sicher beruflich könnte es noch besser laufen, aber auch hier sind seit einigen Wochen Fortschritte zu erkennen. Ich habe meine berufliche Selbstständigkeit wieder aufgenommen und so langsam kommen auch die Auftraggeber wieder zurück. Es könnte zwar noch mehr Arbeit werden aber für den Anfang bin ich zufrieden und optimistisch.
Ich werde hier so ab und zu ein wenig weiter schreiben.
:)
Date: Friday, 20 Jan 2006 09:57
Hallo Leute,
heute melde ich wieder einmal hier.
Sicher sind einige neugierig wie es denn jetzt in meinem Leben läuft.
Es ist zwar eine völlig neue Situation für mich, aber es geht mir besser als ich selbst es erwartet hätte.
Der Druck und die Unsicherheit sind weg. Ich fange an mein Leben wieder zu geniessen.
Ich arbeite, treffe mich mit Bekannten und Freunden, lerne neue Leute kennen und habe endlich wieder zeit für meine Hobbies.
Auch das "Zusammenleben" klappt. Jeder von uns nimmt zwar auf den anderen Rücksicht, ohne dabei aber zu verkrampfen oder sich zu verstellen. Nachdem wir endlich unsere Situation geklärt haben, können wir sogar offen und ehrlich miteinander reden. Das konnten wir in den 5 Jahren unserer Beziehung eigentlich nie so richtig.
Ich verstehe heute viele seiner Reaktionen besser, weil ich endlich weiss warum er das macht.
Uns beiden ist mittlerweile auch klar, dass wir nicht immer so zusammen leben können. Aber für eine Übergangszeit ist das für uns die richtige Lösung. Keiner kann sagen was die Zukunft bringt, aber sicher ist, dass es für uns kein zurück gibt.
Auch wenn wir uns noch immer sehr gern haben ( aber eher wie langjährige Freunde), reichen die Gefühle für eine gemeinsame Zukunft nicht aus.
Auch wenn es nicht leicht ist das Vergangene loszulassen und auch Trauer und Enttäuschung sich manchmal noch melden, bin ich sicher das ich es schaffe.
Bis zum nächsten Mal.
Eure Stefani
heute melde ich wieder einmal hier.
Sicher sind einige neugierig wie es denn jetzt in meinem Leben läuft.
Es ist zwar eine völlig neue Situation für mich, aber es geht mir besser als ich selbst es erwartet hätte.
Der Druck und die Unsicherheit sind weg. Ich fange an mein Leben wieder zu geniessen.
Ich arbeite, treffe mich mit Bekannten und Freunden, lerne neue Leute kennen und habe endlich wieder zeit für meine Hobbies.
Auch das "Zusammenleben" klappt. Jeder von uns nimmt zwar auf den anderen Rücksicht, ohne dabei aber zu verkrampfen oder sich zu verstellen. Nachdem wir endlich unsere Situation geklärt haben, können wir sogar offen und ehrlich miteinander reden. Das konnten wir in den 5 Jahren unserer Beziehung eigentlich nie so richtig.
Ich verstehe heute viele seiner Reaktionen besser, weil ich endlich weiss warum er das macht.
Uns beiden ist mittlerweile auch klar, dass wir nicht immer so zusammen leben können. Aber für eine Übergangszeit ist das für uns die richtige Lösung. Keiner kann sagen was die Zukunft bringt, aber sicher ist, dass es für uns kein zurück gibt.
Auch wenn wir uns noch immer sehr gern haben ( aber eher wie langjährige Freunde), reichen die Gefühle für eine gemeinsame Zukunft nicht aus.
Auch wenn es nicht leicht ist das Vergangene loszulassen und auch Trauer und Enttäuschung sich manchmal noch melden, bin ich sicher das ich es schaffe.
Bis zum nächsten Mal.
Eure Stefani
Date: Monday, 09 Jan 2006 13:58
So Leute,
endlich ist es vollbracht. Unsere Aussprache fand heute statt.
Wir haben dabei beide festgestellt, dass wir zusammen nicht glücklich sind. daher ist es besser sich zu trennen. Zumindest erst einmal auf Zeit.
Keiner von uns kann sagen was die Zukunft bringt. Aber uns beiden ist klar, dass wir zusammen nicht mehr so weiter machen können.
Ich werde trotzdem erst einmal hier wohnen bleiben. Aber wir werden dann eher so eine Art WG haben in der jeder von uns sein eigenes Leben lebt und wir eben nur unter einem Dach leben.
Mal sehen ob das klappt. Wenn nicht dann werde ich mir doch eine eigene Wohnung suchen und mein Leben ohne ihn fortsetzen.
Auch wenn es mir im Moment nicht besonders gut geht, bin ich doch sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Ich werde euch weiter berichten.
endlich ist es vollbracht. Unsere Aussprache fand heute statt.
Wir haben dabei beide festgestellt, dass wir zusammen nicht glücklich sind. daher ist es besser sich zu trennen. Zumindest erst einmal auf Zeit.
Keiner von uns kann sagen was die Zukunft bringt. Aber uns beiden ist klar, dass wir zusammen nicht mehr so weiter machen können.
Ich werde trotzdem erst einmal hier wohnen bleiben. Aber wir werden dann eher so eine Art WG haben in der jeder von uns sein eigenes Leben lebt und wir eben nur unter einem Dach leben.
Mal sehen ob das klappt. Wenn nicht dann werde ich mir doch eine eigene Wohnung suchen und mein Leben ohne ihn fortsetzen.
Auch wenn es mir im Moment nicht besonders gut geht, bin ich doch sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Ich werde euch weiter berichten.
Date: Sunday, 08 Jan 2006 14:59
Hallo Leute,
da bin ich mal wieder.
@Evil Dirndl
Danke für deine Worte und den Link. Da ich selbst sehr viel lese werde ich mit Sicherheit einmal dort vorbeischauen ob ich dort auch interessante Bücher finden kann, die mir in meiner Situation weiter helfen können.
@Sandra
Entschuldige bitte, dass ich dir noch nicht geantwortet habe.
Ja ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich war nur zu feige mit meinem Partner darüber zu sprechen.
Aber gestern abend habe ich ihm einen Brief geschrieben, denn das erschien mir als die beste Lösung.
Ich habe ihm gesagt was ich weiss und wie ich darüber denke. Ich hoffe, dass ich es geschafft habe alles ohne Wut und Trauer auszudrücken.
Leider ist er seit gestern nicht da und hat somit auch noch nichts dazu sagen können.
Ich habe eine Riesenangst vor dem heutigen Abend, wenn er wieder da ist und ich mit ihm reden muss. Aber ich muss da jetzt durch.
Ich werde mir wohl eine Wohnung suchen und mein Leben selbst in die Hand nehmen.
Ich warte zwar noch ab was er dazu sagt aber ich denke auch, dass er keine Argumente haben wird mich von meiner Entscheidung abzubringen.
Ach und noch etwas:
Ich bitte darum, dass die Komentare in html-Format nicht hier veröffentlicht werden.
da bin ich mal wieder.
@Evil Dirndl
Danke für deine Worte und den Link. Da ich selbst sehr viel lese werde ich mit Sicherheit einmal dort vorbeischauen ob ich dort auch interessante Bücher finden kann, die mir in meiner Situation weiter helfen können.
@Sandra
Entschuldige bitte, dass ich dir noch nicht geantwortet habe.
Ja ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich war nur zu feige mit meinem Partner darüber zu sprechen.
Aber gestern abend habe ich ihm einen Brief geschrieben, denn das erschien mir als die beste Lösung.
Ich habe ihm gesagt was ich weiss und wie ich darüber denke. Ich hoffe, dass ich es geschafft habe alles ohne Wut und Trauer auszudrücken.
Leider ist er seit gestern nicht da und hat somit auch noch nichts dazu sagen können.
Ich habe eine Riesenangst vor dem heutigen Abend, wenn er wieder da ist und ich mit ihm reden muss. Aber ich muss da jetzt durch.
Ich werde mir wohl eine Wohnung suchen und mein Leben selbst in die Hand nehmen.
Ich warte zwar noch ab was er dazu sagt aber ich denke auch, dass er keine Argumente haben wird mich von meiner Entscheidung abzubringen.
Ach und noch etwas:
Ich bitte darum, dass die Komentare in html-Format nicht hier veröffentlicht werden.
Date: Monday, 26 Dec 2005 14:33
Hallo Leute,
zuerst einmal wünsche ich allen wunderschöne Feiertage.
Leider komme ich erst heute dazu hier weiter zu schreiben. Ich musste für mich einige sehr schwere und vor allem schmerzvolle Entscheidungen treffen.
Vieleicht hätte ich euch davon erzählen sollen und ihr hättet mir sicher den einen oder anderen guten Rat geben können. Aber wie hätte ich euch etwas erklären sollen das ich selbst kaum verstehe?
Ich werde einfach mal versuchen euch einen Einblick zu geben und hoffe ihr sagt mir eure Meinung dazu.
Dazu muss ich euch aber erst einmal erzählen wie unsere Beziehung war bevor ich in Haft gekommen bin.
Zur Erklärung muss ich hier einfügen, dass ich seit 5 Jahren mit einem Menschen zusammenlebe, den ich leider über viele Jahre hinweg belogen habe.
Ich habe an ihm und unserer Beziehung gezweifelt, hatte zu wenig Vertrauen in seine Meinung, habe ihn lieber im Ungewissen gelassen wie es in mir aussah.
Vor etwa einem Jahr hatten wir eine grosse Krise. Ich habe nicht mehr gewusst ob ich ihn noch liebe, ja ob ich ihn überhaupt jemals geliebt habe. Ich wollte nur noch weg von ihm und mein eigenes "Ding" machen.
Heute denke ich manchmal, dass da schon eine unterbewusste Ahnung existierte was noch alles auf mich zukommen würde. Und bevor er dann auch noch merken sollte, wie ich ihn durch mein Schweigen belogen hatte, wollte ich lieber alles alleine durchstehen.
Ich habe ihm damals gesagt, dass ich mir eine eigene Wohnung suchen würde und dann ausziehen wollte. Er hat das so akzeptiert, ich hatte sogar das Gefühl er wäre erleichtert, und ich fühlte mich auf einmal frei.
Frei das zu tun was ich wollte, mir neue Freunde zu suchen, mein Leben so zu leben wie ich es wollte ohne Rücksichten nehmen zu müssen.
Nun ist das mit der Wohnungssuche, zumindest hier in München, so eine Sache, denn es gibt kaum bezahlbaren Wohnraum. Also haben wir weiterhin zusammengewohnt, aber ich habe mein eigenes Leben gelebt. Habe angefangen zusätzlich in der Gastronomie zu jobben, bin irgendwann nachts heimgekommen, habe geschlafen und war immer richtig erleichtert wenn er morgens sehr früh arbeiten ging. Wenn er Feierabend hatte war ich schon auf dem Weg zur Arbeit.
An den Wochenenden oder wenn ich einmal frei hatte bin ich dann zu Freunden gefahren, die ca. 150 km weit weg wohnten. Bei ihnen habe ich mich geborgen und verstanden gefühlt und sie haben mich so genommen wie ich war, ohne an mir "herumzuerziehen".
So ging das von November bis zum Januar diesen Jahres. Da ich von Weihnachten bis Ende Januar frei hatte, war ich in der Zeit sogar die ganze Zeit bei meinen Freunden. Da ich mich ja als "frei" ansah, habe ich ihm auch nicht mitgeteilt wo ich bin oder ob ich irgendwann einmal wieder nach "Hause" komme. Irgendwann Ende Januar klingelte das Telefon bei meinen Freunden und er war dran (er hatte sich die Nummer von einer alten Telefonrechnung gezogen). Ich bin dann nach München gefahren und wir haben geredet. Dabei stellte sich heraus, dass er unsere "Beziehung" nicht als beendet ansah oder zumindest versuchen wollte dieser noch eine Chance zu geben.
Nach langem Reden war ich dazu bereit. Er hatte sogar nichts mehr dagegen, dass ich weiter in der Gastronomie arbeiten wollte, machte aber zur Bedingung, dass ich mir schnellstens eine Arbeit suche bei der ich nur tagsüber arbeiten kann.
Ich hatte während am Beginn unserer Krise begonnen im Internet zu chatten, was damals immer wieder für Streit zwischen uns gesorgt hatte.
Na gut ich gebe zu, dass es nicht unbedingt hätte sein müssen, dass ich die halbe Nacht am PC verbracht habe während er allein vor dem Fernseher sass. Aber damals war das chatten für mich eine Flucht aus der Realität. Es gab mir die Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen, mit ihnen zu reden. Sicher kann sich jeder vorstellen, wie gut das tun kann wenn man sich sonst zu Hause nur noch anschweigt.
Nachdem wir nun unseren Neuanfang beschlossen hatten offenbarte er mir, dass er beim Suchen nach Informationen über mich selbst in den Chat gegangen wäre und nun auch nichts mehr dagegen hätte, solange ich nicht wieder die Nächte dort verbringe. Er hatte sogar selbst begonnen zu chatten und es machte ihm offensichtlich Spass.
Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste war, dass er da wohl eine Frau kennengelernt hatte mit der es über das Chatten hinausgegangen war.
Erst einige Wochen später machten mich einige Aktivitäten seinerseits doch wachsam. Wenn ich in die Nähe kam wurde die Seite schnell geschlossen, sein Handy signalisierte sms und er las sie heimlich. Alles zusammen machte mich vorsichtig und als er einmal im Bad war habe ich sein Handy kontrolliert. Es waren sms darauf die mir nicht gefielen, so in etwa " ich vermisse dich" oder " ich hab Schmetterlinge im Bauch".
Als er mir dann einige Tage später sagte er hätte einen Termin in einer anderen Stadt und müsse da vieleicht sogar übernachten, habe bei mir schon die "Alarmglocken" geklingelt. Aber ich wollte ihm glauben und habe sogar angeboten einen Termin von ihm am darauf folgenden Tag zu übernehmen damit er in der Früh nicht so früh losfahren muss und ihm dann auch noch mein Auto für die Fahrt gegeben (seins war in der Werkstatt).
Am Abend vorher kam wieder eine sms und ich habe dann am nächsten Tag, kurz bevor er fahren musste, diese gelesen ("ich freu mich auf dich"). Zu dem Zeitpunkt habe ich mich noch an das "vielleicht" übernachten geklammert und mir gesagt ich bilde mir alles nur ein.
Er ist also gefahren und ich sass da, mit meinen Zweifeln und meiner Eifersucht. Als ich ihn dann den ganzen Abend und die ganze Nacht nicht einmal per Handy erreichen konnte und er auch abends nicht heimkam war mir alles klar.
Er betrog mich!
Nach einer durchweinten, schlaflosen Nacht habe ich ihm dann in der Früh einen Brief geschrieben indem ich ihn mit Vorwürfen überhäuft habe. "Er fährt zum vög... und ich darf für ihn arbeiten gehen" - so in etwa ging der Brief.
Wenn ich mein Auto bei mir gehabt hätte, dann wäre ich noch in der Nacht mit all meinen Sachen auf und davon gewesen. So konnte ich nur warten bis er wieder da war.
Als er kam hat er zuerst alles abgestritten, aber nachdem ich ihm die Beweise unter die Nase gerieben habe hat er mir gesagt wie leid es ihm täte und das er die Frau kennengelernt hätte als ich ja nicht da war und er nicht wusste ob ich jemals wieder kommen würde. Das musste ich so akzeptieren. Vor allem da er mir auch sagte er wäre am Vortag nur zu ihr gefahren um alles zu beenden, hätte das aber dann doch nicht gekonnt.
Ich habe ihn dann quasi erpresst sie in meinem Beisein anzurufen und die Sache telefonisch zu beenden. Nach anfänglichem Sträuben hat er dann eingewilligt und auch irgendwo angerufen. Ob er tatsächlich bei ihr angerufen hat kann ich nicht sagen und ich denke heute auch, dass es nicht so war.
Nach dieser Geschichte war aber bei mir irgendwo der letzte Funke Hoffnung weg. Ich habe dann wieder mein eigenens Leben gelebt und war mehr bei meinen Freunden als zu Hause.
Bis zum 14. April - denn da wurde ich verhaftet.
Ich habe ihm dann nur kurz die Tatsache mitgeteilt und ihm einige Tage später einen Brief geschrieben, weil ja meine Sachen noch bei ihm in der Wohnung waren.
Ich hätte nie damit gerechnet, dass er während meiner Haftzeit für mich da ist.
Aber er war da - sogar mehr noch er besuchte mich, holte mich zum Ausgang ab, zahlte meinen Anwalt, kümmerte sich um alle meine Dinge.
Seit meiner Entlassung, Anfang Oktober, leben wir wieder zusammen.
Wir arbeiteten zusammen, schliefen miteinander, lebten miteinander.
Und doch war da etwas zwischen uns. Ich weiss, dass ich zu einem grossen Teil daran Schuld war, denn sein Vertrauen musste ich mir erst wieder verdienen und daran habe ich jeden Tag aufs Neue gearbeitet.
Nur leider wusste ich überhaupt nicht wie er zu mir steht.
Sind wir überhaupt wieder zusammen? Oder haben wir nur eine berufliche Beziehung, die Sex und Zusammenleben einschliesst?
Er war dann im November für drei Wochen im Urlaub.
Alleine weil er erstens schon zehn Jahre keinen Urlaub hatte, er seinen 50. Geburtstag nicht hier feiern wollte und weil jemand sich in seiner Abwesenheit um seine Firma kümmern musste.
Ich hab mich sogar für ihn gefreut. Aber ich hatte auch sehr viel Zeit zum Nachdenken.
Als er mir dann bei seiner Rückkehr auch noch sagte, dass er beabsichtigt sein Alter in der Karibik zu verbringen und bereits alles Erforderliche eingeleitet hat, war das für mich ein Schock.
Er beschliesst es für sich alleine ohne mich auch nur zu fragen. Er hat die Einbürgerung dort beantragt, hat dort neue geschäftliche Kontakte geknüpft.
OK er will schon, dass wir das Geschäft hier zusammen aufbauen. Ich soll oder darf mich dann, wenn er in Zukunft drei Monate im Jahr da unten ist, um alles hier kümmern.
Aber soll das alles gewesen sein? Ich habe dann bemerkt, dass ich wieder in alte Verhaltensmuster zurück falle, von denen ich geglaubt hatte diese ein für allemal abgelegt zu haben.
Ich habe einfach wieder den Kopf in den Sand gesteckt und mir eine "Traumwelt" erschaffen in der alles in Ordnung kommen würde.
Aber zum Glück blieb ein wenig Realitätssinn erhalten, der mich davor bewahrte meine alten Fehler zu wiederholen.
Vor etwa drei Wochen habe ich durch Zufall ein archiviertes Gespräch zwischen ihm und einer Frau auf dem PC gefunden. Eigentlich war alles ganz harmlos aber wegen der Geschichte vor einem Jahr war ich doch misstrauisch geworden.
Ich habe dann immer wieder in der datei nachgeschaut ob es da etwas neues gibt. Und gestern habe ich dann gefunden wonach ich die ganze Zeit gesucht habe.
Nein er hat nichts mit ihr, zumindest nicht mehr. Aber er hat ihr erzählt wie er unsere Beziehung zueinander sieht.
Ja was soll ich sagen? Er würde am liebsten alles beenden, aber aus welchem Grund auch immer, ist da wohl ein Rest "Verantwortungsbewusstsein" mir gegenüber das ihn hindert mir das mitzuteilen.
Wir waren gestern, nachdem ich das gelesen hatte, mit seiner Familie essen. Ich habe zwar versucht die ganze Sache zu verdrängen aber ich habe die Situation einfach nicht ertragen. Nach dem Essen habe ich mich mit Kopfschmerzen (die ich dann sogar wirklich hatte) entschuldigt und bin alleine nach Hause gefahren.
Da habe ich dann hier gesessen und versucht alles mit Vernunft zu analysieren. Meine Gedanken drehten sich dabei aber immer nur im Kreis und als ich eine E-Mail von einer Freundin bekam, die mich für den Abend eingeladen hat, bin ich zu ihr gefahren.
Ich habe die ganze letzte Nacht mit ihr geredet und und ihr alles erzählt.
Nun habe ich endlich ein Ergebnis und kann die Konsequenz ziehen.
Aber ist das die richtige Entscheidung, wenn ich ihm die Entscheidung abnehme und diesen Schwebezustand beende?
Und wann sage ich es ihm? Suche ich mir heimlich eine Wohnung, bevor ich ihn informiere? Oder spreche ich sofort mit ihm ungeachtet eventueller Konsequenzen?
Bitte helft mir und sagt mir was ihr tun würdet.
zuerst einmal wünsche ich allen wunderschöne Feiertage.
Leider komme ich erst heute dazu hier weiter zu schreiben. Ich musste für mich einige sehr schwere und vor allem schmerzvolle Entscheidungen treffen.
Vieleicht hätte ich euch davon erzählen sollen und ihr hättet mir sicher den einen oder anderen guten Rat geben können. Aber wie hätte ich euch etwas erklären sollen das ich selbst kaum verstehe?
Ich werde einfach mal versuchen euch einen Einblick zu geben und hoffe ihr sagt mir eure Meinung dazu.
Dazu muss ich euch aber erst einmal erzählen wie unsere Beziehung war bevor ich in Haft gekommen bin.
Zur Erklärung muss ich hier einfügen, dass ich seit 5 Jahren mit einem Menschen zusammenlebe, den ich leider über viele Jahre hinweg belogen habe.
Ich habe an ihm und unserer Beziehung gezweifelt, hatte zu wenig Vertrauen in seine Meinung, habe ihn lieber im Ungewissen gelassen wie es in mir aussah.
Vor etwa einem Jahr hatten wir eine grosse Krise. Ich habe nicht mehr gewusst ob ich ihn noch liebe, ja ob ich ihn überhaupt jemals geliebt habe. Ich wollte nur noch weg von ihm und mein eigenes "Ding" machen.
Heute denke ich manchmal, dass da schon eine unterbewusste Ahnung existierte was noch alles auf mich zukommen würde. Und bevor er dann auch noch merken sollte, wie ich ihn durch mein Schweigen belogen hatte, wollte ich lieber alles alleine durchstehen.
Ich habe ihm damals gesagt, dass ich mir eine eigene Wohnung suchen würde und dann ausziehen wollte. Er hat das so akzeptiert, ich hatte sogar das Gefühl er wäre erleichtert, und ich fühlte mich auf einmal frei.
Frei das zu tun was ich wollte, mir neue Freunde zu suchen, mein Leben so zu leben wie ich es wollte ohne Rücksichten nehmen zu müssen.
Nun ist das mit der Wohnungssuche, zumindest hier in München, so eine Sache, denn es gibt kaum bezahlbaren Wohnraum. Also haben wir weiterhin zusammengewohnt, aber ich habe mein eigenes Leben gelebt. Habe angefangen zusätzlich in der Gastronomie zu jobben, bin irgendwann nachts heimgekommen, habe geschlafen und war immer richtig erleichtert wenn er morgens sehr früh arbeiten ging. Wenn er Feierabend hatte war ich schon auf dem Weg zur Arbeit.
An den Wochenenden oder wenn ich einmal frei hatte bin ich dann zu Freunden gefahren, die ca. 150 km weit weg wohnten. Bei ihnen habe ich mich geborgen und verstanden gefühlt und sie haben mich so genommen wie ich war, ohne an mir "herumzuerziehen".
So ging das von November bis zum Januar diesen Jahres. Da ich von Weihnachten bis Ende Januar frei hatte, war ich in der Zeit sogar die ganze Zeit bei meinen Freunden. Da ich mich ja als "frei" ansah, habe ich ihm auch nicht mitgeteilt wo ich bin oder ob ich irgendwann einmal wieder nach "Hause" komme. Irgendwann Ende Januar klingelte das Telefon bei meinen Freunden und er war dran (er hatte sich die Nummer von einer alten Telefonrechnung gezogen). Ich bin dann nach München gefahren und wir haben geredet. Dabei stellte sich heraus, dass er unsere "Beziehung" nicht als beendet ansah oder zumindest versuchen wollte dieser noch eine Chance zu geben.
Nach langem Reden war ich dazu bereit. Er hatte sogar nichts mehr dagegen, dass ich weiter in der Gastronomie arbeiten wollte, machte aber zur Bedingung, dass ich mir schnellstens eine Arbeit suche bei der ich nur tagsüber arbeiten kann.
Ich hatte während am Beginn unserer Krise begonnen im Internet zu chatten, was damals immer wieder für Streit zwischen uns gesorgt hatte.
Na gut ich gebe zu, dass es nicht unbedingt hätte sein müssen, dass ich die halbe Nacht am PC verbracht habe während er allein vor dem Fernseher sass. Aber damals war das chatten für mich eine Flucht aus der Realität. Es gab mir die Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen, mit ihnen zu reden. Sicher kann sich jeder vorstellen, wie gut das tun kann wenn man sich sonst zu Hause nur noch anschweigt.
Nachdem wir nun unseren Neuanfang beschlossen hatten offenbarte er mir, dass er beim Suchen nach Informationen über mich selbst in den Chat gegangen wäre und nun auch nichts mehr dagegen hätte, solange ich nicht wieder die Nächte dort verbringe. Er hatte sogar selbst begonnen zu chatten und es machte ihm offensichtlich Spass.
Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste war, dass er da wohl eine Frau kennengelernt hatte mit der es über das Chatten hinausgegangen war.
Erst einige Wochen später machten mich einige Aktivitäten seinerseits doch wachsam. Wenn ich in die Nähe kam wurde die Seite schnell geschlossen, sein Handy signalisierte sms und er las sie heimlich. Alles zusammen machte mich vorsichtig und als er einmal im Bad war habe ich sein Handy kontrolliert. Es waren sms darauf die mir nicht gefielen, so in etwa " ich vermisse dich" oder " ich hab Schmetterlinge im Bauch".
Als er mir dann einige Tage später sagte er hätte einen Termin in einer anderen Stadt und müsse da vieleicht sogar übernachten, habe bei mir schon die "Alarmglocken" geklingelt. Aber ich wollte ihm glauben und habe sogar angeboten einen Termin von ihm am darauf folgenden Tag zu übernehmen damit er in der Früh nicht so früh losfahren muss und ihm dann auch noch mein Auto für die Fahrt gegeben (seins war in der Werkstatt).
Am Abend vorher kam wieder eine sms und ich habe dann am nächsten Tag, kurz bevor er fahren musste, diese gelesen ("ich freu mich auf dich"). Zu dem Zeitpunkt habe ich mich noch an das "vielleicht" übernachten geklammert und mir gesagt ich bilde mir alles nur ein.
Er ist also gefahren und ich sass da, mit meinen Zweifeln und meiner Eifersucht. Als ich ihn dann den ganzen Abend und die ganze Nacht nicht einmal per Handy erreichen konnte und er auch abends nicht heimkam war mir alles klar.
Er betrog mich!
Nach einer durchweinten, schlaflosen Nacht habe ich ihm dann in der Früh einen Brief geschrieben indem ich ihn mit Vorwürfen überhäuft habe. "Er fährt zum vög... und ich darf für ihn arbeiten gehen" - so in etwa ging der Brief.
Wenn ich mein Auto bei mir gehabt hätte, dann wäre ich noch in der Nacht mit all meinen Sachen auf und davon gewesen. So konnte ich nur warten bis er wieder da war.
Als er kam hat er zuerst alles abgestritten, aber nachdem ich ihm die Beweise unter die Nase gerieben habe hat er mir gesagt wie leid es ihm täte und das er die Frau kennengelernt hätte als ich ja nicht da war und er nicht wusste ob ich jemals wieder kommen würde. Das musste ich so akzeptieren. Vor allem da er mir auch sagte er wäre am Vortag nur zu ihr gefahren um alles zu beenden, hätte das aber dann doch nicht gekonnt.
Ich habe ihn dann quasi erpresst sie in meinem Beisein anzurufen und die Sache telefonisch zu beenden. Nach anfänglichem Sträuben hat er dann eingewilligt und auch irgendwo angerufen. Ob er tatsächlich bei ihr angerufen hat kann ich nicht sagen und ich denke heute auch, dass es nicht so war.
Nach dieser Geschichte war aber bei mir irgendwo der letzte Funke Hoffnung weg. Ich habe dann wieder mein eigenens Leben gelebt und war mehr bei meinen Freunden als zu Hause.
Bis zum 14. April - denn da wurde ich verhaftet.
Ich habe ihm dann nur kurz die Tatsache mitgeteilt und ihm einige Tage später einen Brief geschrieben, weil ja meine Sachen noch bei ihm in der Wohnung waren.
Ich hätte nie damit gerechnet, dass er während meiner Haftzeit für mich da ist.
Aber er war da - sogar mehr noch er besuchte mich, holte mich zum Ausgang ab, zahlte meinen Anwalt, kümmerte sich um alle meine Dinge.
Seit meiner Entlassung, Anfang Oktober, leben wir wieder zusammen.
Wir arbeiteten zusammen, schliefen miteinander, lebten miteinander.
Und doch war da etwas zwischen uns. Ich weiss, dass ich zu einem grossen Teil daran Schuld war, denn sein Vertrauen musste ich mir erst wieder verdienen und daran habe ich jeden Tag aufs Neue gearbeitet.
Nur leider wusste ich überhaupt nicht wie er zu mir steht.
Sind wir überhaupt wieder zusammen? Oder haben wir nur eine berufliche Beziehung, die Sex und Zusammenleben einschliesst?
Er war dann im November für drei Wochen im Urlaub.
Alleine weil er erstens schon zehn Jahre keinen Urlaub hatte, er seinen 50. Geburtstag nicht hier feiern wollte und weil jemand sich in seiner Abwesenheit um seine Firma kümmern musste.
Ich hab mich sogar für ihn gefreut. Aber ich hatte auch sehr viel Zeit zum Nachdenken.
Als er mir dann bei seiner Rückkehr auch noch sagte, dass er beabsichtigt sein Alter in der Karibik zu verbringen und bereits alles Erforderliche eingeleitet hat, war das für mich ein Schock.
Er beschliesst es für sich alleine ohne mich auch nur zu fragen. Er hat die Einbürgerung dort beantragt, hat dort neue geschäftliche Kontakte geknüpft.
OK er will schon, dass wir das Geschäft hier zusammen aufbauen. Ich soll oder darf mich dann, wenn er in Zukunft drei Monate im Jahr da unten ist, um alles hier kümmern.
Aber soll das alles gewesen sein? Ich habe dann bemerkt, dass ich wieder in alte Verhaltensmuster zurück falle, von denen ich geglaubt hatte diese ein für allemal abgelegt zu haben.
Ich habe einfach wieder den Kopf in den Sand gesteckt und mir eine "Traumwelt" erschaffen in der alles in Ordnung kommen würde.
Aber zum Glück blieb ein wenig Realitätssinn erhalten, der mich davor bewahrte meine alten Fehler zu wiederholen.
Vor etwa drei Wochen habe ich durch Zufall ein archiviertes Gespräch zwischen ihm und einer Frau auf dem PC gefunden. Eigentlich war alles ganz harmlos aber wegen der Geschichte vor einem Jahr war ich doch misstrauisch geworden.
Ich habe dann immer wieder in der datei nachgeschaut ob es da etwas neues gibt. Und gestern habe ich dann gefunden wonach ich die ganze Zeit gesucht habe.
Nein er hat nichts mit ihr, zumindest nicht mehr. Aber er hat ihr erzählt wie er unsere Beziehung zueinander sieht.
Ja was soll ich sagen? Er würde am liebsten alles beenden, aber aus welchem Grund auch immer, ist da wohl ein Rest "Verantwortungsbewusstsein" mir gegenüber das ihn hindert mir das mitzuteilen.
Wir waren gestern, nachdem ich das gelesen hatte, mit seiner Familie essen. Ich habe zwar versucht die ganze Sache zu verdrängen aber ich habe die Situation einfach nicht ertragen. Nach dem Essen habe ich mich mit Kopfschmerzen (die ich dann sogar wirklich hatte) entschuldigt und bin alleine nach Hause gefahren.
Da habe ich dann hier gesessen und versucht alles mit Vernunft zu analysieren. Meine Gedanken drehten sich dabei aber immer nur im Kreis und als ich eine E-Mail von einer Freundin bekam, die mich für den Abend eingeladen hat, bin ich zu ihr gefahren.
Ich habe die ganze letzte Nacht mit ihr geredet und und ihr alles erzählt.
Nun habe ich endlich ein Ergebnis und kann die Konsequenz ziehen.
Aber ist das die richtige Entscheidung, wenn ich ihm die Entscheidung abnehme und diesen Schwebezustand beende?
Und wann sage ich es ihm? Suche ich mir heimlich eine Wohnung, bevor ich ihn informiere? Oder spreche ich sofort mit ihm ungeachtet eventueller Konsequenzen?
Bitte helft mir und sagt mir was ihr tun würdet.
Date: Thursday, 08 Dec 2005 12:24
Hallo Leute,
heute komme ich endlich dazu den letzten Teil meiner Erfahrungen zu berichten.
@gi
du wolltest wissen warum ich statt einer Pfändung eine Haftstrafe bekommen habe.
Zum einen hast du recht, dass eine Pfändung sicher sinnvoller gewesen wäre. Aber bitte bedenke, dass das zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.
Zum einen kann man nur bei jemandem pfänden, der über die finanziellen Mittel verfügt. Ich habe den Unterhalt ja nicht nicht gezahlt weil ich es nicht wollte sondern weil ich es die meiste Zeit nicht konnte. Ich hatte einfach nur soviel Geld für meinen eigenen Lebensunterhalt. Bis auf ein Jahr in dem ich recht gut verdient habe, hätte ich den Unterhalt einfach nicht zahlen können.
Auf der anderen Seite ist es eine Straftat, wenn man sich nicht bemüht mehr zu verdienen oder nicht zahlt obwohl man es könnte (wie in dem einen Jahr als ich es hätte tun können). In meinem Fall hat die Staatsanwaltschaft mir genau dieses eine Jahr angelastet.
Ich denke auch, dass ich wenn ich nicht verhaftet worden wäre oder ich den Bewährungswiderruf ( der mich postalisch nie erreicht hat) bekommen hätte im Vorfeld eine Haftstrafe abbiegen hätte können.
Aber da ich nun schon einmal in den Fängen der Justiz war und das Oberlandesgericht der Argumentation meines Anwalts nicht folgen wollte, musste ich die Zeit absitzen.
@Moritz
Danke für deine aufmunternden Worte und Wünsche. ich werde mir jedenfalls alle Mühe geben mein zukünftiges Leben besser zu gestalten.
So nun aber zum letzten Teil meiner Geschichte:
So begannen die letzten Wochen meiner Zeit dort.
Ich konnte es trotz der Zusage, vom Richter, immer noch nicht richtig glauben, dass ich in wenigen Wochen wieder frei sein würde.
Irgendwie war alles so irreal. Ich hatte so fest damit gerechnet, erst im Frühjahr wieder zu Hause zu sein und nun sollte alles in ein paar Tagen vorbei sein?
Ich habe meinen Mitgefangenen auf der Station erst einmal nichts von der Anhörung erzählt, denn ich wollte abwarten bis ich den Beschluss schwarz auf weiß hatte.
Offizielle Zustellungen und Einschreiben wurden den Gefangenen über die zentrale ausgehändigt. Dazu kam in der Regel mittags eine Lautsprecherdurchsage, in der alle Frauen die eine Zustellung erhielten in die Zentrale gerufen wurden.
Da diese Durchsage im ganzen Haus zu hören war, warteten die Mitgefangenen meist schon darauf zu erfahren was man denn bekommen hätte.
Am Montag nach der Anhörung wurde dann auch mein Name aufgerufen. Als ich meinen Beschluss dann endlich in den Händen hielt, konnte ich es auch endlich wirklich glauben.
Erst dann habe ich auch auf meinen Mitgefangenen davon erzählt. Es gab nicht eine die sich nicht für mich gefreut hätte.
Auch wenn unter den einzelnen Cliquen und Gefangenen manchmal Neid und Gehässigkeit herrschen, wenn jemand entlassen wird freuen sich alle anderen für ihn/sie mit. Da ist dann egal was vorher einmal war, denn solch eine Nachricht macht jedem bewusst, dass auch für ihn irgendwann einmal der Tag der Entlassung kommt.
Nun begannen noch einmal 5 lange Wochen für mich. So schön es ist zu wissen, dass die Zeit bald vorbei ist, so langsam vergeht von nun an die Zeit. Hatte vorher jeder Tag nur 24 Stunden, so kommen dir nun diese Stunden nun wie 48 vor.
Die Angst vor dem was danach kommt ist auf einmal da. Auch wenn ich wusste, dass ich nicht alleine vor den Problemen stehe, hatte ich doch auf einmal grosse Angst vor der Zukunft.
Angst davor wieder zu versagen, meine Ziele zu hoch gesteckt zu haben oder aufgrund meiner Haft verurteilt zu werden.
Diese Ängste sind zwar auch heute noch da, aber ich habe gelernt mit ihnen zu leben und mich ihnen zu stellen.
Irgendwann waren aber auch die letzten Wochen vorüber und mein letzter Tag begann. Da der 8. Oktober ein Samstag war, wurde ich bereits am 7. Oktober entlassen, denn im Strafvollzugsgesetz steht:
§ 16
[Entlassungszeitpunkt]
(1) Der Gefangene soll am letzten Tag seiner Strafzeit möglichst frühzeitig, jedenfalls noch am Vormittag entlassen werden.
(2) Fällt das Strafende auf einen Sonnabend oder Sonntag, einen gesetzlichen Feiertag, den ersten Werktag nach Ostern oder Pfingsten oder in die Zeit vom 22. Dezember bis zum 2. Januar, so kann der Gefangene an dem diesem Tag oder Zeitraum vorhergehenden Werktag entlassen werden, wenn dies nach der Länge der Strafzeit vertretbar ist und fürsorgerische Gründe nicht entgegenstehen."
Dazu musste ich allerdings einen Antrag stellen. Da nun der 7. Oktober ein Freitag war, und an diesem Tag aus organisatorischen Gründen in der JVA, die zu entlassenden Gefangenen bereits um 6:00 Uhr entlassen werden, gab es da ein paar Besonderheiten.
Zuerst einmal war die Kammer erst ab 7:00 Uhr besetzt. Das hiess, dass ich meine persönlichen Sachen und die gesamte Abmeldung bereits am Donnerstag erledigen musste. Da ich an dem Tag auch meine privaten Sachen, die sich noch in der Habe befanden, bekam und wie schon vorher erwähnt keine privaten Dinge in der Anstalt erlaubt sind, war es natürlich nicht möglich weiter auf der Abteilung zu bleiben.
Da nun dieses Problem bei allen am Freitag zu entlassenden Gefangenen auftrat, hatte man in der JVA so genannte Abgangszellen installiert.
Das waren Doppelzellen, die sich direkt an der Zentrale befanden. Die Gefangenen wurden am Donnerstag, nach dem Mittag, in der Kammer umgekleidet und dann in diese Zellen gesperrt. Da ja, aus verständlichen Gründen, der Kontakt zu anderen Gefangenen vermieden werden musste, waren die Zellen natürlich geschlossen.
Leider hat wohl niemand bedacht, dass es in diesen Zellen (ausser ein paar Büchern, die nun wirklich für niemanden interessant sein dürften) nichts gibt womit sich die Gefangenen die Wartezeit vertreiben können.
Da in der Kammer genau darauf geachtet wird, was dem Gefangenen für die letzten Stunden überlassen wird (Tabak, Kaffee, Schokolade ja Strickzeug u.ä. nein) und der Rest der persönlichen Sachen, bis zur endgültigen Entlassung, in der Zentrale verbleibt sind diese Stunden alles andere als angenehm.
Natürlich kann man sich mit der anderen Gefangenen unterhalten, aber da man diese in der Regel kaum oder gar nicht kennt sind die Gesprächsthemen etwas begrenzt.
Aber nichts desto trotz verging auch diese letzte Nacht irgendwann.
Um 5:00 Uhr in der Früh wurden wir geweckt, mussten die letzten Papiere unterschreiben.
Dann noch schnell die Betten abgezogen, einen Kaffee getrunken und beim Schichtwechsel um 6:00 Uhr ging es in Richtung Ausgang.
An der Torwache wurden mir dann mein Geld und mein Handy, gegen Quittung, ausgehändigt und die Tür zur Freiheit öffnete sich.
So in Zukunft werde ich hier über mein Leben dannach berichten.
Ich hoffe hier einigen Menschen einen realen Einblick in den Strafvollzug vermittelt zu haben.
heute komme ich endlich dazu den letzten Teil meiner Erfahrungen zu berichten.
@gi
du wolltest wissen warum ich statt einer Pfändung eine Haftstrafe bekommen habe.
Zum einen hast du recht, dass eine Pfändung sicher sinnvoller gewesen wäre. Aber bitte bedenke, dass das zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.
Zum einen kann man nur bei jemandem pfänden, der über die finanziellen Mittel verfügt. Ich habe den Unterhalt ja nicht nicht gezahlt weil ich es nicht wollte sondern weil ich es die meiste Zeit nicht konnte. Ich hatte einfach nur soviel Geld für meinen eigenen Lebensunterhalt. Bis auf ein Jahr in dem ich recht gut verdient habe, hätte ich den Unterhalt einfach nicht zahlen können.
Auf der anderen Seite ist es eine Straftat, wenn man sich nicht bemüht mehr zu verdienen oder nicht zahlt obwohl man es könnte (wie in dem einen Jahr als ich es hätte tun können). In meinem Fall hat die Staatsanwaltschaft mir genau dieses eine Jahr angelastet.
Ich denke auch, dass ich wenn ich nicht verhaftet worden wäre oder ich den Bewährungswiderruf ( der mich postalisch nie erreicht hat) bekommen hätte im Vorfeld eine Haftstrafe abbiegen hätte können.
Aber da ich nun schon einmal in den Fängen der Justiz war und das Oberlandesgericht der Argumentation meines Anwalts nicht folgen wollte, musste ich die Zeit absitzen.
@Moritz
Danke für deine aufmunternden Worte und Wünsche. ich werde mir jedenfalls alle Mühe geben mein zukünftiges Leben besser zu gestalten.
So nun aber zum letzten Teil meiner Geschichte:
So begannen die letzten Wochen meiner Zeit dort.
Ich konnte es trotz der Zusage, vom Richter, immer noch nicht richtig glauben, dass ich in wenigen Wochen wieder frei sein würde.
Irgendwie war alles so irreal. Ich hatte so fest damit gerechnet, erst im Frühjahr wieder zu Hause zu sein und nun sollte alles in ein paar Tagen vorbei sein?
Ich habe meinen Mitgefangenen auf der Station erst einmal nichts von der Anhörung erzählt, denn ich wollte abwarten bis ich den Beschluss schwarz auf weiß hatte.
Offizielle Zustellungen und Einschreiben wurden den Gefangenen über die zentrale ausgehändigt. Dazu kam in der Regel mittags eine Lautsprecherdurchsage, in der alle Frauen die eine Zustellung erhielten in die Zentrale gerufen wurden.
Da diese Durchsage im ganzen Haus zu hören war, warteten die Mitgefangenen meist schon darauf zu erfahren was man denn bekommen hätte.
Am Montag nach der Anhörung wurde dann auch mein Name aufgerufen. Als ich meinen Beschluss dann endlich in den Händen hielt, konnte ich es auch endlich wirklich glauben.
Erst dann habe ich auch auf meinen Mitgefangenen davon erzählt. Es gab nicht eine die sich nicht für mich gefreut hätte.
Auch wenn unter den einzelnen Cliquen und Gefangenen manchmal Neid und Gehässigkeit herrschen, wenn jemand entlassen wird freuen sich alle anderen für ihn/sie mit. Da ist dann egal was vorher einmal war, denn solch eine Nachricht macht jedem bewusst, dass auch für ihn irgendwann einmal der Tag der Entlassung kommt.
Nun begannen noch einmal 5 lange Wochen für mich. So schön es ist zu wissen, dass die Zeit bald vorbei ist, so langsam vergeht von nun an die Zeit. Hatte vorher jeder Tag nur 24 Stunden, so kommen dir nun diese Stunden nun wie 48 vor.
Die Angst vor dem was danach kommt ist auf einmal da. Auch wenn ich wusste, dass ich nicht alleine vor den Problemen stehe, hatte ich doch auf einmal grosse Angst vor der Zukunft.
Angst davor wieder zu versagen, meine Ziele zu hoch gesteckt zu haben oder aufgrund meiner Haft verurteilt zu werden.
Diese Ängste sind zwar auch heute noch da, aber ich habe gelernt mit ihnen zu leben und mich ihnen zu stellen.
Irgendwann waren aber auch die letzten Wochen vorüber und mein letzter Tag begann. Da der 8. Oktober ein Samstag war, wurde ich bereits am 7. Oktober entlassen, denn im Strafvollzugsgesetz steht:
§ 16
[Entlassungszeitpunkt]
(1) Der Gefangene soll am letzten Tag seiner Strafzeit möglichst frühzeitig, jedenfalls noch am Vormittag entlassen werden.
(2) Fällt das Strafende auf einen Sonnabend oder Sonntag, einen gesetzlichen Feiertag, den ersten Werktag nach Ostern oder Pfingsten oder in die Zeit vom 22. Dezember bis zum 2. Januar, so kann der Gefangene an dem diesem Tag oder Zeitraum vorhergehenden Werktag entlassen werden, wenn dies nach der Länge der Strafzeit vertretbar ist und fürsorgerische Gründe nicht entgegenstehen."
Dazu musste ich allerdings einen Antrag stellen. Da nun der 7. Oktober ein Freitag war, und an diesem Tag aus organisatorischen Gründen in der JVA, die zu entlassenden Gefangenen bereits um 6:00 Uhr entlassen werden, gab es da ein paar Besonderheiten.
Zuerst einmal war die Kammer erst ab 7:00 Uhr besetzt. Das hiess, dass ich meine persönlichen Sachen und die gesamte Abmeldung bereits am Donnerstag erledigen musste. Da ich an dem Tag auch meine privaten Sachen, die sich noch in der Habe befanden, bekam und wie schon vorher erwähnt keine privaten Dinge in der Anstalt erlaubt sind, war es natürlich nicht möglich weiter auf der Abteilung zu bleiben.
Da nun dieses Problem bei allen am Freitag zu entlassenden Gefangenen auftrat, hatte man in der JVA so genannte Abgangszellen installiert.
Das waren Doppelzellen, die sich direkt an der Zentrale befanden. Die Gefangenen wurden am Donnerstag, nach dem Mittag, in der Kammer umgekleidet und dann in diese Zellen gesperrt. Da ja, aus verständlichen Gründen, der Kontakt zu anderen Gefangenen vermieden werden musste, waren die Zellen natürlich geschlossen.
Leider hat wohl niemand bedacht, dass es in diesen Zellen (ausser ein paar Büchern, die nun wirklich für niemanden interessant sein dürften) nichts gibt womit sich die Gefangenen die Wartezeit vertreiben können.
Da in der Kammer genau darauf geachtet wird, was dem Gefangenen für die letzten Stunden überlassen wird (Tabak, Kaffee, Schokolade ja Strickzeug u.ä. nein) und der Rest der persönlichen Sachen, bis zur endgültigen Entlassung, in der Zentrale verbleibt sind diese Stunden alles andere als angenehm.
Natürlich kann man sich mit der anderen Gefangenen unterhalten, aber da man diese in der Regel kaum oder gar nicht kennt sind die Gesprächsthemen etwas begrenzt.
Aber nichts desto trotz verging auch diese letzte Nacht irgendwann.
Um 5:00 Uhr in der Früh wurden wir geweckt, mussten die letzten Papiere unterschreiben.
Dann noch schnell die Betten abgezogen, einen Kaffee getrunken und beim Schichtwechsel um 6:00 Uhr ging es in Richtung Ausgang.
An der Torwache wurden mir dann mein Geld und mein Handy, gegen Quittung, ausgehändigt und die Tür zur Freiheit öffnete sich.
So in Zukunft werde ich hier über mein Leben dannach berichten.
Ich hoffe hier einigen Menschen einen realen Einblick in den Strafvollzug vermittelt zu haben.
Date: Saturday, 03 Dec 2005 18:03
Nach der Antragstellung begann dann das lange Warten.
Eigentlich wäre das Warten und Hoffen vielleicht gar nicht so schlimm gewesen, weil ich mir ja von Anfang an gesagt habe, dass es sowieso nicht funktionieren würde.
Vielleicht habe ich auch einen Fehler gemacht, indem ich anderen Insassinnen von dem Antrag erzählt habe. Jeder gab nun seine Kommentare dazu ab und wollte mich aufmuntern oder trösten.
Gerade einige die schon desöfteren Gast in der Anstalt waren, waren der Meinung, dass es nicht wahrscheinlich wäre bereits zur Halbstrafe entlassen zu werden.
Auch wenn ich einen festen Wohnsitz nachweisen könnte und sogar wenn ich eine Arbeitsstelle in Aussicht hätte, wäre doch der für mich zuständige Richter so ein harter Brocken. Der gibt die Halbstrafe sowieso nie!
Auf der anderen Seite waren wieder Andere der Meinung, dass ich ja das erste Mal in Haft wäre und meine Sozialprognose nicht besser sein könnte. Auch wenn der Richter dort mir die Entlassung verweigern sollte, dann würde es auf jeden Fall mit einem Widerspruch klappen.
Und ich stand genau in der Mitte. Wollte nicht hoffen und tat es doch. Ich war nervlich irgendwann ziemlich am Ende und habe einfach alle darum gebeten das Thema nicht mehr anzusprechen.
Aber die Reaktion einer Kammerbeamtin bei meinem zweiten Ausgang zwang mich doch wieder mich mit dem Thema zu beschäftigen.
Was war geschehen? Als ich mich in der Kammer zu meinem Ausgang umgezogen hatte, gab sie mir fast meine gesamte Habe mit den Worten: Sie verlassen uns ja sowieso bald, da können sie ihre Sachen auch heute schon mitnehmen. Das hat mich doch so sehr erstaunt, dass ich noch einmal gefragt habe wie sie das meinen würde. Ob sie mehr wüsste wie ich, meiner Meinung nach verlasse ich sie doch erst im Frühjahr.
Sie hat sich dann herausgeredet, dass sie da wohl etwas falsch verstanden hätte aber ich die Sachen trotzdem mitnehmen solle.
Den ganzen Tag über ging mir diese Begebenheit nicht aus dem Kopf und ich habe am nächsten Tag einer Mitgefangenen davon erzählt.
Diese war schon das zweite Mal dort und hat mir den Tipp gegeben beim nächsten Ausgang einfach einmal 10 Stunden Ausgang zu beantragen. Ihrer Erfahrung nach wisse die Anstalt schon vor der Anhörung ob jemand gehen könne und würde dann die 10 Stunden genehmigen.
Ein angeblich todsicherer Indikator! Na ja ich kann es mir zwar immer noch nicht vorstellen, denn woher soll die Anstalt wissen wie der Richter entscheidet.
Aber ich habe es dann doch versucht und was soll ich sagen, die 10 Stunden Ausgang für September wurden genehmigt.
Schon wieder fing ich an zu hoffen, obwohl ich das doch nicht wollte.
Nachdem mir bei der Antragstellung gesagt wurde, dass ich etwa 4 bis 5 Wochen nach der Antragstellung einen Termin zur Anhörung bekommen würde und diese 5 Wochen Mitte August verstrichen waren ohne das ich einen Termin hatte, wurde ich noch nervöser.
Der für mich zuständige Richter war in der Regel immer mittwochs in der Anstalt. Jeden Dienstag habe ich gehofft und gefürchtet ins Büro gerufen zu werden, um zu hören ich hätte am nächsten Tag die Anhörung.
Aber es vergingen mehrere Wochen und nichts geschah. Auch am Dienstag den 06. September geschah nichts und ich ging dann am Mittwoch früh normal zur Arbeit.
Nachdem wir wieder unsere alltäglichen Aufgaben erledigt hatten wollten wir um 8:40 Uhr in unserer Frühstückspause gehen. Ich freute mich schon richtig auf eine Tasse Kaffee und eine Zigarette.
Als wir uns bei unserer Arbeitsbeamtin abmelden wollten sagte sie zu mir, dass ich in fünf Minuten (also um 8:45 Uhr) zur Anhörung müsste.
Na toll so wie ich aussah und völlig unvorbereitet zum Richter? Also im Dauerlauf auf die Zelle, einmal mit dem Kamm durch die Haare, Nachweis über festen Wohnsitz und Auftragsnachweis ( hatte ich mir vorsorglich im Vorfeld der Anhörung schicken lassen), noch schnell zwei Züge von einer Zigarette und schon stand ich pünktlich, fünf Minuten später, vor dem Anhörungszimmer.
Durch eine Glasscheibe in der Tür konnte ich sehen, dass das Zimmer leer war, der Richter war also noch nicht da. Kurz nach mir kamen dann noch 8 Frauen die auch zur Anhörung mussten.
Wir alle waren für 8:45 Uhr bestellt. Die Zeit verging, es wurde 9:00, es wurde 9:30 Uhr und noch immer kein Richter in Sicht. In der Wartezeit machten Horrorgeschichten über den Richter die Runde.
Ich habe vor lauter Nervosität angefangen die Fensterbretter zu putzen und in den Zwischentüren die Scheiben zu polieren. Na meine Kollegin, die diese Aufgaben eigentlich später hätte erledigen müssen hat sich darüber gefreut. Ich musste aber irgendetwas tun sonst wäre ich durchgedreht.
Um 9:45 Uhr kam dann auch endlich der Richter. Irgendwie sah er gar nicht aus wie so ein Hardliner. Er lächelte uns freundlich an und bat uns noch ein paar Minuten zu warten.
Dann war es soweit ich betrat den Raum und nahm auf einen Holzstuhl gegenüber dem Richter Platz. Mir war schlecht, ich hatte ein Rauschen in den Ohren und mein Herz schlug so laut, dass ich meinte jeder müsste es hören.
Ich war sicher, dass ich kein Wort sagen könnte.
Der Richter sortierte seine Unterlagen, fragte nach meinem Namen, den ich irgendwie herauskrächzte und blätterte dann in meiner Akte.
Und dann lächelte er und fragte mich, ob ich denken würde er würde mir die Halbstrafe geben. Ich weiss nicht ob es dieses Lächeln war oder der Blick zur Protokollführerin, die mich richtig freundlich ansah.
Auf jeden Fall war plötzlich meine Stimme wieder da. Ich sagte ihm dann, dass ich nicht damit rechne, weil ich gehört hatte in Bayern müssten Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen um überhaupt eine Chance zu haben.
Er lachte und erklärte mir dann, dass bei Strafen unter zwei Jahren, bei günstiger Sozialprognose und Befürwortung des Antrags durch JVA und Staatsanwaltschaft, durchaus auch in Bayern die Halbstrafe genehmigt würde.
Er hat mir dann die Stellungnahme der JVA (sogar noch besser als von mir erwartet) und der Staatsanwaltschaft (waren nicht dagegen) vorgelesen.
Ich habe dann darauf gewartet, dass er von mir wissen wollte was ich nach einer eventuellen Entlassung vorhätte. Wollte ihm schon die Unterlagen geben, mit denen ich beweisen konnte für meine Zukunft vorgesorgt zu haben.
Und dann hörte ich den Satz: Na dann gehen sie mal davon aus am 8. Oktober nach Hause zu gehen.
Was? Einfach so? Ohne irgendwelche Beweise, dass ich irgendwo wohne?
Ich habe dann noch ein Protokoll unterschrieben, aber was darin stand weiss ich nicht.
Irgendwann stand ich auf dem Gang. Meine Kollegin kam mir entgegen und fragte wie es gelaufen sei.
Ich bin an ihr vorbei in unseren Aufenthaltraum, irgendwie ferngesteuert, sie hinter mir her und dann hab ich geheult. Das erste Mal in all der Zeit im Gefängnis.
Ich konnte nicht aufhören zu zittern und zu weinen, hab dann wohl irgendwie rausgestammelt, dass ich im Oktober nach Hause darf.
Irgendwann müssen dann wohl meine anderen Kolleginnen und meine Beamtin dazu gekommen sein, denn als mir bewusst wurde was geschehen war, waren alle da und gratulierten mir.
So da ich morgen leider keine Zeit haben werde, geht es erst am Montag weiter.
Das wird dann voraussichtlich auch der letzte Teil des Erfahrungsberichts aus dem Gefängnis werden.
Ich schreibe aber trotzdem hier weiter und erzähle wie es dann nach der Entlassung weiter ging.
Eigentlich wäre das Warten und Hoffen vielleicht gar nicht so schlimm gewesen, weil ich mir ja von Anfang an gesagt habe, dass es sowieso nicht funktionieren würde.
Vielleicht habe ich auch einen Fehler gemacht, indem ich anderen Insassinnen von dem Antrag erzählt habe. Jeder gab nun seine Kommentare dazu ab und wollte mich aufmuntern oder trösten.
Gerade einige die schon desöfteren Gast in der Anstalt waren, waren der Meinung, dass es nicht wahrscheinlich wäre bereits zur Halbstrafe entlassen zu werden.
Auch wenn ich einen festen Wohnsitz nachweisen könnte und sogar wenn ich eine Arbeitsstelle in Aussicht hätte, wäre doch der für mich zuständige Richter so ein harter Brocken. Der gibt die Halbstrafe sowieso nie!
Auf der anderen Seite waren wieder Andere der Meinung, dass ich ja das erste Mal in Haft wäre und meine Sozialprognose nicht besser sein könnte. Auch wenn der Richter dort mir die Entlassung verweigern sollte, dann würde es auf jeden Fall mit einem Widerspruch klappen.
Und ich stand genau in der Mitte. Wollte nicht hoffen und tat es doch. Ich war nervlich irgendwann ziemlich am Ende und habe einfach alle darum gebeten das Thema nicht mehr anzusprechen.
Aber die Reaktion einer Kammerbeamtin bei meinem zweiten Ausgang zwang mich doch wieder mich mit dem Thema zu beschäftigen.
Was war geschehen? Als ich mich in der Kammer zu meinem Ausgang umgezogen hatte, gab sie mir fast meine gesamte Habe mit den Worten: Sie verlassen uns ja sowieso bald, da können sie ihre Sachen auch heute schon mitnehmen. Das hat mich doch so sehr erstaunt, dass ich noch einmal gefragt habe wie sie das meinen würde. Ob sie mehr wüsste wie ich, meiner Meinung nach verlasse ich sie doch erst im Frühjahr.
Sie hat sich dann herausgeredet, dass sie da wohl etwas falsch verstanden hätte aber ich die Sachen trotzdem mitnehmen solle.
Den ganzen Tag über ging mir diese Begebenheit nicht aus dem Kopf und ich habe am nächsten Tag einer Mitgefangenen davon erzählt.
Diese war schon das zweite Mal dort und hat mir den Tipp gegeben beim nächsten Ausgang einfach einmal 10 Stunden Ausgang zu beantragen. Ihrer Erfahrung nach wisse die Anstalt schon vor der Anhörung ob jemand gehen könne und würde dann die 10 Stunden genehmigen.
Ein angeblich todsicherer Indikator! Na ja ich kann es mir zwar immer noch nicht vorstellen, denn woher soll die Anstalt wissen wie der Richter entscheidet.
Aber ich habe es dann doch versucht und was soll ich sagen, die 10 Stunden Ausgang für September wurden genehmigt.
Schon wieder fing ich an zu hoffen, obwohl ich das doch nicht wollte.
Nachdem mir bei der Antragstellung gesagt wurde, dass ich etwa 4 bis 5 Wochen nach der Antragstellung einen Termin zur Anhörung bekommen würde und diese 5 Wochen Mitte August verstrichen waren ohne das ich einen Termin hatte, wurde ich noch nervöser.
Der für mich zuständige Richter war in der Regel immer mittwochs in der Anstalt. Jeden Dienstag habe ich gehofft und gefürchtet ins Büro gerufen zu werden, um zu hören ich hätte am nächsten Tag die Anhörung.
Aber es vergingen mehrere Wochen und nichts geschah. Auch am Dienstag den 06. September geschah nichts und ich ging dann am Mittwoch früh normal zur Arbeit.
Nachdem wir wieder unsere alltäglichen Aufgaben erledigt hatten wollten wir um 8:40 Uhr in unserer Frühstückspause gehen. Ich freute mich schon richtig auf eine Tasse Kaffee und eine Zigarette.
Als wir uns bei unserer Arbeitsbeamtin abmelden wollten sagte sie zu mir, dass ich in fünf Minuten (also um 8:45 Uhr) zur Anhörung müsste.
Na toll so wie ich aussah und völlig unvorbereitet zum Richter? Also im Dauerlauf auf die Zelle, einmal mit dem Kamm durch die Haare, Nachweis über festen Wohnsitz und Auftragsnachweis ( hatte ich mir vorsorglich im Vorfeld der Anhörung schicken lassen), noch schnell zwei Züge von einer Zigarette und schon stand ich pünktlich, fünf Minuten später, vor dem Anhörungszimmer.
Durch eine Glasscheibe in der Tür konnte ich sehen, dass das Zimmer leer war, der Richter war also noch nicht da. Kurz nach mir kamen dann noch 8 Frauen die auch zur Anhörung mussten.
Wir alle waren für 8:45 Uhr bestellt. Die Zeit verging, es wurde 9:00, es wurde 9:30 Uhr und noch immer kein Richter in Sicht. In der Wartezeit machten Horrorgeschichten über den Richter die Runde.
Ich habe vor lauter Nervosität angefangen die Fensterbretter zu putzen und in den Zwischentüren die Scheiben zu polieren. Na meine Kollegin, die diese Aufgaben eigentlich später hätte erledigen müssen hat sich darüber gefreut. Ich musste aber irgendetwas tun sonst wäre ich durchgedreht.
Um 9:45 Uhr kam dann auch endlich der Richter. Irgendwie sah er gar nicht aus wie so ein Hardliner. Er lächelte uns freundlich an und bat uns noch ein paar Minuten zu warten.
Dann war es soweit ich betrat den Raum und nahm auf einen Holzstuhl gegenüber dem Richter Platz. Mir war schlecht, ich hatte ein Rauschen in den Ohren und mein Herz schlug so laut, dass ich meinte jeder müsste es hören.
Ich war sicher, dass ich kein Wort sagen könnte.
Der Richter sortierte seine Unterlagen, fragte nach meinem Namen, den ich irgendwie herauskrächzte und blätterte dann in meiner Akte.
Und dann lächelte er und fragte mich, ob ich denken würde er würde mir die Halbstrafe geben. Ich weiss nicht ob es dieses Lächeln war oder der Blick zur Protokollführerin, die mich richtig freundlich ansah.
Auf jeden Fall war plötzlich meine Stimme wieder da. Ich sagte ihm dann, dass ich nicht damit rechne, weil ich gehört hatte in Bayern müssten Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen um überhaupt eine Chance zu haben.
Er lachte und erklärte mir dann, dass bei Strafen unter zwei Jahren, bei günstiger Sozialprognose und Befürwortung des Antrags durch JVA und Staatsanwaltschaft, durchaus auch in Bayern die Halbstrafe genehmigt würde.
Er hat mir dann die Stellungnahme der JVA (sogar noch besser als von mir erwartet) und der Staatsanwaltschaft (waren nicht dagegen) vorgelesen.
Ich habe dann darauf gewartet, dass er von mir wissen wollte was ich nach einer eventuellen Entlassung vorhätte. Wollte ihm schon die Unterlagen geben, mit denen ich beweisen konnte für meine Zukunft vorgesorgt zu haben.
Und dann hörte ich den Satz: Na dann gehen sie mal davon aus am 8. Oktober nach Hause zu gehen.
Was? Einfach so? Ohne irgendwelche Beweise, dass ich irgendwo wohne?
Ich habe dann noch ein Protokoll unterschrieben, aber was darin stand weiss ich nicht.
Irgendwann stand ich auf dem Gang. Meine Kollegin kam mir entgegen und fragte wie es gelaufen sei.
Ich bin an ihr vorbei in unseren Aufenthaltraum, irgendwie ferngesteuert, sie hinter mir her und dann hab ich geheult. Das erste Mal in all der Zeit im Gefängnis.
Ich konnte nicht aufhören zu zittern und zu weinen, hab dann wohl irgendwie rausgestammelt, dass ich im Oktober nach Hause darf.
Irgendwann müssen dann wohl meine anderen Kolleginnen und meine Beamtin dazu gekommen sein, denn als mir bewusst wurde was geschehen war, waren alle da und gratulierten mir.
So da ich morgen leider keine Zeit haben werde, geht es erst am Montag weiter.
Das wird dann voraussichtlich auch der letzte Teil des Erfahrungsberichts aus dem Gefängnis werden.
Ich schreibe aber trotzdem hier weiter und erzähle wie es dann nach der Entlassung weiter ging.
Date: Thursday, 01 Dec 2005 16:41
Hallo Leute,
zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich erst heute weiter schreibe.
Ich hatte zwar gedacht wieder gesund zu sein aber leider war das ein Irrtum. Ich war jetzt einige Tage mit einer bösen Bronchitis im Krankenhaus und musste anschliessend noch einige private Dinge regeln.
Nun geht es aber wieder recht gut und ich kann endlich weiter schreiben.
Zuerst einmal möchte ich zu den Kommentaren kommen. der Einfachheit halber mache ich das hier, weil ich nicht weiss ob der eine oder andere noch einmal auf seine abgegebenen Kommentare schaut.
@Michele
ja die Stimmung im Besucherraum ist schon bedrückend und ich kann mir sehr gur vorstellen, dass es für dich als Besucher noch schlimmer war als für den Insassen. Vor allem der erste Warteraum ist, in seiner Enge und Ungemütlichkeit, schon eine Zumutung für die Besucher. Und auch das Verschliessen der Türen und die gesamte Atmosphäre dort sind für Besucher vieleicht noch schwerer zu ertragen, da sie ja in der Regel nichts verbrochen haben.
@pepsidose
ich war 6 Monate in Haft
@berni
Sex findet in der Regel nicht statt. Sicher gab es vereinzelt lesbische Paare aber die meisten verzichten darauf. Die gesamte Situation dort trägt auch nicht dazu bei, dass man unbedingt an Sex denkt. Da sind soviele andere Dinge im Kopf, soviele andere Probleme zu lösen. Natürlich fehlt etwas, aber was ich noch mehr als das vermisst habe war Zärtlichkeit, mich einmal anlehnen zu können, Nähe zu spüren.
@mandy
Wenn du mehr Informationen brauchst wende dich bitte per email (stefani-at@lycos.de) oder im Yahoomessenger (stefani_at@yahoo.de) oder per msn (stefani-at@hotmail.de) an mich. Ich werde dir, wenn ich es kann, jede deiner Fragen gern beantworten.
@sandra
Na das sind ja Neuigkeiten - Lebensmittelvergiftung. So langsam frage ich mich was wir überhaupt noch essen können. ich bin nur froh, dass dein freund es überstanden hat.
So nun aber weiter zu meinen Erlebnissen:
So verging die Zeit. Ich hatte jetzt ja etwas worauf ich mich freuen konnte.
Auch wenn es nur wenige Sunden Urlaub vom Haftleben waren, so waren sie doch ein Geschenk für das ich unendlich dankbar war.
Auch meinen Geburtstag musste ich so nicht dort verleben und davor hatte ich ehrlich gesagt schon Angst.
Ausserdem hatte ich nun auch die Hoffnung Weihnachten und Silvester in Freiheit verbringen zu dürfen. Denn wenn man erst einmal Ausgang hatte dann gab es in der Regel nach drei Monaten das erste Mal Urlaub.
Da ich zum damaligen Zeitpunkt davon ausgehen musste noch bis zum Frühjahr 2006 in Haft zu sein, war das ein weiterer Lichtblick in meinem Alltag.
Auch auf der Station ging alles seinen gewohnten Gang. Ich hatte jetzt beim Einkauf durch meine Arbeitstätigkeit mehr Geld zu Verfügung und konnte es mir sogar leisten ab und zu einen Kuchen oder ein Brot zu backen.
Auch wenn es beim Einkauf keine Hefe gab, denn mit dieser könnte man ja Alkohol herstellen, schmeckten das Brot oder die Brötchen richtig gut und waren eine Abwechslung auf dem Speiseplan.
Irgendwie hatte ich mich bei meinen Mitinsassinnen wohl, durch meine neutrale Art, beliebt gemacht und es kamen eigentlich jeden Tag Leute zum Reden zu mir.
Manchmal, vor allem nach anstrengenden Arbeitstagen, war mir das schon etwas zuviel. Ich habe mich sogar einige Male, bereits nach der Abendessensausgabe, in meiner Zelle eingeschlossen, weil ich einfach niemanden mehr sehen wollte.
Ende Juli wurde ich dann von einer Mitarbeiterin der Verwaltung aufgefordert einen Antrag auf vorzeitige Entlassung, nach Verbüssung der Hälfte meiner Haftzeit, zu stellen.
Ich wusste zwar, dass es diese Möglichkeit gibt aber machte mir nicht viele Hoffnungen.
Ich hatte von Mitgefangenen gehört, dass man die Halbstrafe, zumindest in Bayern, nur in ganz besonderen Ausnahmefällen bekommt.
Auch mein Anwalt, der mich immer wenn er in der Anstalt zu tun hatte, zu einem kurzen Gespräch holen liess machte mir da nicht viel Hoffnung. Ich habe den Antrag aber dann trotzdem gestellt.
Nun hiess es warten bis irgendwann eine Anhörung beim zuständigen Richter erfolgen würde. Vorher musste sowohl die Haftanstalt als auch die Staatsanwaltschaft zu meinem Antrag Stellung nehmen. Ich wusste zwar, dass meine Führung in der JVA ohne Beanstandung war aber ob das ausreichen würde war mir nicht bekannt.
Auch meine Arbeitsbeamtin war skeptisch. Sie sagte mir, dass sie davon ausgeht, dass der Antrag zur Halbstrafe abgelehnt wird ich aber nach 2/3 der Haftzeit (Ende Dezember) entlassen würde.
Ich habe dann natürlich auch über diese Option nachgedacht, aber für mich selbst entschieden, dass ich dann lieber meine Strafe bis zum letzten Tag absitze.
Nun fragt sich sicher jeder, warum ich das tun wollte wenn ich doch früher nach Hause könnte.
Zum einen wollte ich mir das Warten und die Ungewissheit kein zweites Mal antun, denn wenn man den Antrag erst einmal gestellt hat dann beginnt im Unterbewusstsein ein Kampf zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Einerseits will man nicht hoffen tut es aber dann doch, andererseits fragt man sich warum man selbst gerade Glück haben sollte früher nach Hause zu dürfen und andere nicht.
Zum anderen bedeutet eine vorzeitige Entlassung ja auch, dass der Strafrest nur zur Bewährung ausgesetzt wird. In der Regel betrug die Bewährungszeit, zumindest in den mir bekannten Fällen, drei Jahre.
Auch wenn ich mir fest vorgenommen hatte nie wieder straffällig zu werden, so wusste ich doch wie schnell man, auch ohne eigenes Verschulden, wieder in eine Situation kommen kann, in der die Bewährung widerrufen wird.
Und jetzt wo ich arbeiten konnte, die Tage schnell vorbei waren und ich mich an das Leben dort gewöhnt hatte erschien es mir dann sinnvoller auch noch die letzten Monate dort zu verbringen und ohne Altlasten ein neues Leben beginnen zu können.
zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich erst heute weiter schreibe.
Ich hatte zwar gedacht wieder gesund zu sein aber leider war das ein Irrtum. Ich war jetzt einige Tage mit einer bösen Bronchitis im Krankenhaus und musste anschliessend noch einige private Dinge regeln.
Nun geht es aber wieder recht gut und ich kann endlich weiter schreiben.
Zuerst einmal möchte ich zu den Kommentaren kommen. der Einfachheit halber mache ich das hier, weil ich nicht weiss ob der eine oder andere noch einmal auf seine abgegebenen Kommentare schaut.
@Michele
ja die Stimmung im Besucherraum ist schon bedrückend und ich kann mir sehr gur vorstellen, dass es für dich als Besucher noch schlimmer war als für den Insassen. Vor allem der erste Warteraum ist, in seiner Enge und Ungemütlichkeit, schon eine Zumutung für die Besucher. Und auch das Verschliessen der Türen und die gesamte Atmosphäre dort sind für Besucher vieleicht noch schwerer zu ertragen, da sie ja in der Regel nichts verbrochen haben.
@pepsidose
ich war 6 Monate in Haft
@berni
Sex findet in der Regel nicht statt. Sicher gab es vereinzelt lesbische Paare aber die meisten verzichten darauf. Die gesamte Situation dort trägt auch nicht dazu bei, dass man unbedingt an Sex denkt. Da sind soviele andere Dinge im Kopf, soviele andere Probleme zu lösen. Natürlich fehlt etwas, aber was ich noch mehr als das vermisst habe war Zärtlichkeit, mich einmal anlehnen zu können, Nähe zu spüren.
@mandy
Wenn du mehr Informationen brauchst wende dich bitte per email (stefani-at@lycos.de) oder im Yahoomessenger (stefani_at@yahoo.de) oder per msn (stefani-at@hotmail.de) an mich. Ich werde dir, wenn ich es kann, jede deiner Fragen gern beantworten.
@sandra
Na das sind ja Neuigkeiten - Lebensmittelvergiftung. So langsam frage ich mich was wir überhaupt noch essen können. ich bin nur froh, dass dein freund es überstanden hat.
So nun aber weiter zu meinen Erlebnissen:
So verging die Zeit. Ich hatte jetzt ja etwas worauf ich mich freuen konnte.
Auch wenn es nur wenige Sunden Urlaub vom Haftleben waren, so waren sie doch ein Geschenk für das ich unendlich dankbar war.
Auch meinen Geburtstag musste ich so nicht dort verleben und davor hatte ich ehrlich gesagt schon Angst.
Ausserdem hatte ich nun auch die Hoffnung Weihnachten und Silvester in Freiheit verbringen zu dürfen. Denn wenn man erst einmal Ausgang hatte dann gab es in der Regel nach drei Monaten das erste Mal Urlaub.
Da ich zum damaligen Zeitpunkt davon ausgehen musste noch bis zum Frühjahr 2006 in Haft zu sein, war das ein weiterer Lichtblick in meinem Alltag.
Auch auf der Station ging alles seinen gewohnten Gang. Ich hatte jetzt beim Einkauf durch meine Arbeitstätigkeit mehr Geld zu Verfügung und konnte es mir sogar leisten ab und zu einen Kuchen oder ein Brot zu backen.
Auch wenn es beim Einkauf keine Hefe gab, denn mit dieser könnte man ja Alkohol herstellen, schmeckten das Brot oder die Brötchen richtig gut und waren eine Abwechslung auf dem Speiseplan.
Irgendwie hatte ich mich bei meinen Mitinsassinnen wohl, durch meine neutrale Art, beliebt gemacht und es kamen eigentlich jeden Tag Leute zum Reden zu mir.
Manchmal, vor allem nach anstrengenden Arbeitstagen, war mir das schon etwas zuviel. Ich habe mich sogar einige Male, bereits nach der Abendessensausgabe, in meiner Zelle eingeschlossen, weil ich einfach niemanden mehr sehen wollte.
Ende Juli wurde ich dann von einer Mitarbeiterin der Verwaltung aufgefordert einen Antrag auf vorzeitige Entlassung, nach Verbüssung der Hälfte meiner Haftzeit, zu stellen.
Ich wusste zwar, dass es diese Möglichkeit gibt aber machte mir nicht viele Hoffnungen.
Ich hatte von Mitgefangenen gehört, dass man die Halbstrafe, zumindest in Bayern, nur in ganz besonderen Ausnahmefällen bekommt.
Auch mein Anwalt, der mich immer wenn er in der Anstalt zu tun hatte, zu einem kurzen Gespräch holen liess machte mir da nicht viel Hoffnung. Ich habe den Antrag aber dann trotzdem gestellt.
Nun hiess es warten bis irgendwann eine Anhörung beim zuständigen Richter erfolgen würde. Vorher musste sowohl die Haftanstalt als auch die Staatsanwaltschaft zu meinem Antrag Stellung nehmen. Ich wusste zwar, dass meine Führung in der JVA ohne Beanstandung war aber ob das ausreichen würde war mir nicht bekannt.
Auch meine Arbeitsbeamtin war skeptisch. Sie sagte mir, dass sie davon ausgeht, dass der Antrag zur Halbstrafe abgelehnt wird ich aber nach 2/3 der Haftzeit (Ende Dezember) entlassen würde.
Ich habe dann natürlich auch über diese Option nachgedacht, aber für mich selbst entschieden, dass ich dann lieber meine Strafe bis zum letzten Tag absitze.
Nun fragt sich sicher jeder, warum ich das tun wollte wenn ich doch früher nach Hause könnte.
Zum einen wollte ich mir das Warten und die Ungewissheit kein zweites Mal antun, denn wenn man den Antrag erst einmal gestellt hat dann beginnt im Unterbewusstsein ein Kampf zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Einerseits will man nicht hoffen tut es aber dann doch, andererseits fragt man sich warum man selbst gerade Glück haben sollte früher nach Hause zu dürfen und andere nicht.
Zum anderen bedeutet eine vorzeitige Entlassung ja auch, dass der Strafrest nur zur Bewährung ausgesetzt wird. In der Regel betrug die Bewährungszeit, zumindest in den mir bekannten Fällen, drei Jahre.
Auch wenn ich mir fest vorgenommen hatte nie wieder straffällig zu werden, so wusste ich doch wie schnell man, auch ohne eigenes Verschulden, wieder in eine Situation kommen kann, in der die Bewährung widerrufen wird.
Und jetzt wo ich arbeiten konnte, die Tage schnell vorbei waren und ich mich an das Leben dort gewöhnt hatte erschien es mir dann sinnvoller auch noch die letzten Monate dort zu verbringen und ohne Altlasten ein neues Leben beginnen zu können.
Date: Monday, 21 Nov 2005 14:52
Hallo Leute,
zuerst einmal Entschuldigung dafür, dass es erst heute weiter geht.
Ich habe es am Wochenende einfach nicht geschafft, da mich meine Grippe wohl doch etwas stärker erwischt hatte als zuerst angenommen.
Aber heute geht es wieder und ich kann endlich weiter berichten.
Auch auf der Station ging das Leben weiter.
Der einzige Unterschied zum meiner untätigen Zeit war, dass ich nun Montags bis Freitags von 6:45 bis 15:15 Uhr in der Arbeit war und abends durch meine Tätigkeit bereits um 21:00 Uhr so müde war, dass ich die Geräuschkulisse nicht mehr wahrgenommen habe.
Um in der Früh bereits vor dem offiziellen Weckruf wach zu sein gab es nur die Möglichkeit das Fernsehgerät abends bis zur Stromsperre anzulassen, denn dann schaltete es sich morgens um 4:15 Uhr von selbst wieder ein und übernahm so die Funktion eines Weckers.
Nun fragt sich sicher mancher warum ich mir nicht einfach einen Wecker gestellt habe. Die Antwort ist eigentlich völlig simpel, einen Wecker durften nur die Beschäftigten von Küche und Bäckerei kaufen. Warum das für jeden anderen Gefangenen nicht möglich war konnte mir nie jemand erklären.
Also bedeutete das entweder erst zum Weckruf aufzustehen und keinen Kaffee zu trinken, oder bereits um 4:15 Uhr aufzustehen aber dafür die Zeit zu haben in Ruhe zu frühstücken.
Irgendwann Ende Juni hörte ich dann von Mitgefangenen, dass man nach Verbüssung von drei Monaten seiner Freiheitsstrafe einen Antrag auf Ausgang stellen kann.
Der Ausgang soll der Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte in der Freiheit dienen.
Dazu können Gefangene, die noch höchstens 18 Monate bis zu ihrer möglichen Entlassung (in der Regel 2/3 der Gesamtstrafe) abzusitzen haben, einmal im Monat für 8 Stunden ( in den letzten drei Monaten vor der Entlassung sogar für 10 Stunden) die Anstalt in Begleitung einer Bezugsperson verlassen. Natürlich gibt es dabei strenge Auflagen, wie z.b. absolutes Alkohol- und Rauschmittelverbot, pünktliches Wiedererscheinen, Abholung und Zurückbringen durch eine Person die mindestens dreimal zu Besuch in der JVA war.
Der Antrag muss spätestens vier Wochen vor dem gewünschten Termin an den Vollzug gestellt werden.
Nachdem, laut Gerüchteküche unter den Gefangenen, der erste Antrag in der Regel abgelehnt oder nur für vier Stunden genehmigt wird und ich meinen Geburtstag (Ende August) nicht in der JVA feiern wollte, habe ich dann für den 30. Juli meinen ersten Ausgang beantragt.
In der Regel erfährt der gefangene dann zwei Wochen vor dem Termin ob der Ausgang genehmigt wurde. Bei mir war das nicht so, denn meine Unterlagen von der Staatsanwaltschaft lagen in der JVA nicht vor, und ich wusste bis zum 27. Juli nicht ob ich nun den Ausgang bekomme.
Am 27. Juli kam ich dann von der Arbeit und wurde ins Abteilungsbüro bestellt. Von dort wurde ich dann in die Kammer geschickt um zu probieren ob meine Kleidung überhaupt noch passt da ich ja am 30. Juli Ausgang habe. Wie gross meine Freude und Überraschung war kann sich sicher jeder vorstellen, denn entgegen der Gerüchteküche war mir der erste Ausgang gleich für 8 Stunden genehmigt worden.
Da war es für mich schon beinahe nebensächlich, dass ich erst offiziell am Freitag erfahren habe, dass ich am nächsten Tag von 9:00 bis 17:00 Uhr die Anstalt verlassen darf. Auch meinen Abholer konnte ich, dank der Hilfe meiner Arbeitsbeamtin noch rechtzeitig informieren.
Auch die Prozedur beim Umkleiden, am Ausgangstag, in der Kammer war zwar unangenehm aber die Vorfreude auf den Ausgang hat die Qualen erträglich gemacht.
Natürlich ist es nicht angenehm sich wieder splitternackt ausziehen zu müssen, vor einer Beamtin zu hocken und die Beine spreizen zu müssen, Tampons zu entfernen und die Hand- und Fusssohlen zu zeigen. Vor allem wenn man den Sinn dieser Prozedur nicht versteht. Ich kann ja nachvollziehen, dass so eine Kontrolle bei der Rückkehr durchaus sinnvoll ist, denn da könnte man sicher verbotene Dinge mit hineinschmuggeln. Aber was sollte man aus der JVA heraus schmuggeln?
Aber wie gesagt, die Vorfreude auf den Ausgang hat die ganze Prozedur erträglich gemacht.
Um kurz vor 9:00 Uhr durfte ich dann die Anstalt verlassen. Ich hatte vorher eigentlich überhaupt keine Pläne gemacht, was ich alles an dem einen Tag machen wollte.
Wir sind dann erst einmal nach Hause gefahren und ich habe ausgiebig geduscht, frische Kleidung angezogen (ich hatte irgendwie das Gefühl, dass meine Kleidung die in der JVA war eigenartig gerochen hat aber das war mit Sicherheit nur Einbildung ). Wir haben dann die Stunden einfach nur genossen und sind dann bereits recht früh wieder in Richtung Augsburg gefahren weil mir die Angst im Nacken saß zu spät zurück zu kommen.
Um 17:00 Uhr bin ich dann zurück in die JVA und auch wenn der Abschied schwer viel, waren es doch Stunden der Nähe und Freiheit gewesen. Ich habe an diesen Ausgangstagen soviel Kraft tanken können um alles ein wenig besser zu ertragen.
Bei der Rückkehr erwartete mich dann noch einmal die gleiche Kammerprozedur wie am Morgen und dann durfte ich wieder auf meine Zelle.
zuerst einmal Entschuldigung dafür, dass es erst heute weiter geht.
Ich habe es am Wochenende einfach nicht geschafft, da mich meine Grippe wohl doch etwas stärker erwischt hatte als zuerst angenommen.
Aber heute geht es wieder und ich kann endlich weiter berichten.
Auch auf der Station ging das Leben weiter.
Der einzige Unterschied zum meiner untätigen Zeit war, dass ich nun Montags bis Freitags von 6:45 bis 15:15 Uhr in der Arbeit war und abends durch meine Tätigkeit bereits um 21:00 Uhr so müde war, dass ich die Geräuschkulisse nicht mehr wahrgenommen habe.
Um in der Früh bereits vor dem offiziellen Weckruf wach zu sein gab es nur die Möglichkeit das Fernsehgerät abends bis zur Stromsperre anzulassen, denn dann schaltete es sich morgens um 4:15 Uhr von selbst wieder ein und übernahm so die Funktion eines Weckers.
Nun fragt sich sicher mancher warum ich mir nicht einfach einen Wecker gestellt habe. Die Antwort ist eigentlich völlig simpel, einen Wecker durften nur die Beschäftigten von Küche und Bäckerei kaufen. Warum das für jeden anderen Gefangenen nicht möglich war konnte mir nie jemand erklären.
Also bedeutete das entweder erst zum Weckruf aufzustehen und keinen Kaffee zu trinken, oder bereits um 4:15 Uhr aufzustehen aber dafür die Zeit zu haben in Ruhe zu frühstücken.
Irgendwann Ende Juni hörte ich dann von Mitgefangenen, dass man nach Verbüssung von drei Monaten seiner Freiheitsstrafe einen Antrag auf Ausgang stellen kann.
Der Ausgang soll der Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte in der Freiheit dienen.
Dazu können Gefangene, die noch höchstens 18 Monate bis zu ihrer möglichen Entlassung (in der Regel 2/3 der Gesamtstrafe) abzusitzen haben, einmal im Monat für 8 Stunden ( in den letzten drei Monaten vor der Entlassung sogar für 10 Stunden) die Anstalt in Begleitung einer Bezugsperson verlassen. Natürlich gibt es dabei strenge Auflagen, wie z.b. absolutes Alkohol- und Rauschmittelverbot, pünktliches Wiedererscheinen, Abholung und Zurückbringen durch eine Person die mindestens dreimal zu Besuch in der JVA war.
Der Antrag muss spätestens vier Wochen vor dem gewünschten Termin an den Vollzug gestellt werden.
Nachdem, laut Gerüchteküche unter den Gefangenen, der erste Antrag in der Regel abgelehnt oder nur für vier Stunden genehmigt wird und ich meinen Geburtstag (Ende August) nicht in der JVA feiern wollte, habe ich dann für den 30. Juli meinen ersten Ausgang beantragt.
In der Regel erfährt der gefangene dann zwei Wochen vor dem Termin ob der Ausgang genehmigt wurde. Bei mir war das nicht so, denn meine Unterlagen von der Staatsanwaltschaft lagen in der JVA nicht vor, und ich wusste bis zum 27. Juli nicht ob ich nun den Ausgang bekomme.
Am 27. Juli kam ich dann von der Arbeit und wurde ins Abteilungsbüro bestellt. Von dort wurde ich dann in die Kammer geschickt um zu probieren ob meine Kleidung überhaupt noch passt da ich ja am 30. Juli Ausgang habe. Wie gross meine Freude und Überraschung war kann sich sicher jeder vorstellen, denn entgegen der Gerüchteküche war mir der erste Ausgang gleich für 8 Stunden genehmigt worden.
Da war es für mich schon beinahe nebensächlich, dass ich erst offiziell am Freitag erfahren habe, dass ich am nächsten Tag von 9:00 bis 17:00 Uhr die Anstalt verlassen darf. Auch meinen Abholer konnte ich, dank der Hilfe meiner Arbeitsbeamtin noch rechtzeitig informieren.
Auch die Prozedur beim Umkleiden, am Ausgangstag, in der Kammer war zwar unangenehm aber die Vorfreude auf den Ausgang hat die Qualen erträglich gemacht.
Natürlich ist es nicht angenehm sich wieder splitternackt ausziehen zu müssen, vor einer Beamtin zu hocken und die Beine spreizen zu müssen, Tampons zu entfernen und die Hand- und Fusssohlen zu zeigen. Vor allem wenn man den Sinn dieser Prozedur nicht versteht. Ich kann ja nachvollziehen, dass so eine Kontrolle bei der Rückkehr durchaus sinnvoll ist, denn da könnte man sicher verbotene Dinge mit hineinschmuggeln. Aber was sollte man aus der JVA heraus schmuggeln?
Aber wie gesagt, die Vorfreude auf den Ausgang hat die ganze Prozedur erträglich gemacht.
Um kurz vor 9:00 Uhr durfte ich dann die Anstalt verlassen. Ich hatte vorher eigentlich überhaupt keine Pläne gemacht, was ich alles an dem einen Tag machen wollte.
Wir sind dann erst einmal nach Hause gefahren und ich habe ausgiebig geduscht, frische Kleidung angezogen (ich hatte irgendwie das Gefühl, dass meine Kleidung die in der JVA war eigenartig gerochen hat aber das war mit Sicherheit nur Einbildung ). Wir haben dann die Stunden einfach nur genossen und sind dann bereits recht früh wieder in Richtung Augsburg gefahren weil mir die Angst im Nacken saß zu spät zurück zu kommen.
Um 17:00 Uhr bin ich dann zurück in die JVA und auch wenn der Abschied schwer viel, waren es doch Stunden der Nähe und Freiheit gewesen. Ich habe an diesen Ausgangstagen soviel Kraft tanken können um alles ein wenig besser zu ertragen.
Bei der Rückkehr erwartete mich dann noch einmal die gleiche Kammerprozedur wie am Morgen und dann durfte ich wieder auf meine Zelle.
Date: Thursday, 17 Nov 2005 21:22
Hallo Leute,
zuerst einmal entschuldige ich mich, dass ich gestern nichts geschrieben habe.
Leider hat mich eine blöde Grippe erwischt und so habe ich gestern einfach einmal das Bett gehütet.
Aber ab heute geht es wieder weiter mit meinen Erlebnissen:
Das Beste an der Tätigkeit als Hausarbeiterin waren jedoch die lieben Kolleginnen.
Es mag sich zwar etwas verrückt anhören, aber bei der Arbeit habe ich manchmal ganz vergessen, dass ich im Gefängnis war.
Natürlich gab es dabei einige Einschränkungen und nicht jeder Tag war gleich, aber wir hatten eigentlich immer etwas zu lachen.
Insbesondere unsere Beamtin hat schon dafür gesorgt, dass wir das konnten.
So gehörte es z.b. zu unseren Aufgaben in regelmässigen Abständen das Feuerwehrgerätehaus der freiwilligen Betriebsfeuerwehr zu putzen.
Das Feuerwehrauto ist ein echter Klassiker aus den 60er Jahren und muss natürlich, aufgrund seines Alters, regelmässig bewegt werden.
Also hat sich unsere Beamtin den Schlüssel geholt und, während wir geputzt haben, diese Bewegungsfahrten auf dem Gelände unternommen. Dabei hatte sie soviel Spass, dass auch noch Blaulicht und Sirene eingeschaltet wurden und sie wie Grisu der kleine Drache durchs Gelände gebraust ist.
Wir haben Tränen gelacht, als jeder Mitarbeiter in der Nähe erst einmal gucken musste wo es denn nun brennt.
Ein besonderes Steckenpferd von ihr war die Pflege der Höfe und Grünanlagen. Immer wenn wir etwas freie Zeit hatten, haben wir Unkraut gezupft, gepflanzt oder die Pflanzen gepflegt.
Wir haben diese Tätigkeiten immer besonders gern gemacht, weil wir auf der einen Seite dabei das schöne Wetter geniessen konnten und es auf der anderen Seite eine willkommene Abwechslung zu unserer sonstigen Tätigkeit war.
Irgendwann hat sie bei einem unserer Rundgänge ein kleines Eichenbäumchen ( na ja eigentlich nur drei Blätter mit Wurzel) entdeckt, den wir unbedingt in einem der Höfe einpflanzen sollten. Der Platz dafür war allerdings etwas kompliziert (mitten auf dem Rasen) gewählt.
Wenn wir nun in den folgenden Wochen den Rasen gemäht haben, hat sie immer Angst um ihren Baum gehabt.
Irgendwann hat sie dann im Scherz gesagt, wir sollen doch bitte für den Baum einen Zaun stricken. Na nichts leichter als das!
Ein Wochenende später hatte sie einen Zaun aus alten Wollresten und den Ästen eines Reisigbesens für Ihren Baum. Wir haben diesen dann sogar ganz feierlich um das Bäumchen gestellt.
Ich mag gar nicht daran denken, was wohl die anderen Gefangenen beim Hofgang gedacht haben als nun mitten auf dem Rasen drei Blätter Eiche und ein gestrickter Zaun standen.
Aber was soll´s wir hatten unseren Spass und was andere gedacht haben kann uns ja egal sein.
Auch die immer wiederkehrenden Besichtigungsgruppen sorgten für unsere Erheiterung. Uns stand es frei, im Fall einer Führung, weiter zu arbeiten oder uns solange irgendwo zu verkriechen.
Am Anfang haben wir schon versucht nicht unbedingt gesehen zu werden, aber irgendwann war es uns egal und wir haben einfach weiter gearbeitet.
Nun war ich, bei einer dieser Führungen, gerade dabei mit einer Kollegin den Boden unter der Zentrale zu kehren. Über uns hörten wir die Besuchergruppe, die wir aber nicht weiter beachtet haben. Bis wir auf einmal eine völlig ungläubige Stimme einer jungen Frau hörten die sagte: Oh guck mal, die sehen ja wie richtige Menschen aus.
Wir haben uns nur angeschaut und beide gleichzeitig laut losgelacht. Was hatte die denn erwartet? Das wir im Panzerknackeroverall mit Nummern auf der Brust rumlaufen? Oder das wir völlig tätowiert und kahl geschoren daher kommen? Also ich weiss es nicht.
Bei einer anderen Führung war ich gerade dabei die Treppen mit einer Wurzelbürste zu schrubben. Das gehörte einmal in der Woche zu unseren Aufgaben. Als nun die Führung an einer Glastür vorbeikam hinter der ich gerade arbeitete bemerkte mich einer der Besucher. Ich werde diesen Blick nie im Leben vergessen. Ungläubiges Staunen (wohl darüber, dass die Treppen von Hand gescheuert werden) und dann soviel Mitleid. Es war einfach nur komisch, denn Mitleid brauchte ich nun wirklich nicht.
Bestimmt hat er später allen berichtet, dass es im Gefängnis wie bei der Zwangsarbeit vor 100 Jahren zugeht.
Also falls euch irgendwann mal einer so etwas erzählt nicht glauben! Es sah schlimmer aus als es war.
Am liebsten haben wir allerdings die Aussenanlage gepflegt, denn dazu konnten wir unter Aufsicht die JVA verlassen. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Luft gleich anders gerochen hat sobald man vor dem Tor stand.
Das ist natürlich nur Einbildung aber diese Einbildung war sehr real. Es hat nach Freiheit gerochen.
Auf der Strasse fuhren Autos und ganz normale Menschen gingen an uns vorbei. Vor allem war es für mich ein Stück Freiheit, nicht zuletzt durch das Vertrauen was uns dabei entgegengebracht wurde.
Einmal waren wir bei dieser Gelegenheit sogar für einige Minuten völlig ohne Aufsicht, da einer der Besucher vergessen hatte an seinem Auto die Handbremse anzuziehen und sich das Auto nun in Richtung der viel befahrenen Strasse bewegt hatte.
Wir konnten es zum Glück mit vereinten Kräften aufhalten und zurück in die Parklücke schieben. Allerdings sass der Fahrer im Besucherraum.
Unsere Beamtin ist dann zurück in die JVA und hat dem Fahrer Bescheid gegeben. Sicher hat sie damit gegen die Vorschriften verstossen, aber sie konnte sich auch sicher sein, dass wir ihr Vertrauen nicht ausnutzen würden.
Was hätte eine Flucht denn überhaupt für einen Sinn gehabt? Selbst wenn ich dadurch die Freiheit wieder erlangt hätte, wäre es der grösste Fehler gewesen.
Ein Leben auf der Flucht, in der Illegalität und immer die Angst irgendwann einmal gefasst zu werden. Das ist es nicht wert.
Ausserdem war ich ja selbst Schuld daran, überhaupt in Haft gekommen zu sein.
Morgen geht es weiter versprochen:
zuerst einmal entschuldige ich mich, dass ich gestern nichts geschrieben habe.
Leider hat mich eine blöde Grippe erwischt und so habe ich gestern einfach einmal das Bett gehütet.
Aber ab heute geht es wieder weiter mit meinen Erlebnissen:
Das Beste an der Tätigkeit als Hausarbeiterin waren jedoch die lieben Kolleginnen.
Es mag sich zwar etwas verrückt anhören, aber bei der Arbeit habe ich manchmal ganz vergessen, dass ich im Gefängnis war.
Natürlich gab es dabei einige Einschränkungen und nicht jeder Tag war gleich, aber wir hatten eigentlich immer etwas zu lachen.
Insbesondere unsere Beamtin hat schon dafür gesorgt, dass wir das konnten.
So gehörte es z.b. zu unseren Aufgaben in regelmässigen Abständen das Feuerwehrgerätehaus der freiwilligen Betriebsfeuerwehr zu putzen.
Das Feuerwehrauto ist ein echter Klassiker aus den 60er Jahren und muss natürlich, aufgrund seines Alters, regelmässig bewegt werden.
Also hat sich unsere Beamtin den Schlüssel geholt und, während wir geputzt haben, diese Bewegungsfahrten auf dem Gelände unternommen. Dabei hatte sie soviel Spass, dass auch noch Blaulicht und Sirene eingeschaltet wurden und sie wie Grisu der kleine Drache durchs Gelände gebraust ist.
Wir haben Tränen gelacht, als jeder Mitarbeiter in der Nähe erst einmal gucken musste wo es denn nun brennt.
Ein besonderes Steckenpferd von ihr war die Pflege der Höfe und Grünanlagen. Immer wenn wir etwas freie Zeit hatten, haben wir Unkraut gezupft, gepflanzt oder die Pflanzen gepflegt.
Wir haben diese Tätigkeiten immer besonders gern gemacht, weil wir auf der einen Seite dabei das schöne Wetter geniessen konnten und es auf der anderen Seite eine willkommene Abwechslung zu unserer sonstigen Tätigkeit war.
Irgendwann hat sie bei einem unserer Rundgänge ein kleines Eichenbäumchen ( na ja eigentlich nur drei Blätter mit Wurzel) entdeckt, den wir unbedingt in einem der Höfe einpflanzen sollten. Der Platz dafür war allerdings etwas kompliziert (mitten auf dem Rasen) gewählt.
Wenn wir nun in den folgenden Wochen den Rasen gemäht haben, hat sie immer Angst um ihren Baum gehabt.
Irgendwann hat sie dann im Scherz gesagt, wir sollen doch bitte für den Baum einen Zaun stricken. Na nichts leichter als das!
Ein Wochenende später hatte sie einen Zaun aus alten Wollresten und den Ästen eines Reisigbesens für Ihren Baum. Wir haben diesen dann sogar ganz feierlich um das Bäumchen gestellt.
Ich mag gar nicht daran denken, was wohl die anderen Gefangenen beim Hofgang gedacht haben als nun mitten auf dem Rasen drei Blätter Eiche und ein gestrickter Zaun standen.
Aber was soll´s wir hatten unseren Spass und was andere gedacht haben kann uns ja egal sein.
Auch die immer wiederkehrenden Besichtigungsgruppen sorgten für unsere Erheiterung. Uns stand es frei, im Fall einer Führung, weiter zu arbeiten oder uns solange irgendwo zu verkriechen.
Am Anfang haben wir schon versucht nicht unbedingt gesehen zu werden, aber irgendwann war es uns egal und wir haben einfach weiter gearbeitet.
Nun war ich, bei einer dieser Führungen, gerade dabei mit einer Kollegin den Boden unter der Zentrale zu kehren. Über uns hörten wir die Besuchergruppe, die wir aber nicht weiter beachtet haben. Bis wir auf einmal eine völlig ungläubige Stimme einer jungen Frau hörten die sagte: Oh guck mal, die sehen ja wie richtige Menschen aus.
Wir haben uns nur angeschaut und beide gleichzeitig laut losgelacht. Was hatte die denn erwartet? Das wir im Panzerknackeroverall mit Nummern auf der Brust rumlaufen? Oder das wir völlig tätowiert und kahl geschoren daher kommen? Also ich weiss es nicht.
Bei einer anderen Führung war ich gerade dabei die Treppen mit einer Wurzelbürste zu schrubben. Das gehörte einmal in der Woche zu unseren Aufgaben. Als nun die Führung an einer Glastür vorbeikam hinter der ich gerade arbeitete bemerkte mich einer der Besucher. Ich werde diesen Blick nie im Leben vergessen. Ungläubiges Staunen (wohl darüber, dass die Treppen von Hand gescheuert werden) und dann soviel Mitleid. Es war einfach nur komisch, denn Mitleid brauchte ich nun wirklich nicht.
Bestimmt hat er später allen berichtet, dass es im Gefängnis wie bei der Zwangsarbeit vor 100 Jahren zugeht.
Also falls euch irgendwann mal einer so etwas erzählt nicht glauben! Es sah schlimmer aus als es war.
Am liebsten haben wir allerdings die Aussenanlage gepflegt, denn dazu konnten wir unter Aufsicht die JVA verlassen. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Luft gleich anders gerochen hat sobald man vor dem Tor stand.
Das ist natürlich nur Einbildung aber diese Einbildung war sehr real. Es hat nach Freiheit gerochen.
Auf der Strasse fuhren Autos und ganz normale Menschen gingen an uns vorbei. Vor allem war es für mich ein Stück Freiheit, nicht zuletzt durch das Vertrauen was uns dabei entgegengebracht wurde.
Einmal waren wir bei dieser Gelegenheit sogar für einige Minuten völlig ohne Aufsicht, da einer der Besucher vergessen hatte an seinem Auto die Handbremse anzuziehen und sich das Auto nun in Richtung der viel befahrenen Strasse bewegt hatte.
Wir konnten es zum Glück mit vereinten Kräften aufhalten und zurück in die Parklücke schieben. Allerdings sass der Fahrer im Besucherraum.
Unsere Beamtin ist dann zurück in die JVA und hat dem Fahrer Bescheid gegeben. Sicher hat sie damit gegen die Vorschriften verstossen, aber sie konnte sich auch sicher sein, dass wir ihr Vertrauen nicht ausnutzen würden.
Was hätte eine Flucht denn überhaupt für einen Sinn gehabt? Selbst wenn ich dadurch die Freiheit wieder erlangt hätte, wäre es der grösste Fehler gewesen.
Ein Leben auf der Flucht, in der Illegalität und immer die Angst irgendwann einmal gefasst zu werden. Das ist es nicht wert.
Ausserdem war ich ja selbst Schuld daran, überhaupt in Haft gekommen zu sein.
Morgen geht es weiter versprochen:
Date: Tuesday, 15 Nov 2005 11:45
Hallo Leute,
heute kommt mein berich ein wenig später als üblich, aber er kommt.
Nachdem ich in den letzten Tagen ja über den Theorie- und Praxisvergleich geschrieben habe, erzähle ich ab heute weiter von meinem Leben in der Anstalt:
Nun aber weiter zu meinem Leben dort. Irgendwie vergingen die Tage, in immer gleicher Eintönigkeit.
Nachdem ich ungefähr zweieinhalb Monate dort verbracht hatte, wurde meine Freundin dort dann entlassen.
Sie war bis dahin als Hausarbeiterin tätig und hatte mir viel über diesen Job erzählt. Irgendwie habe ich sie immer beneidet, denn es war vor allem sehr abwechslungsreich dort zu arbeiten und sie hatte viele Freiheiten die es in anderen Arbeitsbereichen nicht gab.
Ich habe dann meinen fünften Antrag an den Arbeitsinspektor gestellt, in dem ich ihn gebeten habe genau die Position meiner Mitgefangenen übernehmen zu dürfen.
Und was soll ich sagen, es hat geklappt.
Ich habe an einem Freitag erfahren, dass ich dann ab Montag nicht mehr zu den Untätigen gehöre. Ich kann hier wohl niemandem richtig begreiflich machen, wie gross meine Freude darüber war.
Endlich hatte ich eine Aufgabe. Auch wenn die Tätigkeit, zum grössten Teil, nur im Putzen, Essen verteilen und ein wenig Gartenarbeit bestand, bot sie mir doch die Möglichkeit mich sinnvoll einzubringen.
Die für uns zuständige Beamtin war irgendwie ein Unikum, an der sich die Geister schieden. Entweder man mochte sie oder man mochte sie nicht.
Sie war ein herzensguter Mensch, die für ihre Mädels einfach, alles in Ihrer Macht stehende, tat um uns weiterzuhelfen.
Egal ob es darum ging einmal schnell telefonieren zu müssen, es Probleme mit der Arbeitsverwaltung gab, man einfach mal einen Rat brauchte oder sich nur einmal alles von der Seele reden wollte. Sie hatte immer ein offenes Ohr für uns und konnte uns manchmal auch wirklich schnell, und vor allem unbürokratisch, helfen.
Auf der anderen Seite werde ich nie unsere erste Begegnung vergessen. Ich stand, als ich gerade zwei oder drei Tage dort war, vor einer verschlossenen Tür und musste in die nächste Abteilung.
Zur Erklärung muss ich hier anfügen, dass es in der Anstalt üblich war, dass man von seiner Abteilung alleine losgeschickt wurde (ohne begleitende Beamtin) wenn man sich auf einer anderen Abteilung oder in der Verwaltung melden musste. In der Regel wurde einem dann die erste Zwischentür geöffnet und man wurde losgeschickt. Da es aber überall Zwischentüren gibt und es üblich und vorgeschrieben ist, dass diese verschlossen werden, steht man schon bald vor den nächsten verschlossenen Türen. Dort wartet man dann bis eine Beamtin kommt die diese dann öffnet und man zur nächsten Tür gelangt. So geht das dann einige Male bis man am Ziel ist.
Also stand ich vor so einer Zwischentür und wartete. Die Beamtin kam dann in meine Richtung, weil sie in eine in der Nähe liegende Zelle musste. Als ich sie dann fragte ob sie mir die Tür öffnen könnte wurde mir sehr laut und empört mit den Worten Ich bin doch keine Schliesserin geantwortet.
Heute weiss ich, dass das keinesfalls böse gemeint war sondern, dass das einfach ihre Art war. Wir haben sehr viel später darüber herzlich lachen können.
Und genau diese Beamtin war nun meine Vorgesetzte. Ich meldete mich also am Montag um 6:45 Uhr bei ihr und begann nach einer kurzen Einweisung mit meiner Arbeit.
Für jeden Arbeitstag gab es genau strukturierte Abläufe. Jede von uns Hausarbeiterinnen hatte einen vorgegeben Bereich zu putzen. Wenn eine mit ihrer Tätigkeit fertig war half sie bei einer anderen mit, damit alle gleichzeitig zur Frühstückspause ihr erstes Pensum geschafft hatten.
Mit der Zeit waren wir eine richtig tolle Truppe, und von ein paar kleineren Streitigkeiten untereinander einmal abgesehen, hatten wir eigentlich immer etwas zu lachen.
Da die Anstalt sehr gross ist und unsere jede von uns ja ihren eigenen Bereich hatte konnte unsere Beamtin ja nicht bei allen von uns gleichzeitig sein. Schon allein deshalb hatten wir viele Freiheiten. Wir konnten uns relativ frei im gesamten Gebäude bewegen, hatten ein Stück Eigenverantwortung und nicht mehr das Gefühl ständig überwacht zu werden.
Morgen werde ich dann noch einige kleine Anekdoten aus meiner Arbeitstätigkeit zum Besten geben.
heute kommt mein berich ein wenig später als üblich, aber er kommt.
Nachdem ich in den letzten Tagen ja über den Theorie- und Praxisvergleich geschrieben habe, erzähle ich ab heute weiter von meinem Leben in der Anstalt:
Nun aber weiter zu meinem Leben dort. Irgendwie vergingen die Tage, in immer gleicher Eintönigkeit.
Nachdem ich ungefähr zweieinhalb Monate dort verbracht hatte, wurde meine Freundin dort dann entlassen.
Sie war bis dahin als Hausarbeiterin tätig und hatte mir viel über diesen Job erzählt. Irgendwie habe ich sie immer beneidet, denn es war vor allem sehr abwechslungsreich dort zu arbeiten und sie hatte viele Freiheiten die es in anderen Arbeitsbereichen nicht gab.
Ich habe dann meinen fünften Antrag an den Arbeitsinspektor gestellt, in dem ich ihn gebeten habe genau die Position meiner Mitgefangenen übernehmen zu dürfen.
Und was soll ich sagen, es hat geklappt.
Ich habe an einem Freitag erfahren, dass ich dann ab Montag nicht mehr zu den Untätigen gehöre. Ich kann hier wohl niemandem richtig begreiflich machen, wie gross meine Freude darüber war.
Endlich hatte ich eine Aufgabe. Auch wenn die Tätigkeit, zum grössten Teil, nur im Putzen, Essen verteilen und ein wenig Gartenarbeit bestand, bot sie mir doch die Möglichkeit mich sinnvoll einzubringen.
Die für uns zuständige Beamtin war irgendwie ein Unikum, an der sich die Geister schieden. Entweder man mochte sie oder man mochte sie nicht.
Sie war ein herzensguter Mensch, die für ihre Mädels einfach, alles in Ihrer Macht stehende, tat um uns weiterzuhelfen.
Egal ob es darum ging einmal schnell telefonieren zu müssen, es Probleme mit der Arbeitsverwaltung gab, man einfach mal einen Rat brauchte oder sich nur einmal alles von der Seele reden wollte. Sie hatte immer ein offenes Ohr für uns und konnte uns manchmal auch wirklich schnell, und vor allem unbürokratisch, helfen.
Auf der anderen Seite werde ich nie unsere erste Begegnung vergessen. Ich stand, als ich gerade zwei oder drei Tage dort war, vor einer verschlossenen Tür und musste in die nächste Abteilung.
Zur Erklärung muss ich hier anfügen, dass es in der Anstalt üblich war, dass man von seiner Abteilung alleine losgeschickt wurde (ohne begleitende Beamtin) wenn man sich auf einer anderen Abteilung oder in der Verwaltung melden musste. In der Regel wurde einem dann die erste Zwischentür geöffnet und man wurde losgeschickt. Da es aber überall Zwischentüren gibt und es üblich und vorgeschrieben ist, dass diese verschlossen werden, steht man schon bald vor den nächsten verschlossenen Türen. Dort wartet man dann bis eine Beamtin kommt die diese dann öffnet und man zur nächsten Tür gelangt. So geht das dann einige Male bis man am Ziel ist.
Also stand ich vor so einer Zwischentür und wartete. Die Beamtin kam dann in meine Richtung, weil sie in eine in der Nähe liegende Zelle musste. Als ich sie dann fragte ob sie mir die Tür öffnen könnte wurde mir sehr laut und empört mit den Worten Ich bin doch keine Schliesserin geantwortet.
Heute weiss ich, dass das keinesfalls böse gemeint war sondern, dass das einfach ihre Art war. Wir haben sehr viel später darüber herzlich lachen können.
Und genau diese Beamtin war nun meine Vorgesetzte. Ich meldete mich also am Montag um 6:45 Uhr bei ihr und begann nach einer kurzen Einweisung mit meiner Arbeit.
Für jeden Arbeitstag gab es genau strukturierte Abläufe. Jede von uns Hausarbeiterinnen hatte einen vorgegeben Bereich zu putzen. Wenn eine mit ihrer Tätigkeit fertig war half sie bei einer anderen mit, damit alle gleichzeitig zur Frühstückspause ihr erstes Pensum geschafft hatten.
Mit der Zeit waren wir eine richtig tolle Truppe, und von ein paar kleineren Streitigkeiten untereinander einmal abgesehen, hatten wir eigentlich immer etwas zu lachen.
Da die Anstalt sehr gross ist und unsere jede von uns ja ihren eigenen Bereich hatte konnte unsere Beamtin ja nicht bei allen von uns gleichzeitig sein. Schon allein deshalb hatten wir viele Freiheiten. Wir konnten uns relativ frei im gesamten Gebäude bewegen, hatten ein Stück Eigenverantwortung und nicht mehr das Gefühl ständig überwacht zu werden.
Morgen werde ich dann noch einige kleine Anekdoten aus meiner Arbeitstätigkeit zum Besten geben.
Date: Monday, 14 Nov 2005 02:41
So da bin ich wieder.
Heute gibt es den zweiten und letzten Teil des Theorie- und Praxisvergleichs.
Dabei möchte ich anmerken, dass ich hier nicht das gesammte Strafvollzugsgesetz veröffentlicht habe.
Ich habe mich beim Vergleich nur auf die abweichenden Punkte konzentriert.
Aber nun weiter mit dem Vergleich:
StVollzG § 39 Freies Beschäftigungsverhältnis, Selbstbeschäftigung
Absatz 1: Dem Gefangenen soll gestattet werden, einer Arbeit, Berufsausbildung oder beruflichen Weiterbildung auf der Grundlage eines freien Beschäftigungsverhältnisses außerhalb der Anstalt nachzugehen, wenn dies im Rahmen des Vollzugsplanes dem Ziel dient, Fähigkeiten für eine Erwerbstätigkeit nach der Entlassung zu vermitteln, zu erhalten oder zu fördern und nicht überwiegende Gründe des Vollzuges entgegenstehen. § 11 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 und § 14 bleiben unberührt.
Praxis: Das war, zumindest in der Anstalt in der ich untergebracht war nicht möglich.
Leider habe ich von diesem Gesetz erst zu spät erfahren, sonst hätte ich sicher das einzige mal während meiner Haftzeit rebelliert.
Zur Erklärung: Bevor ich verhaftet wurde war ich selbstständig.
Meine kleine Einzelfirma als florierendes Unternehmen zu bezeichnen wäre mit Sicherheit übertrieben.
Aber ich hatte einige Kunden, denen ich Zusagen gemacht hatte und die darauf vertrauten, dass ich diese auch einhalten würde.
Nachdem mir bei einem ersten Gespräch mit dem Arbeitsinspektor der JVA gesagt wurde, dass man mir im Moment keine Arbeit geben könne und ich mindestens mit einer Wartezeit von 6 Monaten rechnen könnte, ist mir der Gedanke gekommen zu versuchen ob ich meine Tätigkeit auch von der Haftanstalt ausüben könnte.
Ich habe dann einen Antrag, für ein Gespräch, gestellt und mein Anliegen vorgebracht.
Alles was ich zur Ausübung meiner Tätigkeit gebraucht hätte wären ein Computer und ein Taschenrechner gewesen.
Zuerst wurde mir daraufhin gesagt, dass man mir einen Computer nicht genehmigen könnte, allerdings wurden mir hierfür keine Gründe genannt. Ich habe dann gesagt, dass ich zur Not auch mit einer Schreibmaschine arbeiten könnte.
Daraufhin wurde mir dann gesagt, dass das in der Anstalt nicht üblich sei und ich keine Genehmigung für solch ein Arbeitsverhältnis bekommen würde.
StVollzG § 41 Arbeitspflicht
Absatz 1: Der Gefangene ist verpflichtet, eine ihm zugewiesene, seinen körperlichen Fähigkeiten angemessene Arbeit, arbeitstherapeutische oder sonstige Beschäftigung auszuüben, zu deren Verrichtung er auf Grund seines körperlichen Zustandes in der Lage ist. Er kann jährlich bis zu drei Monaten zu Hilfstätigkeiten in der Anstalt verpflichtet werden, mit seiner Zustimmung auch darüber hinaus. Die Sätze 1 und 2 gelten nicht für Gefangene, die über 65 Jahre alt sind, und nicht für werdende und stillende Mütter, soweit gesetzliche Beschäftigungsverbote zum Schutz erwerbstätiger Mütter bestehen.
Praxis: Wie bereits vorher beschrieben besteht für jeden Gefangenen die Pflicht zu arbeiten. Leider stehen Arbeitsplätze nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung.
StVollzG § 72 Hilfe bei der Aufnahme
Absatz 1: Bei der Aufnahme wird dem Gefangenen geholfen, die notwendigen Maßnahmen für hilfsbedürftige Angehörige zu veranlassen und seine Habe außerhalb der Anstalt sicherzustellen.
Praxis: Wie bereits vorher beschrieben gibt für neu aufgenommene Gefangene keine Hilfe und Information.
Erst durch eine Mitarbeiterin einer evangelischen Diakonie wurde mir Hilfe bei der Regelung meiner persönlichen Angelegenheiten angeboten.
Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings schon drei Wochen in Haft und hatte mich selbst um die notwendigen Dinge gekümmert.
Absatz 2: Der Gefangene ist über die Aufrechterhaltung einer Sozialversicherung zu beraten.
Praxis: Auch hierzu kann ich nur sagen, so eine Bratung fand nicht statt.
StVollzG § 74 Hilfe zur Entlassung
Absatz 1: Um die Entlassung vorzubereiten, ist der Gefangene bei der Ordnung seiner persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten zu beraten. Die Beratung erstreckt sich auch auf die Benennung der für Sozialleistungen zuständigen Stellen. Dem Gefangenen ist zu helfen, Arbeit, Unterkunft und persönlichen Beistand für die Zeit nach der Entlassung zu finden.
Praxis: Ich habe es zwar erlebt, dass Gefangene in Entlassungsvorbereitungsseminaren auf die Entlassung vorbereitet wurden, allerdings handelte es sich hierbei in der Regel um Gefangene die über einen längeren Zeitraum dort waren.
Für Gefangene die nur kurze Zeit in Haft waren gab es solche Hilfen nicht.
Ich persönlich wurde am letzten Tag meiner Haft aus dem Vollzug entlassen ohne, dass auch nur einmal eine Beratung stattgefunden hätte.
Zu meinem Glück brauchte ich da auch keine Hilfe von Seiten der Anstalt. Allerdings gibt es viele Gefangene die nicht so viel Glück haben und die in eine ungewisse Zukunft entlassen werden.
StVollzG § 159 Konferenzen
Zur Aufstellung und Überprüfung des Vollzugsplanes und zur Vorbereitung wichtiger Entscheidungen im Vollzug führt der Anstaltsleiter Konferenzen mit an der Behandlung maßgeblich Beteiligten durch.
Praxis: Diese Konferenzen gab es. Bei jeder wichtigen Entscheidung, wie z.b. die Vollzugslockerungen oder zur Beurteilung über eine vorzeitige Entlassung.
Leider darf der einzelne Gefangene nicht an diesen Konferenzen teilnehmen und seine Meinung vertreten.
In der Regel werden diese Entscheidungen also von Menschen gefällt, die den Betroffenen nur aus der Vollzugsakte kennen.
Vieleicht sehe ich einige der Abweichungen zu kritisch oder es gibt reale Gründe für die abweichende Auslegung geltender Gesetze.
Allerdings erwarte ich dann, dass mir diese erklärt werden.
So für heute war es das einmal wieder. Morgen geht es dann mit meinen Erfahrungen im realen Vollzug weiter.
Heute gibt es den zweiten und letzten Teil des Theorie- und Praxisvergleichs.
Dabei möchte ich anmerken, dass ich hier nicht das gesammte Strafvollzugsgesetz veröffentlicht habe.
Ich habe mich beim Vergleich nur auf die abweichenden Punkte konzentriert.
Aber nun weiter mit dem Vergleich:
StVollzG § 39 Freies Beschäftigungsverhältnis, Selbstbeschäftigung
Absatz 1: Dem Gefangenen soll gestattet werden, einer Arbeit, Berufsausbildung oder beruflichen Weiterbildung auf der Grundlage eines freien Beschäftigungsverhältnisses außerhalb der Anstalt nachzugehen, wenn dies im Rahmen des Vollzugsplanes dem Ziel dient, Fähigkeiten für eine Erwerbstätigkeit nach der Entlassung zu vermitteln, zu erhalten oder zu fördern und nicht überwiegende Gründe des Vollzuges entgegenstehen. § 11 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 und § 14 bleiben unberührt.
Praxis: Das war, zumindest in der Anstalt in der ich untergebracht war nicht möglich.
Leider habe ich von diesem Gesetz erst zu spät erfahren, sonst hätte ich sicher das einzige mal während meiner Haftzeit rebelliert.
Zur Erklärung: Bevor ich verhaftet wurde war ich selbstständig.
Meine kleine Einzelfirma als florierendes Unternehmen zu bezeichnen wäre mit Sicherheit übertrieben.
Aber ich hatte einige Kunden, denen ich Zusagen gemacht hatte und die darauf vertrauten, dass ich diese auch einhalten würde.
Nachdem mir bei einem ersten Gespräch mit dem Arbeitsinspektor der JVA gesagt wurde, dass man mir im Moment keine Arbeit geben könne und ich mindestens mit einer Wartezeit von 6 Monaten rechnen könnte, ist mir der Gedanke gekommen zu versuchen ob ich meine Tätigkeit auch von der Haftanstalt ausüben könnte.
Ich habe dann einen Antrag, für ein Gespräch, gestellt und mein Anliegen vorgebracht.
Alles was ich zur Ausübung meiner Tätigkeit gebraucht hätte wären ein Computer und ein Taschenrechner gewesen.
Zuerst wurde mir daraufhin gesagt, dass man mir einen Computer nicht genehmigen könnte, allerdings wurden mir hierfür keine Gründe genannt. Ich habe dann gesagt, dass ich zur Not auch mit einer Schreibmaschine arbeiten könnte.
Daraufhin wurde mir dann gesagt, dass das in der Anstalt nicht üblich sei und ich keine Genehmigung für solch ein Arbeitsverhältnis bekommen würde.
StVollzG § 41 Arbeitspflicht
Absatz 1: Der Gefangene ist verpflichtet, eine ihm zugewiesene, seinen körperlichen Fähigkeiten angemessene Arbeit, arbeitstherapeutische oder sonstige Beschäftigung auszuüben, zu deren Verrichtung er auf Grund seines körperlichen Zustandes in der Lage ist. Er kann jährlich bis zu drei Monaten zu Hilfstätigkeiten in der Anstalt verpflichtet werden, mit seiner Zustimmung auch darüber hinaus. Die Sätze 1 und 2 gelten nicht für Gefangene, die über 65 Jahre alt sind, und nicht für werdende und stillende Mütter, soweit gesetzliche Beschäftigungsverbote zum Schutz erwerbstätiger Mütter bestehen.
Praxis: Wie bereits vorher beschrieben besteht für jeden Gefangenen die Pflicht zu arbeiten. Leider stehen Arbeitsplätze nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung.
StVollzG § 72 Hilfe bei der Aufnahme
Absatz 1: Bei der Aufnahme wird dem Gefangenen geholfen, die notwendigen Maßnahmen für hilfsbedürftige Angehörige zu veranlassen und seine Habe außerhalb der Anstalt sicherzustellen.
Praxis: Wie bereits vorher beschrieben gibt für neu aufgenommene Gefangene keine Hilfe und Information.
Erst durch eine Mitarbeiterin einer evangelischen Diakonie wurde mir Hilfe bei der Regelung meiner persönlichen Angelegenheiten angeboten.
Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings schon drei Wochen in Haft und hatte mich selbst um die notwendigen Dinge gekümmert.
Absatz 2: Der Gefangene ist über die Aufrechterhaltung einer Sozialversicherung zu beraten.
Praxis: Auch hierzu kann ich nur sagen, so eine Bratung fand nicht statt.
StVollzG § 74 Hilfe zur Entlassung
Absatz 1: Um die Entlassung vorzubereiten, ist der Gefangene bei der Ordnung seiner persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten zu beraten. Die Beratung erstreckt sich auch auf die Benennung der für Sozialleistungen zuständigen Stellen. Dem Gefangenen ist zu helfen, Arbeit, Unterkunft und persönlichen Beistand für die Zeit nach der Entlassung zu finden.
Praxis: Ich habe es zwar erlebt, dass Gefangene in Entlassungsvorbereitungsseminaren auf die Entlassung vorbereitet wurden, allerdings handelte es sich hierbei in der Regel um Gefangene die über einen längeren Zeitraum dort waren.
Für Gefangene die nur kurze Zeit in Haft waren gab es solche Hilfen nicht.
Ich persönlich wurde am letzten Tag meiner Haft aus dem Vollzug entlassen ohne, dass auch nur einmal eine Beratung stattgefunden hätte.
Zu meinem Glück brauchte ich da auch keine Hilfe von Seiten der Anstalt. Allerdings gibt es viele Gefangene die nicht so viel Glück haben und die in eine ungewisse Zukunft entlassen werden.
StVollzG § 159 Konferenzen
Zur Aufstellung und Überprüfung des Vollzugsplanes und zur Vorbereitung wichtiger Entscheidungen im Vollzug führt der Anstaltsleiter Konferenzen mit an der Behandlung maßgeblich Beteiligten durch.
Praxis: Diese Konferenzen gab es. Bei jeder wichtigen Entscheidung, wie z.b. die Vollzugslockerungen oder zur Beurteilung über eine vorzeitige Entlassung.
Leider darf der einzelne Gefangene nicht an diesen Konferenzen teilnehmen und seine Meinung vertreten.
In der Regel werden diese Entscheidungen also von Menschen gefällt, die den Betroffenen nur aus der Vollzugsakte kennen.
Vieleicht sehe ich einige der Abweichungen zu kritisch oder es gibt reale Gründe für die abweichende Auslegung geltender Gesetze.
Allerdings erwarte ich dann, dass mir diese erklärt werden.
So für heute war es das einmal wieder. Morgen geht es dann mit meinen Erfahrungen im realen Vollzug weiter.
Date: Saturday, 12 Nov 2005 23:13
Hallo Leute,
da bin ich wieder.
Zuerst einmal möchte ich euch allen von Herzen danken.
Jeden Tag wenn ich die Besucherzahlen sehe (die Anzeige hier im Blog funktioniert leider immer noch nicht - liebes Supportteam bitte kümmert euch) bin ich neu motiviert weiter zu machen.
Ich hätte nie mit so grossem Interesse an meiner Geschichte gerechnet.
Gerade euer Interesse motiviert mich und heute habe ich zum ersten Mal festgestellt wie gut es mir selbst dabei geht.
Ich habe zwar, nach meiner Entlassung, immer wieder an die Zeit gedacht aber ich habe wohl auch unbewusst versucht einige unangenehme Dinge wieder zu verdrängen.
Jetzt bin ich aber gezwungen alles, beim Schreiben, noch einmal zu erleben und stelle fest, dass es mir persönlich gut tut noch einmal über die Dinge nachzudenken.
Dafür danke ich euch.
Nun aber zu dem bereits angekündigten Theorie- und Praxisvergleich:
Ich habe im folgenden einmal das Strafvollzugsgesetz, in Auszügen, einem Theorie- und Praxisvergleich unterzogen:
Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel). Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.
Praxis:
Leider habe ich nie erfahren wie diese Vollzugsziel erreicht werden soll, mit mir zumindest hat niemand der Verantwortlichen darüber gesprochen.
StVollzG § 3 Gestaltung des Vollzuges
Absatz 1: Das Leben im Vollzug soll den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen werden
Praxis:
Eine Angliederung an die allgemeinen Lebensverhältnisse ist, meiner Meinung nach, überhaupt nicht möglich.
Das fängt bei der allgemeinen Körperhygiene an (ich hatte ja eingangs beschrieben, dass es Anstalten gibt in denen das Duschen nur zweimal in der Woche erlaubt ist und in denen sich Gefangene auch nur mit kaltem Wasser waschen können).
Zu normalen allgemeinen Lebensverhältnissen zählt meiner Meinung nach auch, dass jeder Mensch auch das Recht auf Selbstbestimmung hat.
Im Vollzug wird über den Menschen bestimmt ohne, dass er dabei ein Mitspracherecht hat.
Absatz 2: Schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges ist entgegenzuwirken.
Praxis: Auch das ist in der Praxis nicht zu realisieren.
In der Regel verliert der Gefangene seine Arbeit, seine Wohnung und in vielen Fällen auch seine sozialen Kontakte.
Wie bereits vorher beschrieben ist ein Austausch über Gefühle kaum möglich. Der Gefangene verlernt, in den meisten Fällen, über sich und seine Gefühle, Ängste und Sorgen reden zu können.
Sicher gibt es in der JVA Sozialarbeiter, Pfarrer oder Psychologen.
Aber schon allein die Tatsache, dass jedes Gespräch beantragt werden muss und es dann in der Regel mehrere Tage dauert bis dieses dann auch wirklich stattfindet ist, meiner Meinung nach, nicht dazu angetan wirklich zu helfen.
Ein weiterer Punkt ist, dass gerade neue Häftlinge nicht ausreichend über die Möglichkeiten der Hilfe aufgeklärt werden.
Sie wissen nicht wie sie ihre Miete zahlen sollen, wie sie dafür sorgen sollen ihre Zukunft draussen nicht ganz zu verlieren.
Niemand weiss, dass es externe Hilfsorganisationen gibt die den Frauen wirklich helfen können.
Das erfährt man dann durch Zufall von Mitgefangenen oder nach einigen Wochen durch die Mitarbeiterinnen dieser Organisationen.
Jeder Gefangene, in der Anstalt in der ich untergebracht war, erhielt bei seiner Aufnahme ein Merkblatt in dem aber leider nur die Regeln der Anstalt verzeichnet waren.
Warum wird in diesen Merkblättern nicht auf die Hilfsmöglichkeiten aufmerksam gemacht?
Bis viele Gefangene diese kennen sind die Schäden schon eingetreten und es ist zu spät daran etwas zu ändern.
Absatz 3: Der Vollzug ist darauf auszurichten, dass er dem Gefangenen hilft, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern.
Praxis: Sicher lernen einige Gefangene erst im Gefängnis was es heisst einen geregelten Tagesablauf zu haben.
Richtig ist auch, dass die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess, soweit Arbeit vorhanden, wichtig ist um auch in Freiheit ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein.
Darüber hinaus ist aber nichts davon zu merken.
Die Häftlinge werden weggesperrt, um die Gesellschaft vor ihnen zu schützen. Das ist ja auch richtig so.
Nur leider wird der Gefangene nicht dazu angeleitet sich mit seinen Taten auseinanderzusetzen.
Und ohne eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit ist eine Wiedereingliederung fast unmöglich.
Viele sitzen ihre Zeit einfach nur ab und werden dann am Entlassungstag einfach wieder raus gelassen.
Es wird niemand gefragt was er für Zukunftspläne hat oder ob er in Freiheit überhaupt eine Bleibe hat.
Wenn der Gefangene nicht aus eigenem Antrieb das Gespräch und die Hilfe sucht, dann scheint es niemanden wirklich zu interessieren.
Ist es wirklich so schwer mit jedem Gefangenen über seine Zukunft zu reden?
Müsste damit nicht jede Resozialisierung anfangen?
StVollzG § 4 Stellung des Gefangenen
Absatz1: Der Gefangene wirkt an der Gestaltung seiner Behandlung und an der Erreichung des Vollzugszieles mit. Seine Bereitschaft hierzu ist zu wecken und zu fördern.
Praxis: Ich habe bis heute nicht erfahren was mein Vollzugsziel eigentlich war.
Wie kann ich also zu etwas bereit sein das ich nicht kenne.
Absatz2: Der Gefangene unterliegt den in diesem Gesetz vorgesehenen Beschränkungen seiner Freiheit. Soweit das Gesetz eine besondere Regelung nicht enthält, dürfen ihm nur Beschränkungen auferlegt werden, die zur Aufrechterhaltung der Sicherheit oder zur Abwendung einer schwerwiegenden Störung der Ordnung der Anstalt unerlässlich sind.
Praxis: Schon allein die Tatsache, dass sogar die Ausstattung der Hafträume genau reglementiert ist widerspricht diesem Grundsatz.
Es ist sogar vorgeschrieben wie viele Stifte oder Fotos jeder einzelne besitzen darf, wie viele Teller oder Tassen sich in der Zelle befinden dürfen.
Ich könnte hier noch viele Beispiele erwähnen in denen es, meiner Meinung nach, nicht nachvollziehbare Einschränkungen gab.
StVollzG § 5 Aufnahmeverfahren
Absatz1: Beim Aufnahmeverfahren dürfen andere Gefangene nicht zugegen sein.
Praxis: das wird so gehandhabt
Absatz2: Der Gefangene wird über seine Rechte und Pflichten unterrichtet.
Es gab ein Merkblatt allerdings nur mit den Pflichten.
Absatz3:Nach der Aufnahme wird der Gefangene alsbald ärztlich untersucht und dem Leiter der Anstalt oder der Aufnahmeabteilung vorgestellt.
Praxis: Die ärztliche Untersuchung fand statt. Allerdings sind mir, in den ganzen 6 Monaten, weder der Anstaltsleiter noch die Aufnahmeleitung vorgestellt worden.
StVollzG § 6 Behandlungsuntersuchung. Beteiligung des Gefangenen
Absatz 1: Nach dem Aufnahmeverfahren wird damit begonnen, die Persönlichkeit und die Lebensverhältnisse des Gefangenen zu erforschen.
Hiervon kann abgesehen werden, wenn dies mit Rücksicht auf die Vollzugsdauer nicht geboten erscheint.
Praxis: Von dieser Erforschung habe ich nie etwas mitbekommen, aber vielleicht wird ja deshalb jeder Brief gelesen und jedes Telefongespräch mitgehört.
Absatz 2: Die Untersuchung erstreckt sich auf die Umstände, deren Kenntnis für eine planvolle Behandlung des Gefangenen im Vollzug und für die Eingliederung nach seiner Entlassung notwendig ist.
Praxis: Wie schon vorher beschrieben habe ich davon nie etwas bemerkt
Absatz3: Die Planung der Behandlung wird mit dem Gefangenen erörtert.
Praxis: Auch hier muss ich sagen fand niemals statt.
StVollzG § 7 Vollzugsplan
Absatz 1: Auf Grund der Behandlungsuntersuchung (§ 6) wird ein Vollzugsplan erstellt.
Absatz 2: Der Vollzugsplan enthält Angaben mindestens über folgende Behandlungsmaßnahmen:
1. die Unterbringung im geschlossenen oder offenen Vollzug,
2. die Verlegung in eine sozialtherapeutische Anstalt,
3. die Zuweisung zu Wohngruppen und Behandlungsgruppen,
4. den Arbeitseinsatz sowie Maßnahmen der beruflichen Ausbildung oder Weiterbildung,
5. die Teilnahme an Veranstaltungen der Weiterbildung,
6. besondere Hilfs- und Behandlungsmaßnahmen,
7. Lockerungen des Vollzuges und
8. notwendige Maßnahmen zur Vorbereitung der Entlassung.
Absatz 3: Der Vollzugsplan ist mit der Entwicklung des Gefangenen und weiteren Ergebnissen der Persönlichkeitserforschung in Einklang zu halten. Hierfür sind im Vollzugsplan angemessene Fristen vorzusehen.
Praxis: Ich habe zu keiner Zeit erfahren ob es für mich auch einen Vollzugsplan gab und was darin stand.
StVollzG § 10 Offener und geschlossener Vollzug
Absatz 1: Ein Gefangener soll mit seiner Zustimmung in einer Anstalt oder Abteilung des offenen Vollzuges untergebracht werden, wenn er den besonderen Anforderungen des offenen Vollzuges genügt und namentlich nicht zu befürchten ist, dass er sich dem Vollzug der Freiheitsstrafe entziehen oder die Möglichkeiten des offenen Vollzuges zu Straftaten missbrauchen werde.
Praxis: Da es leider in Bayern, zumindest in Bayern, kaum Plätze für den offenen Vollzug ( in meiner JVA waren es wohl gerade 8 Plätze für über 500 Insassinnen) gibt, ist der geschlossene Vollzug die Regel.
Nur in besonderen Ausnahmesituationen (z.B. Ausbildungsplatz) und nach sehr langer Wartezeit war eine Verlegung in den offenen Vollzug möglich.
Absatz 2: Im übrigen sind die Gefangenen im geschlossenen Vollzug unterzubringen. Ein Gefangener kann auch dann im geschlossenen Vollzug untergebracht oder dorthin zurückverlegt werden, wenn dies zu seiner Behandlung notwendig ist.
Praxis: Wie schon vorher beschrieben ist dieser geschlossene Vollzug die Regel.
StVollzG § 11 Lockerungen des Vollzuges
Absatz 1: Als Lockerung des Vollzuges kann namentlich angeordnet werden, daß der Gefangene
1. außerhalb der Anstalt regelmäßig einer Beschäftigung unter Aufsicht
(Außenbeschäftigung) oder ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten
(Freigang) nachgehen darf oder
2. für eine bestimmte Tageszeit die Anstalt unter Aufsicht (Ausführung) oder
ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten (Ausgang) verlassen darf.
Absatz 2: Diese Lockerungen dürfen mit Zustimmung des Gefangenen angeordnet werden, wenn nicht zu befürchten ist, dass der Gefangene sich dem Vollzug der Freiheitsstrafe entziehen oder die Lockerungen des Vollzuges zu Straftaten missbrauchen werde.
Praxis: Diese Lockerungen gab es.
In der Regel erhielten alle Gefangenen, die eine Freiheitsstrafe unter zwei Jahren zu verbüssen hatten, nach drei Monaten das erste mal Ausgang.
Dabei variierte die genehmigte Stundenzahl zwischen vier und acht Stunden. Etwa zwei Monate vor der Entlassung wurde sogar Ausgang für 10 Stunden gewährt.
So das war jetzt der erste Teil des Vergleichs ich werde in den nächsten Tagen weitere dieser Vergleiche hinzufügen:
da bin ich wieder.
Zuerst einmal möchte ich euch allen von Herzen danken.
Jeden Tag wenn ich die Besucherzahlen sehe (die Anzeige hier im Blog funktioniert leider immer noch nicht - liebes Supportteam bitte kümmert euch) bin ich neu motiviert weiter zu machen.
Ich hätte nie mit so grossem Interesse an meiner Geschichte gerechnet.
Gerade euer Interesse motiviert mich und heute habe ich zum ersten Mal festgestellt wie gut es mir selbst dabei geht.
Ich habe zwar, nach meiner Entlassung, immer wieder an die Zeit gedacht aber ich habe wohl auch unbewusst versucht einige unangenehme Dinge wieder zu verdrängen.
Jetzt bin ich aber gezwungen alles, beim Schreiben, noch einmal zu erleben und stelle fest, dass es mir persönlich gut tut noch einmal über die Dinge nachzudenken.
Dafür danke ich euch.
Nun aber zu dem bereits angekündigten Theorie- und Praxisvergleich:
Ich habe im folgenden einmal das Strafvollzugsgesetz, in Auszügen, einem Theorie- und Praxisvergleich unterzogen:
Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel). Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.
Praxis:
Leider habe ich nie erfahren wie diese Vollzugsziel erreicht werden soll, mit mir zumindest hat niemand der Verantwortlichen darüber gesprochen.
StVollzG § 3 Gestaltung des Vollzuges
Absatz 1: Das Leben im Vollzug soll den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen werden
Praxis:
Eine Angliederung an die allgemeinen Lebensverhältnisse ist, meiner Meinung nach, überhaupt nicht möglich.
Das fängt bei der allgemeinen Körperhygiene an (ich hatte ja eingangs beschrieben, dass es Anstalten gibt in denen das Duschen nur zweimal in der Woche erlaubt ist und in denen sich Gefangene auch nur mit kaltem Wasser waschen können).
Zu normalen allgemeinen Lebensverhältnissen zählt meiner Meinung nach auch, dass jeder Mensch auch das Recht auf Selbstbestimmung hat.
Im Vollzug wird über den Menschen bestimmt ohne, dass er dabei ein Mitspracherecht hat.
Absatz 2: Schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges ist entgegenzuwirken.
Praxis: Auch das ist in der Praxis nicht zu realisieren.
In der Regel verliert der Gefangene seine Arbeit, seine Wohnung und in vielen Fällen auch seine sozialen Kontakte.
Wie bereits vorher beschrieben ist ein Austausch über Gefühle kaum möglich. Der Gefangene verlernt, in den meisten Fällen, über sich und seine Gefühle, Ängste und Sorgen reden zu können.
Sicher gibt es in der JVA Sozialarbeiter, Pfarrer oder Psychologen.
Aber schon allein die Tatsache, dass jedes Gespräch beantragt werden muss und es dann in der Regel mehrere Tage dauert bis dieses dann auch wirklich stattfindet ist, meiner Meinung nach, nicht dazu angetan wirklich zu helfen.
Ein weiterer Punkt ist, dass gerade neue Häftlinge nicht ausreichend über die Möglichkeiten der Hilfe aufgeklärt werden.
Sie wissen nicht wie sie ihre Miete zahlen sollen, wie sie dafür sorgen sollen ihre Zukunft draussen nicht ganz zu verlieren.
Niemand weiss, dass es externe Hilfsorganisationen gibt die den Frauen wirklich helfen können.
Das erfährt man dann durch Zufall von Mitgefangenen oder nach einigen Wochen durch die Mitarbeiterinnen dieser Organisationen.
Jeder Gefangene, in der Anstalt in der ich untergebracht war, erhielt bei seiner Aufnahme ein Merkblatt in dem aber leider nur die Regeln der Anstalt verzeichnet waren.
Warum wird in diesen Merkblättern nicht auf die Hilfsmöglichkeiten aufmerksam gemacht?
Bis viele Gefangene diese kennen sind die Schäden schon eingetreten und es ist zu spät daran etwas zu ändern.
Absatz 3: Der Vollzug ist darauf auszurichten, dass er dem Gefangenen hilft, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern.
Praxis: Sicher lernen einige Gefangene erst im Gefängnis was es heisst einen geregelten Tagesablauf zu haben.
Richtig ist auch, dass die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess, soweit Arbeit vorhanden, wichtig ist um auch in Freiheit ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein.
Darüber hinaus ist aber nichts davon zu merken.
Die Häftlinge werden weggesperrt, um die Gesellschaft vor ihnen zu schützen. Das ist ja auch richtig so.
Nur leider wird der Gefangene nicht dazu angeleitet sich mit seinen Taten auseinanderzusetzen.
Und ohne eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit ist eine Wiedereingliederung fast unmöglich.
Viele sitzen ihre Zeit einfach nur ab und werden dann am Entlassungstag einfach wieder raus gelassen.
Es wird niemand gefragt was er für Zukunftspläne hat oder ob er in Freiheit überhaupt eine Bleibe hat.
Wenn der Gefangene nicht aus eigenem Antrieb das Gespräch und die Hilfe sucht, dann scheint es niemanden wirklich zu interessieren.
Ist es wirklich so schwer mit jedem Gefangenen über seine Zukunft zu reden?
Müsste damit nicht jede Resozialisierung anfangen?
StVollzG § 4 Stellung des Gefangenen
Absatz1: Der Gefangene wirkt an der Gestaltung seiner Behandlung und an der Erreichung des Vollzugszieles mit. Seine Bereitschaft hierzu ist zu wecken und zu fördern.
Praxis: Ich habe bis heute nicht erfahren was mein Vollzugsziel eigentlich war.
Wie kann ich also zu etwas bereit sein das ich nicht kenne.
Absatz2: Der Gefangene unterliegt den in diesem Gesetz vorgesehenen Beschränkungen seiner Freiheit. Soweit das Gesetz eine besondere Regelung nicht enthält, dürfen ihm nur Beschränkungen auferlegt werden, die zur Aufrechterhaltung der Sicherheit oder zur Abwendung einer schwerwiegenden Störung der Ordnung der Anstalt unerlässlich sind.
Praxis: Schon allein die Tatsache, dass sogar die Ausstattung der Hafträume genau reglementiert ist widerspricht diesem Grundsatz.
Es ist sogar vorgeschrieben wie viele Stifte oder Fotos jeder einzelne besitzen darf, wie viele Teller oder Tassen sich in der Zelle befinden dürfen.
Ich könnte hier noch viele Beispiele erwähnen in denen es, meiner Meinung nach, nicht nachvollziehbare Einschränkungen gab.
StVollzG § 5 Aufnahmeverfahren
Absatz1: Beim Aufnahmeverfahren dürfen andere Gefangene nicht zugegen sein.
Praxis: das wird so gehandhabt
Absatz2: Der Gefangene wird über seine Rechte und Pflichten unterrichtet.
Es gab ein Merkblatt allerdings nur mit den Pflichten.
Absatz3:Nach der Aufnahme wird der Gefangene alsbald ärztlich untersucht und dem Leiter der Anstalt oder der Aufnahmeabteilung vorgestellt.
Praxis: Die ärztliche Untersuchung fand statt. Allerdings sind mir, in den ganzen 6 Monaten, weder der Anstaltsleiter noch die Aufnahmeleitung vorgestellt worden.
StVollzG § 6 Behandlungsuntersuchung. Beteiligung des Gefangenen
Absatz 1: Nach dem Aufnahmeverfahren wird damit begonnen, die Persönlichkeit und die Lebensverhältnisse des Gefangenen zu erforschen.
Hiervon kann abgesehen werden, wenn dies mit Rücksicht auf die Vollzugsdauer nicht geboten erscheint.
Praxis: Von dieser Erforschung habe ich nie etwas mitbekommen, aber vielleicht wird ja deshalb jeder Brief gelesen und jedes Telefongespräch mitgehört.
Absatz 2: Die Untersuchung erstreckt sich auf die Umstände, deren Kenntnis für eine planvolle Behandlung des Gefangenen im Vollzug und für die Eingliederung nach seiner Entlassung notwendig ist.
Praxis: Wie schon vorher beschrieben habe ich davon nie etwas bemerkt
Absatz3: Die Planung der Behandlung wird mit dem Gefangenen erörtert.
Praxis: Auch hier muss ich sagen fand niemals statt.
StVollzG § 7 Vollzugsplan
Absatz 1: Auf Grund der Behandlungsuntersuchung (§ 6) wird ein Vollzugsplan erstellt.
Absatz 2: Der Vollzugsplan enthält Angaben mindestens über folgende Behandlungsmaßnahmen:
1. die Unterbringung im geschlossenen oder offenen Vollzug,
2. die Verlegung in eine sozialtherapeutische Anstalt,
3. die Zuweisung zu Wohngruppen und Behandlungsgruppen,
4. den Arbeitseinsatz sowie Maßnahmen der beruflichen Ausbildung oder Weiterbildung,
5. die Teilnahme an Veranstaltungen der Weiterbildung,
6. besondere Hilfs- und Behandlungsmaßnahmen,
7. Lockerungen des Vollzuges und
8. notwendige Maßnahmen zur Vorbereitung der Entlassung.
Absatz 3: Der Vollzugsplan ist mit der Entwicklung des Gefangenen und weiteren Ergebnissen der Persönlichkeitserforschung in Einklang zu halten. Hierfür sind im Vollzugsplan angemessene Fristen vorzusehen.
Praxis: Ich habe zu keiner Zeit erfahren ob es für mich auch einen Vollzugsplan gab und was darin stand.
StVollzG § 10 Offener und geschlossener Vollzug
Absatz 1: Ein Gefangener soll mit seiner Zustimmung in einer Anstalt oder Abteilung des offenen Vollzuges untergebracht werden, wenn er den besonderen Anforderungen des offenen Vollzuges genügt und namentlich nicht zu befürchten ist, dass er sich dem Vollzug der Freiheitsstrafe entziehen oder die Möglichkeiten des offenen Vollzuges zu Straftaten missbrauchen werde.
Praxis: Da es leider in Bayern, zumindest in Bayern, kaum Plätze für den offenen Vollzug ( in meiner JVA waren es wohl gerade 8 Plätze für über 500 Insassinnen) gibt, ist der geschlossene Vollzug die Regel.
Nur in besonderen Ausnahmesituationen (z.B. Ausbildungsplatz) und nach sehr langer Wartezeit war eine Verlegung in den offenen Vollzug möglich.
Absatz 2: Im übrigen sind die Gefangenen im geschlossenen Vollzug unterzubringen. Ein Gefangener kann auch dann im geschlossenen Vollzug untergebracht oder dorthin zurückverlegt werden, wenn dies zu seiner Behandlung notwendig ist.
Praxis: Wie schon vorher beschrieben ist dieser geschlossene Vollzug die Regel.
StVollzG § 11 Lockerungen des Vollzuges
Absatz 1: Als Lockerung des Vollzuges kann namentlich angeordnet werden, daß der Gefangene
1. außerhalb der Anstalt regelmäßig einer Beschäftigung unter Aufsicht
(Außenbeschäftigung) oder ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten
(Freigang) nachgehen darf oder
2. für eine bestimmte Tageszeit die Anstalt unter Aufsicht (Ausführung) oder
ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten (Ausgang) verlassen darf.
Absatz 2: Diese Lockerungen dürfen mit Zustimmung des Gefangenen angeordnet werden, wenn nicht zu befürchten ist, dass der Gefangene sich dem Vollzug der Freiheitsstrafe entziehen oder die Lockerungen des Vollzuges zu Straftaten missbrauchen werde.
Praxis: Diese Lockerungen gab es.
In der Regel erhielten alle Gefangenen, die eine Freiheitsstrafe unter zwei Jahren zu verbüssen hatten, nach drei Monaten das erste mal Ausgang.
Dabei variierte die genehmigte Stundenzahl zwischen vier und acht Stunden. Etwa zwei Monate vor der Entlassung wurde sogar Ausgang für 10 Stunden gewährt.
So das war jetzt der erste Teil des Vergleichs ich werde in den nächsten Tagen weitere dieser Vergleiche hinzufügen:
Date: Saturday, 12 Nov 2005 01:30
Hallo Leute,
da bin ich wieder. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es jeden Tag mehr Leute sind die sich für meine Geschichte interessieren. Gestern allein waren es 144 Besucher. Und wenn das heute so weitergeht dann drehe ich langsam richtig durch. Sogar in Florida interessiert sich wenigstens eine Person für das Thema. An dieser Stelle also erst einmal "Hallo Karl"ich freue mich wenn dir meine Berichte gefallen.
Und nun zu dir Deiter Neu:
Ich habe sehr lange überlegt ob ich dir überhaupt antworten soll, ja sogar ob ich deinen Kommentar
( für alle die ihn nicht gelesen haben hier eine Kopie:
"2005-11-11 10:40
Na, dann kannst du dich von dem Vergewaltiger ja mal durchmöbeln lassen. Krankes Schwein, elendiges. Und du verlinkst ihn ohne weiteres einfach.
Warum?"
einfach lösche. Ich habe mich gegen das Löschen und für die Antwort entschieden.
"Warum?"
Zuerst einmal hat hier jeder das Recht seine Meinung zu sagen, ganz egal ob mir oder dir oder sonst jemandem der Kommentar gefällt.
Zweitens hättest du dir das Blog vom Tagesgedankler vieleicht einmal etwas genauer durchlesen sollen. Mir fällt beim Lesen nämlich auf, dass da ein Mensch schreibt der vieleicht in seinem Leben sehr viele Fehler gemacht hat, aber zu diesen Fehlern steht und aus den Konsequenzen gelernt hat. Ich bewundere ihn sogar für die Kraft und die Ruhe, die er nötig hatte um nach 10 Jahren sein Leben noch einmal von vorne zu beginnen. Ich selbst weiss wie schwer das ist und ich war nur ein halbes Jahr in Haft.
Gerade für Menschen wie dich habe ich angefangen diesen Blog zu schreiben. Menschen die so intollerant sind, dass sie mit ihrer Ignoranz und Selbstdarstellung andere beleidigen und demütigen. Die nicht verstehen wollen oder können, dass es Menschen gibt die aus ihrer Vergangenheit gelernt haben und nach Verbüssung ihrer Strafe das Recht auf eine zweite Chance haben. Und übrigens wenn ich in der Nähe wohnen würde, dann würde ich mit dem Tagesgedankler sogar sehr gerne mal einen Kaffee trinken gehen (ohne Angst davor haben zu müssen "durchgemöbelt" zu werden), denn gerade seine Einstellung Frauen gegenüber ist ehrlicher als die mancher sogenannter "Saubermänner". Er lässt sich nicht, nur um nicht alleine zu sein, mit einer Frau ein - nein er wartet auf die grosse Liebe. Kannst du das von dir auch behaupten?
Ach und noch etwas: Bezahle immer deine Strafzettel sonst kommst du vieleicht auch einmal in den Genuss der Hafterfahrung!
Entschuldigung aber das musste jetzt einfach mal sein.
Nun aber weiter zum nächsten Teil:
Trotzdem war ich froh endlich mein eigenes, kleines Reich zu haben und auf niemanden mehr Rücksicht nehmen zu müssen.
Na gut die Wände waren schon recht schmutzig, vom Staub einiger Jahre, vom Rauch meiner Vormieterrinnen und vom verschütteten Kaffee der langsam an der Wand hinter dem Tisch herunter geronnen war.
Leider sind auch in der JVA drastische Sparmassnahmen alltäglich und Zellen werden nur dann renoviert wenn ihr Anblick wirklich absolut unerträglich ist.
Dafür konnte ich mir jetzt Fernsehprogramme ansehen die mich interessierten, konnte mein Informationsdefizit durch Reportagen, aktuelle Nachrichten und politische Berichte wieder aufholen.
Allerdings wird auch hier, von Seiten der Anstalt, darauf geachtet, dass die Häftlinge nicht 24 Stunden am Tag nur vor der Glotze hängen. Pünktlich um Mitternacht wird nämlich der Strom für den Fernsehempfang gekappt. Nach einiger Zeit hat man sich aber daran gewöhnt und vermeidet es sich Sendungen oder Filme anzuschauen die über diesen Zeitpunkt hinausgehen.
Und ausserdem hatte ich ja dann auch die allabendliche Geräuschkulisse, die mir zwar so manche schlaflose Stunde bereitete, aber zumindest mein theoretisches Fachwissen der verschiedenen Sexualpraktiken enorm erweiterte.
Da ich das Pech hatte genau in Sicht- und Hörweite der Männerstation zu wohnen und es einige meiner Mitgefangenen nicht lassen konnten sich verbotenerweise über den Hof hinweg gegenseitig ihre Phantasien zuzubrüllen, blieb nur die Möglichkeit das Fenster zu schliessen oder mir ihre Phantasien anzuhören.
Auch die Tatsache, dass die Erwischten mit Freizeitarrest (kein Aufschluss, kein TV, kein Radio, keine sozialen Kontakte, totale Isolation) von ein bis zwei Wochen und im Wiederholungsfall sogar mit noch strengerer Bestrafung rechnen mussten, hielt niemanden davon ab.
Einige haben sogar so etwas wie Knastliebschaften angefangen, bei der sich dann beide Partner gegenseitig über die so genannte Hauspost Liebesbriefe schreiben. In der Regel wissen dann beide nichts übereinander und nur der Austausch eines Fotos begründet ihre Liebe.
Irgendwie kann ich die Leute sogar verstehen, denn meistens sind das sehr einsame Menschen, die auch in der Freiheit kaum jemanden haben, und die sich hierdurch eine Illusion der Zusammengehörigkeit schaffen.
Wie gesagt, gegen die Briefe hatte ich ja nichts einzuwenden aber das Geschreie war mir dann doch zuwider.
Nun mag mancher Leser denken, dass meine Tage in der Einzelzelle sehr langweilig waren. Das ist aber nie der Fall gewesen. Wie bereits geschildert habe ich während der geschlossenen Zeiten sehr viel fern geschaut und sehr viel gelesen.
Zu den Aufschlusszeiten kamen dann viele Gefangene einfach mal zum Reden oder Kaffeetrinken vorbei.
Irgendwann habe ich dann einmal die jüngste Ausgabe des Strafvollzugsgesetzes in die Finger bekommen und damit begonnen einmal Theorie und Praxis zu vergleichen.
Na ja wie sich sicher jeder denken kann gab es da schon grosse Unterschiede.
Ich habe bis zu dem Zeitpunkt immer gedacht, dass gerade dort wo Strafen für Gesetzesverletzungen vollstreckt werden, genau nach den geltenden Gesetzen vorgegangen wird.
Leider ist das, zumindest in Bayern, nicht immer der Fall.
Ich möchte hier auch nicht über die Zustände schimpfen oder meine sicherlich unterbewusst vorhandene Enttäuschung kundtun, aber zum besseren Verständnis muss ich wohl meine Ergebnisse einmal zusammenfassen.
Das werde ich dann morgen hier veröffentlichen.
da bin ich wieder. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es jeden Tag mehr Leute sind die sich für meine Geschichte interessieren. Gestern allein waren es 144 Besucher. Und wenn das heute so weitergeht dann drehe ich langsam richtig durch. Sogar in Florida interessiert sich wenigstens eine Person für das Thema. An dieser Stelle also erst einmal "Hallo Karl"ich freue mich wenn dir meine Berichte gefallen.
Und nun zu dir Deiter Neu:
Ich habe sehr lange überlegt ob ich dir überhaupt antworten soll, ja sogar ob ich deinen Kommentar
( für alle die ihn nicht gelesen haben hier eine Kopie:
"2005-11-11 10:40
Na, dann kannst du dich von dem Vergewaltiger ja mal durchmöbeln lassen. Krankes Schwein, elendiges. Und du verlinkst ihn ohne weiteres einfach.
Warum?"
einfach lösche. Ich habe mich gegen das Löschen und für die Antwort entschieden.
"Warum?"
Zuerst einmal hat hier jeder das Recht seine Meinung zu sagen, ganz egal ob mir oder dir oder sonst jemandem der Kommentar gefällt.
Zweitens hättest du dir das Blog vom Tagesgedankler vieleicht einmal etwas genauer durchlesen sollen. Mir fällt beim Lesen nämlich auf, dass da ein Mensch schreibt der vieleicht in seinem Leben sehr viele Fehler gemacht hat, aber zu diesen Fehlern steht und aus den Konsequenzen gelernt hat. Ich bewundere ihn sogar für die Kraft und die Ruhe, die er nötig hatte um nach 10 Jahren sein Leben noch einmal von vorne zu beginnen. Ich selbst weiss wie schwer das ist und ich war nur ein halbes Jahr in Haft.
Gerade für Menschen wie dich habe ich angefangen diesen Blog zu schreiben. Menschen die so intollerant sind, dass sie mit ihrer Ignoranz und Selbstdarstellung andere beleidigen und demütigen. Die nicht verstehen wollen oder können, dass es Menschen gibt die aus ihrer Vergangenheit gelernt haben und nach Verbüssung ihrer Strafe das Recht auf eine zweite Chance haben. Und übrigens wenn ich in der Nähe wohnen würde, dann würde ich mit dem Tagesgedankler sogar sehr gerne mal einen Kaffee trinken gehen (ohne Angst davor haben zu müssen "durchgemöbelt" zu werden), denn gerade seine Einstellung Frauen gegenüber ist ehrlicher als die mancher sogenannter "Saubermänner". Er lässt sich nicht, nur um nicht alleine zu sein, mit einer Frau ein - nein er wartet auf die grosse Liebe. Kannst du das von dir auch behaupten?
Ach und noch etwas: Bezahle immer deine Strafzettel sonst kommst du vieleicht auch einmal in den Genuss der Hafterfahrung!
Entschuldigung aber das musste jetzt einfach mal sein.
Nun aber weiter zum nächsten Teil:
Trotzdem war ich froh endlich mein eigenes, kleines Reich zu haben und auf niemanden mehr Rücksicht nehmen zu müssen.
Na gut die Wände waren schon recht schmutzig, vom Staub einiger Jahre, vom Rauch meiner Vormieterrinnen und vom verschütteten Kaffee der langsam an der Wand hinter dem Tisch herunter geronnen war.
Leider sind auch in der JVA drastische Sparmassnahmen alltäglich und Zellen werden nur dann renoviert wenn ihr Anblick wirklich absolut unerträglich ist.
Dafür konnte ich mir jetzt Fernsehprogramme ansehen die mich interessierten, konnte mein Informationsdefizit durch Reportagen, aktuelle Nachrichten und politische Berichte wieder aufholen.
Allerdings wird auch hier, von Seiten der Anstalt, darauf geachtet, dass die Häftlinge nicht 24 Stunden am Tag nur vor der Glotze hängen. Pünktlich um Mitternacht wird nämlich der Strom für den Fernsehempfang gekappt. Nach einiger Zeit hat man sich aber daran gewöhnt und vermeidet es sich Sendungen oder Filme anzuschauen die über diesen Zeitpunkt hinausgehen.
Und ausserdem hatte ich ja dann auch die allabendliche Geräuschkulisse, die mir zwar so manche schlaflose Stunde bereitete, aber zumindest mein theoretisches Fachwissen der verschiedenen Sexualpraktiken enorm erweiterte.
Da ich das Pech hatte genau in Sicht- und Hörweite der Männerstation zu wohnen und es einige meiner Mitgefangenen nicht lassen konnten sich verbotenerweise über den Hof hinweg gegenseitig ihre Phantasien zuzubrüllen, blieb nur die Möglichkeit das Fenster zu schliessen oder mir ihre Phantasien anzuhören.
Auch die Tatsache, dass die Erwischten mit Freizeitarrest (kein Aufschluss, kein TV, kein Radio, keine sozialen Kontakte, totale Isolation) von ein bis zwei Wochen und im Wiederholungsfall sogar mit noch strengerer Bestrafung rechnen mussten, hielt niemanden davon ab.
Einige haben sogar so etwas wie Knastliebschaften angefangen, bei der sich dann beide Partner gegenseitig über die so genannte Hauspost Liebesbriefe schreiben. In der Regel wissen dann beide nichts übereinander und nur der Austausch eines Fotos begründet ihre Liebe.
Irgendwie kann ich die Leute sogar verstehen, denn meistens sind das sehr einsame Menschen, die auch in der Freiheit kaum jemanden haben, und die sich hierdurch eine Illusion der Zusammengehörigkeit schaffen.
Wie gesagt, gegen die Briefe hatte ich ja nichts einzuwenden aber das Geschreie war mir dann doch zuwider.
Nun mag mancher Leser denken, dass meine Tage in der Einzelzelle sehr langweilig waren. Das ist aber nie der Fall gewesen. Wie bereits geschildert habe ich während der geschlossenen Zeiten sehr viel fern geschaut und sehr viel gelesen.
Zu den Aufschlusszeiten kamen dann viele Gefangene einfach mal zum Reden oder Kaffeetrinken vorbei.
Irgendwann habe ich dann einmal die jüngste Ausgabe des Strafvollzugsgesetzes in die Finger bekommen und damit begonnen einmal Theorie und Praxis zu vergleichen.
Na ja wie sich sicher jeder denken kann gab es da schon grosse Unterschiede.
Ich habe bis zu dem Zeitpunkt immer gedacht, dass gerade dort wo Strafen für Gesetzesverletzungen vollstreckt werden, genau nach den geltenden Gesetzen vorgegangen wird.
Leider ist das, zumindest in Bayern, nicht immer der Fall.
Ich möchte hier auch nicht über die Zustände schimpfen oder meine sicherlich unterbewusst vorhandene Enttäuschung kundtun, aber zum besseren Verständnis muss ich wohl meine Ergebnisse einmal zusammenfassen.
Das werde ich dann morgen hier veröffentlichen.
Date: Friday, 11 Nov 2005 19:02
@tagesgedankler
Deine Frage "Hat sich übrigens schon mal jemand der Leser die Frage gestellt, warum es so viele MÄNNER in Haft gibt, der Anteil der inhaftierten FRAUEN aber äußerst gering ist? Darüber sollten wir nachdenken...", hat mir keine Ruhe gekassen. Ein durchaus interessanter Denkanstoss. Ich habe nun wenigstens eine "offizielle Erklärung gefunden die ich niemandem vorenthalten möchte.
Statistisches Bundesamt
Mitteilung für die Presse
Zahl der Woche
6. Maerz 2001
--------------------------------------------------------------------------------
Frauen deutlich weniger strafffällig als Männer
--------------------------------------------------------------------------------
Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, spielen Frauen in der Kriminalität nur eine untergeordnete Rolle. Von den 759 700 Verurteilten im früheren Bundesgebiet und Berlin des Jahres 1999 war nur jede sechste (127 200) eine Frau. Kriminell auffällig werden bei Frauen wie bei Männern vor allem die Jüngeren. 26 % der verurteilten Frauen waren 1999 jünger als 25 Jahre und 42 % jünger als 30 Jahre.
Ein bei Frauen häufiges Delikt ist der so genannte einfache Diebstahl. 1999 mussten sich deswegen 30 % der weiblichen Verurteilten vor Gericht verantworten. Deutlich unterdurchschnittlich war demgegenüber der Frauenanteil bei schweren Deliktformen. Nur 8 % der straffälligen Frauen wurden wegen Körperverletzungsdelikten und nur 7 % wegen Raubdelikten verurteilt.
Weil Frauen weniger und leichtere Straftaten begehen als Männer, werden Frauen nur relativ selten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Bedeutsam ist auch, dass straffällig gewordene Frauen ein geringeres Rückfallrisiko und eine günstigere Sozialprognose als Männer aufweisen. Von den 60 800 Personen, die sich am 31. März 2000 im deutschen Strafvollzug befanden, waren nur 4 % (knapp 2 400) Frauen.
--------------------------------------------------------------------------------
Weitere Auskünfte erteilt: Hans-Albert Conrad, Telefon: (0611) 75-4114.
--------------------------------------------------------------------------------
Herausgeber: © Statistisches Bundesamt, Pressestelle, Gustav-Stresemann-Ring 11, 65189 Wiesbaden
Verbreitung mit Quellenangabe erwünscht. Telefon: (06 11) 75 - 34 44, Telefax (06 11) 75 - 39 76
E-Mail: presse@destatis.de - Internet: http://www.destatis.de
Sie erreichen uns montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr.
Wie bereits geschrieben hat sich der Anteil der inhaftierten Frauen bis heute von 4 % auf 6,5 % erhöht.
Deine Frage "Hat sich übrigens schon mal jemand der Leser die Frage gestellt, warum es so viele MÄNNER in Haft gibt, der Anteil der inhaftierten FRAUEN aber äußerst gering ist? Darüber sollten wir nachdenken...", hat mir keine Ruhe gekassen. Ein durchaus interessanter Denkanstoss. Ich habe nun wenigstens eine "offizielle Erklärung gefunden die ich niemandem vorenthalten möchte.
Statistisches Bundesamt
Mitteilung für die Presse
Zahl der Woche
6. Maerz 2001
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Frauen deutlich weniger strafffällig als Männer
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Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, spielen Frauen in der Kriminalität nur eine untergeordnete Rolle. Von den 759 700 Verurteilten im früheren Bundesgebiet und Berlin des Jahres 1999 war nur jede sechste (127 200) eine Frau. Kriminell auffällig werden bei Frauen wie bei Männern vor allem die Jüngeren. 26 % der verurteilten Frauen waren 1999 jünger als 25 Jahre und 42 % jünger als 30 Jahre.
Ein bei Frauen häufiges Delikt ist der so genannte einfache Diebstahl. 1999 mussten sich deswegen 30 % der weiblichen Verurteilten vor Gericht verantworten. Deutlich unterdurchschnittlich war demgegenüber der Frauenanteil bei schweren Deliktformen. Nur 8 % der straffälligen Frauen wurden wegen Körperverletzungsdelikten und nur 7 % wegen Raubdelikten verurteilt.
Weil Frauen weniger und leichtere Straftaten begehen als Männer, werden Frauen nur relativ selten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Bedeutsam ist auch, dass straffällig gewordene Frauen ein geringeres Rückfallrisiko und eine günstigere Sozialprognose als Männer aufweisen. Von den 60 800 Personen, die sich am 31. März 2000 im deutschen Strafvollzug befanden, waren nur 4 % (knapp 2 400) Frauen.
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Weitere Auskünfte erteilt: Hans-Albert Conrad, Telefon: (0611) 75-4114.
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Herausgeber: © Statistisches Bundesamt, Pressestelle, Gustav-Stresemann-Ring 11, 65189 Wiesbaden
Verbreitung mit Quellenangabe erwünscht. Telefon: (06 11) 75 - 34 44, Telefax (06 11) 75 - 39 76
E-Mail: presse@destatis.de - Internet: http://www.destatis.de
Sie erreichen uns montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr.
Wie bereits geschrieben hat sich der Anteil der inhaftierten Frauen bis heute von 4 % auf 6,5 % erhöht.
Date: Thursday, 10 Nov 2005 23:36
Hallo
Leute da bin ich wieder. Jetzt musste ich mich erst einmal kneifen. Aber ich bin wirklich wach - es ist kein Traum! Ich habe mir gerade die Besucherzahlen angesehen und bin immer noch völlig fassungslos. Allein gestern (am 10.11.2005) haben 90 Leute diese Seite besucht. Wenn der eine oder andere auch heute wieder mitliest: "Ich danke euch für euer Interesse"
@peanut Ich freue mich wenn ich dazu beitragen kann dir zu sagen wie es in der Realität dort zugeht. Ich bemühe mich wenigstens jeden Tag ein wenig mehr zu erzählen, ob mir das immer gelingen wird weiss ich nicht, aber ich werde mir Mühe geben.
@Thomas ich hoffe deine Kollegen sprechen nicht nur über mein Blog, mir wäre es nämlich viel lieber sie würden sich über das Thema im allgemeinen austauschen. Um in Zukunft vieleicht ehemalige Gefangene als Menschen zu sehen, die zwar in ihrem Leben viele Fehler gemacht haben, aber dafür auch ihre Strafe bekommen haben und wenn sie daraus gelernt haben eine zweite Chance verdienen. Ich habe von ehemaligen Gefangenen gehört, dass das leider heute in vielen Fällen nicht selbstverständlich ist. Glaub mir der Satz "Einmal Knacki - Immer Knacki" trifft auf die wenigsten zu. Die meisten versuchen einfach ihr Leben wieder in die richtige Bahn zu bekommen. Jeder weiss sicher, dass ein Neuanfang immer sehr schwer ist, aber wenn dann noch Vorurteile und Berührungsängste dazukommen ist es fast unmöglich.
So nun aber weiter mit meiner Geschichte:
Ein weiteres Problem des harmonischen Zusammenlebens war die Cliquenbildung. Wie wohl überall gibt es Menschen die besser miteinander harmonieren als andere. In Freiheit gibt es da auch keine Probleme, denn man kann sich im Regelfall aus dem Weg gehen. Leider ist das im Gefängnis nur bedingt möglich und so bilden sich auf allen Abteilungen gewisse Gruppen heraus, die sich dann gegenseitig das Leben noch schwerer machen. Da wird hinter dem Rücken der anderen gelästert, es werden kleine und grosse Gemeinheiten ausgetauscht, Gerüchte werden gestreut und es kommt auch in Einzelfällen zu Handgreiflichkeiten. Zu meinem Glück habe ich es in meinem Leben immer so gehalten, dass ich jeden Menschen so toleriere wie er ist. Daher habe ich mich auch dort niemals in eine dieser Gruppen involvieren lassen und bin zu jeder Gefangenen gleich tolerant geblieben. Das war das Beste was ich machen konnte, denn so gab es für mich nie Probleme und ich hatte zu allen Insassinnen ein gutes Verhältnis. Natürlich gab es da immer die eine oder die andere die ich mehr mochte und mit der ich meine Freizeit lieber verbracht habe, aber insgesamt kann ich sagen hatte ich mit niemandem ein Problem.
Nach etwa drei Wochen kam dann der Tag an dem meine Mitbewohnerin in eine Einzelzelle verlegt wurde. Sie hatte, bevor ich in ihre Zelle verlegt wurde, einen Antrag gestellt weil es mit meiner Vormieterin einige Probleme gab und nun war es soweit und eine Einzelzelle war frei. Dass hiess jedoch für mich, mich an eine neue Mitbewohnerin gewöhnen zu müssen. Aber so ist das nun einmal in Haft, wenn du dich an jemanden gewöhnt hast dann erfolgt unweigerlich die Trennung. Wir hatten dabei ja noch Glück wenigstens auf einer Abteilung zu bleiben und uns während der Aufschlusszeiten sehen zu können. Unsere allabendlichen Grundsatzdiskussionen habe ich aber in der Folgezeit sehr vermisst. Da meine allererste Mitbewohnerin, aus dem Zugang, in Ihrer Zelle auch nicht glücklich war und wir beide uns wenigstens schon etwas kannten sind wir dann, mit Hilfe unser netten stationsleitenden Beamtin wieder vereint worden. Es war also wieder so wie am Anfang, nur dass wir in der Zwischenzeit das Zigarettendrehen gelernt hatten und uns nun auch das richtige Papier zur Verfügung stand. Probleme bereitete uns allerdings, dass wir beide nicht gearbeitet haben und somit 24 Stunden am Tag zusammen waren. Irgendwann kommt da unweigerlich der Punkt an dem man einander auf die Nerven geht und auch die Gesprächsthemen sind irgendwann aufgebraucht, insbesondere weil ja niemand neue Impulse erhält. Wenn man dann noch mit jemandem zusammenlebt der Schwierigkeiten hat neue Kontakte zu knüpfen und sich, meiner Meinung nach, zu sehr an die Fersen des anderen heftet ist das kein Zustand der auf Dauer zu ertragen ist. Natürlich gibt es Schlimmeres, wie z.b. seine Zelle mit einer bettnässenden, ungewaschenen und ein wenig geistig zurückgebliebenen Insassin (auch so etwas gab es auf unserer Abteilung) teilen zu müssen. Aber ich war schon sehr froh als ich nach weiteren zwei Wochen dann auch endlich eine Einzelzelle bekam. Diese Einzelzellen sind genauso gross wie die Doppelzellen und der einzige Unterschied besteht darin, dass es hier nur ein Einzelbett gibt und um die Toilette kein Vorhang gespannt ist. Da es von, Seiten der Anstalt, genaue Vorgaben zur persönlichen Ausstattung der Zellen gibt sehen alle Zellen irgendwie gleich aus. Ein paar persönliche Fotos, eine Pflanze pro Haftraum, die die Grösse von 20 cm nicht überschreiten darf, und für den Preis von etwas über 30,00 sogar genormte Vorhänge für die Fenster. Dazu in den meisten Fällen ein gemietetes Fernsehgerät und schon ist alles beisammen. Aber Individualität ist ja auch nicht vorgesehen, denn Individuen passen nun einmal nicht in Normen und im Gefängnis soll sich doch jeder wieder an die Normalität gewöhnen oder sie zum ersten Mal in seinem Leben lernen.
Morgen gehts weiter, versprochen:
Leute da bin ich wieder. Jetzt musste ich mich erst einmal kneifen. Aber ich bin wirklich wach - es ist kein Traum! Ich habe mir gerade die Besucherzahlen angesehen und bin immer noch völlig fassungslos. Allein gestern (am 10.11.2005) haben 90 Leute diese Seite besucht. Wenn der eine oder andere auch heute wieder mitliest: "Ich danke euch für euer Interesse"
@peanut Ich freue mich wenn ich dazu beitragen kann dir zu sagen wie es in der Realität dort zugeht. Ich bemühe mich wenigstens jeden Tag ein wenig mehr zu erzählen, ob mir das immer gelingen wird weiss ich nicht, aber ich werde mir Mühe geben.
@Thomas ich hoffe deine Kollegen sprechen nicht nur über mein Blog, mir wäre es nämlich viel lieber sie würden sich über das Thema im allgemeinen austauschen. Um in Zukunft vieleicht ehemalige Gefangene als Menschen zu sehen, die zwar in ihrem Leben viele Fehler gemacht haben, aber dafür auch ihre Strafe bekommen haben und wenn sie daraus gelernt haben eine zweite Chance verdienen. Ich habe von ehemaligen Gefangenen gehört, dass das leider heute in vielen Fällen nicht selbstverständlich ist. Glaub mir der Satz "Einmal Knacki - Immer Knacki" trifft auf die wenigsten zu. Die meisten versuchen einfach ihr Leben wieder in die richtige Bahn zu bekommen. Jeder weiss sicher, dass ein Neuanfang immer sehr schwer ist, aber wenn dann noch Vorurteile und Berührungsängste dazukommen ist es fast unmöglich.
So nun aber weiter mit meiner Geschichte:
Ein weiteres Problem des harmonischen Zusammenlebens war die Cliquenbildung. Wie wohl überall gibt es Menschen die besser miteinander harmonieren als andere. In Freiheit gibt es da auch keine Probleme, denn man kann sich im Regelfall aus dem Weg gehen. Leider ist das im Gefängnis nur bedingt möglich und so bilden sich auf allen Abteilungen gewisse Gruppen heraus, die sich dann gegenseitig das Leben noch schwerer machen. Da wird hinter dem Rücken der anderen gelästert, es werden kleine und grosse Gemeinheiten ausgetauscht, Gerüchte werden gestreut und es kommt auch in Einzelfällen zu Handgreiflichkeiten. Zu meinem Glück habe ich es in meinem Leben immer so gehalten, dass ich jeden Menschen so toleriere wie er ist. Daher habe ich mich auch dort niemals in eine dieser Gruppen involvieren lassen und bin zu jeder Gefangenen gleich tolerant geblieben. Das war das Beste was ich machen konnte, denn so gab es für mich nie Probleme und ich hatte zu allen Insassinnen ein gutes Verhältnis. Natürlich gab es da immer die eine oder die andere die ich mehr mochte und mit der ich meine Freizeit lieber verbracht habe, aber insgesamt kann ich sagen hatte ich mit niemandem ein Problem.
Nach etwa drei Wochen kam dann der Tag an dem meine Mitbewohnerin in eine Einzelzelle verlegt wurde. Sie hatte, bevor ich in ihre Zelle verlegt wurde, einen Antrag gestellt weil es mit meiner Vormieterin einige Probleme gab und nun war es soweit und eine Einzelzelle war frei. Dass hiess jedoch für mich, mich an eine neue Mitbewohnerin gewöhnen zu müssen. Aber so ist das nun einmal in Haft, wenn du dich an jemanden gewöhnt hast dann erfolgt unweigerlich die Trennung. Wir hatten dabei ja noch Glück wenigstens auf einer Abteilung zu bleiben und uns während der Aufschlusszeiten sehen zu können. Unsere allabendlichen Grundsatzdiskussionen habe ich aber in der Folgezeit sehr vermisst. Da meine allererste Mitbewohnerin, aus dem Zugang, in Ihrer Zelle auch nicht glücklich war und wir beide uns wenigstens schon etwas kannten sind wir dann, mit Hilfe unser netten stationsleitenden Beamtin wieder vereint worden. Es war also wieder so wie am Anfang, nur dass wir in der Zwischenzeit das Zigarettendrehen gelernt hatten und uns nun auch das richtige Papier zur Verfügung stand. Probleme bereitete uns allerdings, dass wir beide nicht gearbeitet haben und somit 24 Stunden am Tag zusammen waren. Irgendwann kommt da unweigerlich der Punkt an dem man einander auf die Nerven geht und auch die Gesprächsthemen sind irgendwann aufgebraucht, insbesondere weil ja niemand neue Impulse erhält. Wenn man dann noch mit jemandem zusammenlebt der Schwierigkeiten hat neue Kontakte zu knüpfen und sich, meiner Meinung nach, zu sehr an die Fersen des anderen heftet ist das kein Zustand der auf Dauer zu ertragen ist. Natürlich gibt es Schlimmeres, wie z.b. seine Zelle mit einer bettnässenden, ungewaschenen und ein wenig geistig zurückgebliebenen Insassin (auch so etwas gab es auf unserer Abteilung) teilen zu müssen. Aber ich war schon sehr froh als ich nach weiteren zwei Wochen dann auch endlich eine Einzelzelle bekam. Diese Einzelzellen sind genauso gross wie die Doppelzellen und der einzige Unterschied besteht darin, dass es hier nur ein Einzelbett gibt und um die Toilette kein Vorhang gespannt ist. Da es von, Seiten der Anstalt, genaue Vorgaben zur persönlichen Ausstattung der Zellen gibt sehen alle Zellen irgendwie gleich aus. Ein paar persönliche Fotos, eine Pflanze pro Haftraum, die die Grösse von 20 cm nicht überschreiten darf, und für den Preis von etwas über 30,00 sogar genormte Vorhänge für die Fenster. Dazu in den meisten Fällen ein gemietetes Fernsehgerät und schon ist alles beisammen. Aber Individualität ist ja auch nicht vorgesehen, denn Individuen passen nun einmal nicht in Normen und im Gefängnis soll sich doch jeder wieder an die Normalität gewöhnen oder sie zum ersten Mal in seinem Leben lernen.
Morgen gehts weiter, versprochen:
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