Date: Wed, 22 May 2013 16:12:12 +0200
Quote:
- Gefangen
XI: Teil
http://gefangen.jubiiblog.de/blog.php?id=22
Text:
- Hallo Leute,
zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich erst heute weiter schreibe.
Ich hatte zwar gedacht wieder gesund zu sein aber leider war das ein Irrtum. Ich war jetzt einige Tage mit einer bösen Bronchitis im Krankenhaus und musste anschliessend noch einige private Dinge regeln.
Nun geht es aber wieder recht gut und ich kann endlich weiter schreiben.
Zuerst einmal möchte ich zu den Kommentaren kommen. der Einfachheit halber mache ich das hier, weil ich nicht weiss ob der eine oder andere noch einmal auf seine abgegebenen Kommentare schaut.
@Michele
ja die Stimmung im Besucherraum ist schon bedrückend und ich kann mir sehr gur vorstellen, dass es für dich als Besucher noch schlimmer war als für den Insassen. Vor allem der erste Warteraum ist, in seiner Enge und Ungemütlichkeit, schon eine Zumutung für die Besucher. Und auch das Verschliessen der Türen und die gesamte Atmosphäre dort sind für Besucher vieleicht noch schwerer zu ertragen, da sie ja in der Regel nichts verbrochen haben.
@pepsidose
ich war 6 Monate in Haft
@berni
Sex findet in der Regel nicht statt. Sicher gab es vereinzelt lesbische Paare aber die meisten verzichten darauf. Die gesamte Situation dort trägt auch nicht dazu bei, dass man unbedingt an Sex denkt. Da sind soviele andere Dinge im Kopf, soviele andere Probleme zu lösen. Natürlich fehlt etwas, aber was ich noch mehr als das vermisst habe war Zärtlichkeit, mich einmal anlehnen zu können, Nähe zu spüren.
@mandy
Wenn du mehr Informationen brauchst wende dich bitte per email (stefani-at@lycos.de) oder im Yahoomessenger (stefani_at@yahoo.de) oder per msn (stefani-at@hotmail.de) an mich. Ich werde dir, wenn ich es kann, jede deiner Fragen gern beantworten.
@sandra
Na das sind ja Neuigkeiten - Lebensmittelvergiftung. So langsam frage ich mich was wir überhaupt noch essen können. ich bin nur froh, dass dein freund es überstanden hat.
So nun aber weiter zu meinen Erlebnissen:
So verging die Zeit. Ich hatte jetzt ja etwas worauf ich mich freuen konnte.
Auch wenn es nur wenige Sunden Urlaub vom Haftleben waren, so waren sie doch ein Geschenk für das ich unendlich dankbar war.
Auch meinen Geburtstag musste ich so nicht dort verleben und davor hatte ich ehrlich gesagt schon Angst.
Ausserdem hatte ich nun auch die Hoffnung Weihnachten und Silvester in Freiheit verbringen zu dürfen. Denn wenn man erst einmal Ausgang hatte dann gab es in der Regel nach drei Monaten das erste Mal Urlaub.
Da ich zum damaligen Zeitpunkt davon ausgehen musste noch bis zum Frühjahr 2006 in Haft zu sein, war das ein weiterer Lichtblick in meinem Alltag.
Auch auf der Station ging alles seinen gewohnten Gang. Ich hatte jetzt beim Einkauf durch meine Arbeitstätigkeit mehr Geld zu Verfügung und konnte es mir sogar leisten ab und zu einen Kuchen oder ein Brot zu backen.
Auch wenn es beim Einkauf keine Hefe gab, denn mit dieser könnte man ja Alkohol herstellen, schmeckten das Brot oder die Brötchen richtig gut und waren eine Abwechslung auf dem Speiseplan.
Irgendwie hatte ich mich bei meinen Mitinsassinnen wohl, durch meine neutrale Art, beliebt gemacht und es kamen eigentlich jeden Tag Leute zum Reden zu mir.
Manchmal, vor allem nach anstrengenden Arbeitstagen, war mir das schon etwas zuviel. Ich habe mich sogar einige Male, bereits nach der Abendessensausgabe, in meiner Zelle eingeschlossen, weil ich einfach niemanden mehr sehen wollte.
Ende Juli wurde ich dann von einer Mitarbeiterin der Verwaltung aufgefordert einen Antrag auf vorzeitige Entlassung, nach Verbüssung der Hälfte meiner Haftzeit, zu stellen.
Ich wusste zwar, dass es diese Möglichkeit gibt aber machte mir nicht viele Hoffnungen.
Ich hatte von Mitgefangenen gehört, dass man die Halbstrafe, zumindest in Bayern, nur in ganz besonderen Ausnahmefällen bekommt.
Auch mein Anwalt, der mich immer wenn er in der Anstalt zu tun hatte, zu einem kurzen Gespräch holen liess machte mir da nicht viel Hoffnung. Ich habe den Antrag aber dann trotzdem gestellt.
Nun hiess es warten bis irgendwann eine Anhörung beim zuständigen Richter erfolgen würde. Vorher musste sowohl die Haftanstalt als auch die Staatsanwaltschaft zu meinem Antrag Stellung nehmen. Ich wusste zwar, dass meine Führung in der JVA ohne Beanstandung war aber ob das ausreichen würde war mir nicht bekannt.
Auch meine Arbeitsbeamtin war skeptisch. Sie sagte mir, dass sie davon ausgeht, dass der Antrag zur Halbstrafe abgelehnt wird ich aber nach 2/3 der Haftzeit (Ende Dezember) entlassen würde.
Ich habe dann natürlich auch über diese Option nachgedacht, aber für mich selbst entschieden, dass ich dann lieber meine Strafe bis zum letzten Tag absitze.
Nun fragt sich sicher jeder, warum ich das tun wollte wenn ich doch früher nach Hause könnte.
Zum einen wollte ich mir das Warten und die Ungewissheit kein zweites Mal antun, denn wenn man den Antrag erst einmal gestellt hat dann beginnt im Unterbewusstsein ein Kampf zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Einerseits will man nicht hoffen tut es aber dann doch, andererseits fragt man sich warum man selbst gerade Glück haben sollte früher nach Hause zu dürfen und andere nicht.
Zum anderen bedeutet eine vorzeitige Entlassung ja auch, dass der Strafrest nur zur Bewährung ausgesetzt wird. In der Regel betrug die Bewährungszeit, zumindest in den mir bekannten Fällen, drei Jahre.
Auch wenn ich mir fest vorgenommen hatte nie wieder straffällig zu werden, so wusste ich doch wie schnell man, auch ohne eigenes Verschulden, wieder in eine Situation kommen kann, in der die Bewährung widerrufen wird.
Und jetzt wo ich arbeiten konnte, die Tage schnell vorbei waren und ich mich an das Leben dort gewöhnt hatte erschien es mir dann sinnvoller auch noch die letzten Monate dort zu verbringen und ohne Altlasten ein neues Leben beginnen zu können.
Via FeedShow.com